Kommentar von
Jörg Schiffeler

Digitalisierung Die Veränderung kann keiner aufhalten

Dienstag, 12. Juni 2018
Es geht nicht mehr ohne. Gemeint ist die zunehmende Digitalisierung, die auch in der Produktion von Lebensmitteln nicht ohne Folgen bleibt.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Digitalisierung Anuga FoodTec


Bereits im Frühjahr zeigte die Anuga Food Tec eindrucksvoll, wie sich Maschinen und Produkte selbst organisieren, steuern und kontrollieren. Künftig soll die Datenwolke nicht nur auf der Management-Ebene zum Einsatz kommen, sondern auch im Maschinenraum. Die zentrale Herausforderung dabei: Die Produktion virtuell abzubilden und die „echte“ Produktion mit dem Abbild zu synchronisieren.

Neben aller Technik spielt der Mensch eine entscheidende Rolle. Vor allem aber müssen die Mitarbeiter „abgeholt“ werden und zwar dort, wo sie sind. Nur wer die Prozesse versteht und den Vorteil der Digitalisierung erkennt, kann erfolgreich mitwirken. Vielen Unternehmern und Mitarbeitern bereitet die Digitalisierung auch Ängste. Deshalb ist es gut, sich kritisch mit der neuen Arbeitswelt und neuen Möglichkeiten zu befassen, denn die Chancen scheinen groß. Unternehmer und Mitarbeiter spüren den Druck der Veränderung, der von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz ausgeht. Genau mit diesem Spannungsfeld Produktion, Mensch, Kommunikation und Sicherheit setzte sich unser Forum der Fleischwirtschaft in Quakenbrück auseinander.

„Nur wer die Prozesse versteht und den Vorteil der Digitalisierung erkennt, kann erfolgreich mitwirken. Denn sie bietet die Chance für mehr Übersichtlichkeit über komplexe Produktions- und Verkaufsabläufe, schafft Transparenz auf Knopfdruck, die nahezu jeder zu jeder Zeit steuern kann.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Wer nun glaubt, diese Themen richten sich nur an die Großen der Branche, irrt sich gewaltig. Der Weg in die Arbeitswelt der Zukunft blickt nicht auf Tonnage und Umsatzzahlen, sondern wie eh und je auf Wettbewerbsfähigkeit. Und das bedeutet, Kosten und Prozesse im Griff zu haben. Auch die Durchführung von Planspielen reduziert Risiken. Die Digitalisierung bietet die Chance für mehr Übersichtlichkeit über komplexe Produktions- und Verkaufsabläufe, schafft Transparenz auf Knopfdruck, die nahezu jeder zu jeder Zeit (per Smartphone) steuern kann. Die Organisation des Betriebs mit Bleistift und Zettel hat ausgedient. Die Verknüpfung von Daten ist jetzt die Herausforderung.
FdW 2018 - Digi-Runde
(Bild: Hermann Pentermann)

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Digitalisierung Es geht nicht mehr ohne

Die Gewinnmargen von Schlachtern, Zerlegern, Fleischhändlern, Wurstfabriken und fleischerhandwerklichen Betrieben sind klein. Umso wichtiger ist da die Erfassung und Standardisierung sämtlicher Arbeitsabläufe, denn jede noch so kleine Veränderung – beispielsweise beim Rohstoffeinsatz – wirkt sich am anderen Ende des Prozesses aus. Wo sind die kritischen Kontrollpunkte? Software kann sofort Alarm schlagen, und mit zunehmender Datenmenge werden die Systeme schlauer, weil Algorithmen immer genauer werden und damit das Steuern von Produktion, Verkauf und Controlling erleichtern.

Nun sind Fleischer keine IT-Spezialisten. Nein, sie lieben es, handwerkliche Spitzenprodukte selbst herzustellen. Selbst das kann unübersichtlich werden, denn aus einer Rezeptur leiten sich nicht selten unzählig viele Varianten einer Wurst ab. Ein durchschnittlicher Fleischwarenverarbeiter hat 450 Wurstrezepte im Repertoire, aus denen er 5.000 verschiedene Artikel herstellt. Verschiedene Darmkaliber, unterschiedliche Größen zu 80, 200 oder 500 Gramm, diverse Verpackungsmaterialien (Label unter eigenem Namen, Handelsmarke oder Discountschiene) sowie verschiedene Umverpackungen für das variable Packen einer Palette auf Anforderung des Kunden. Jede noch so kleine Stellschraube wirkt sich auf den Deckungsbeitrag aus. Das ist die eine Seite, die Sicht von innen.
FdFW 2018 -  Datenbrille
(Bild: Hermann Pentermann)

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Digitalisierung Zwischen Cloud und Wurstküche

Die Kunden, allen voran der Lebensmittelhandel, treten mit ganz anderen Anforderungen an seine Lieferanten heran. Er will Warenflüsse sehen und gibt damit den Takt vor. Der Handel erwartet Daten, die er verfolgen kann. Woher kommt die fertige Teewurst? Was hat der Kuttermeister gemacht, was wurde verarbeitet? Und schließlich: Wie kam das Produkt ins Regal? Glauben zählt hier nicht mehr, sondern Wissen ist gefragt – im Zweifelsfall in Sekundenschnelle und auf Knopfdruck. Wer in Beweisnot gerät, wird künftig abgehängt.

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