Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fleischerhandwerk Rückenwind geschickt nutzen

Dienstag, 10. Juli 2018
Fleischer sind gefragt. Qualität und Genuss stehen bei den Bundesbürgern hoch im Kurs. Das war vor wenigen Jahren noch ganz anders. Die Unternehmer im Fleischerhandwerk sowie der Lebensmittelhandel suchen ebenso gut ausgebildete Fachkräfte. Die Ausbildungsberufe stoßen unter Schulabgängern auf zu wenig Interesse.
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Fachkräftemangel


Ein Sprichwort besagt „Handwerk hat goldenen Boden“. In der Tat sind die Auftragsbücher nicht nur im Fleischerhandwerk gut gefüllt. Verbraucher hinterfragen die Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln, interessieren sich zunehmend für die Wertschöpfungskette und das Tierwohl. Sie bevorzugen immer häufiger Produkte mit dem Etikett „aus der Region“. Dazu boomt das Snackgeschäft, und das Grillen entwickelt sich zum Megatrend.

Die Zeichen für gute Zeiten mehren sich also. Die Fleischer profitieren von einer günstigen gesamtwirtschaftlichen Konjunkturentwicklung. Dieses Urteil treffen nun die Volksbanken Raiffeisenbanken in ihrem „Branchen special“. Neben den Sparkassen dürfte kaum eine andere Bankengruppe die Metzger so gut kennen, wie die Genossenschaftsbanken. Das macht die Einschätzung um so wertvoller.

DFV - Guter Genuss
(Bild: DFV)

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Nutzen Sie diese gute Ausgangslage: Motivieren Sie die eigene Belegschaft und begeistern Sie jeden, dem Sie begegnen. Auch wenn die Zahl der Unternehmen weiter abnimmt, so sind die Chancen auf erfolgreiche Geschäfte gut wie lange nicht. Die Fleischer sind eine große Gemeinschaft, die mit 21.329 Fachgeschäften am Markt präsent ist. Hinzu kommen noch etwa 5.000 Verkaufsmobile, die entweder im Tourendienst oder auf Erzeugermärkten unterwegs sind. Die vier großen Discounter bringen es zusammen auf etwa 14.300 Filialen. Die Wahrnehmung ist eine andere und das muss sich ändern.
„Das Fleischerhandwerk steht vor einer Renaissance. Die aktuellen Ernährungstrends spielen dem traditionellen Handwerk in die Hände.“
Das Fleischerhandwerk steht vor einer Renaissance. Die aktuellen Ernährungstrends spielen dem traditionellen Handwerk in die Hände. Regionalität und Frische, exklusive Fleischspezialitäten verschiedener Herkünfte und Rassen, Dry Aged-Beef in neuen und wiederentdeckten Zuschnitten sprechen eine größer werdende Kundengruppe an. Sie ist bereit für ausgesuchte Qualitäten von Rind, Schwein, Lamm und Kalb mehr Geld für einen einmaligen Genuss auszugeben, wie wir es von Weinliebhabern kennen.

Die Kompetenz des Handwerksmeisters am Point-of-Sale wird vom Kunden gesucht und das bietet mehr Chancen für den Verkauf am wichtigsten Absatzkanal der Fleischereien, der Bedientheke. Ehrliches Handwerk spricht auf der einen Seite Kunden an, aber genauso all diejenigen, die sich damit identifizieren und sich eine berufliche Tätigkeit in dieser Branche vorstellen können.
Fleischer
(Bild: DFV)

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Deshalb darf die absolute Qualitätsorientierung nicht im Sortiment Halt machen. Sie muss unbedingt auch für die Ausbildung gelten. Betriebe, die sich durch hohe Ausbildungsstandards und gute Berufsabschlüsse auszeichnen, finden leichter Azubis, als andere. Natürlich müssen die Arbeitsbedingungen und das Betriebsklima für alle Mitarbeiter stimmen. Unternehmen, die sich eine starke Arbeitgebermarke erarbeitet und sich klar positioniert haben, wofür sie stehen und was Mitarbeiter erwarten dürfen, finden und binden Personal deutlich einfacher als andere Marktteilnehmer. Bewerber suchen sich heute den Arbeitgeber aus, der ihnen die besten Bedingungen bietet.

Der Fachkräftemangel wird zur Achillesferse für die Unternehmen. Wer nicht in Mitarbeiter investiert, bedroht die Zukunft seines Betriebs. Schließlich können Aufträge nur angenommen werden, wenn Arbeitskräfte vorhanden sind. Zusätzlich sollten die Fleischer die Politik in die Pflicht nehmen und Fördermittel für die Fachkräftesicherung einfordern. Um mehr Druck auszuüben, müssen die Handwerksbetriebe unbedingt den Behörden offene Stellen melden. Solange der Mangel an Fachkräften nicht statistisch erfasst ist, ändert sich nichts.

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