Fachkräftesicherung Hautfarbe oder Glaube spielen keine Rolle

Mittwoch, 01. Juni 2016
Ausbilder Fritz Rockhoff (links) ist stolz auf seinen Auszubildenden Kebba Badjie.
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Ausbilder Fritz Rockhoff (links) ist stolz auf seinen Auszubildenden Kebba Badjie.

Die Düsseldorfer Handwerkskammer zeichnete den aus Gambia stammenden Azubi Kebba Badjie im März mit dem Titel „Lehrling des Monats“ aus. Ausbilder ist Fritz Rockhoff in Dinslaken.

Das Wissen, wie gutes Essen gemacht wird, hat ihn immer schon fasziniert. Dabei ging es dem 22-jährigen Gambier Kebba Badjie nicht nur um die Kochkünste, mit denen seine Mutter die Familie versorgte, sondern um viel mehr. Das Interesse an der Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln führte ihn zunächst zu einem Schüler-Praktikum in die Fleischerei Rockhoff, nachdem er zuvor in einer Schreinerei „geschnuppert“ hatte.

„Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sind sich Fritz Rockhoff und der angehende Fleischergeselle einig. Beide stellen den Anfang der Fleischgewinnung in den Mittelpunkt: „Beim Schlachten muss man sehr sorgfältig arbeiten, um keine Fehler zu machen, die sich auf die Qualität auswirken.“ Denn das eigene Schlachthaus bei Rockhoff übte einen besonderen Reiz aus.

Zur Person

Der 22-Jährige stammt aus Gambia und absolvierte bei seinem Lehrmeister in Dinslaken ein sechsmonatiges Praktikum, bevor er mit der Ausbildung zum Fleischer begann.
„Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Azubi für den Prüfungsschwerpunkt Schlachten begeistern kann“, ist der Obermeister der Innung Wesel freudig überrascht. Diese Begeisterung, mit der er ans Werk geht, trägt jetzt Früchte. Nicht nur, dass er sich im Team der Fleischerei wohl fühlt: Der sympathische Nachwuchs-Fleischer, der seit 2006 mit Mutter und Bruder in Deutschland lebt, hat noch große Pläne. „Weiter lernen!“ fasst er diese in zwei Worten zusammen. Nach der Förderklasse folgten Hauptschulabschluss und sechs Monate Praktikum im Betrieb Rockhoff, anschließend die Lehre. Für die Zwischenprüfung gab es keine sprachliche Hürde mehr. Die schaffte er mit einem guten Durchschnitt.

Auch die Integration in den neuen Kulturkreis fiel ihm nicht schwer. Dass Kebba aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch isst, hindert ihn nicht daran, es handwerklich und sorgfältig zu verarbeiten. Die Herstellung und besonders das Pökeln von Kochschinken wurde inzwischen zu seinem „Spezialgebiet“, das regelmäßige Schlachten und Zerlegen von Straußen ist ein weiteres Faible.

Azubi des Monats

Mit dem Titel „Lehrling des Monats“ hebt die Handwerkskammer Düsseldorf unter den rund 20000 Azubis in ihren Bezirk regelmäßig die besten Nachwuchskräfte hervor, die aufgrund ihrer besonderen Begabung und Handfertigkeit hervorstechen, durch innovative Ideen aufhorchen lassen, früh Verantwortung übernehmen oder weil sie Handicaps und Hindernissen getrotzt haben.
Sein erklärtes Ziel ist es, nach der Gesellenprüfung weitere Erfahrungen im Umgang mit Fleisch zu sammeln und die Meisterprüfung ins Auge zu fassen. „Ich möchte danach wieder in meine Heimat Gambia, um dort selbst Fachleute für den optimalen Umgang mit Fleisch auszubilden“, blickt er in die Zukunft. Schafe, Rinder und Geflügel spielen dort die Hauptrolle. „Strauße haben wir leider dort nicht, die sind weit weg, in Südafrika“, erklärte der Azubi des Monats bei der Pressekonferenz im Dinslakener Ausbildungsbetrieb schmunzelnd auf eine Reporterfrage.

Er selbst bevorzugt Lammfleisch, weil es einen guten Geschmack hat und sich sehr vielfältig zubereiten lässt. „Es ist erstaunlich, wie viel Arbeit hinter einem guten Essen steckt“, sagt er und freut sich, wenn jeder Schritt auf diesem Weg bei ihm immer besser gelingt. Die körperliche Arbeit schreckt ihn keineswegs ab, im Gegenteil: „Hier brauchst du nicht ins Fitness-Studio, um Muskeln zu bekommen!“

Der Lehrmeister hat seit seiner Meisterprüfung im Jahr 1976 bereits über 40 Lehrlinge ausgebildet und in dieser Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, wie man junge Talente erkennt und fördert. „Hautfarbe oder Religion spielen keine Rolle beim Umgang miteinander“, stellt er fest, „es kommt darauf an, ob man in die Mannschaft passt und Freude am Beruf mitbringt.“ Statt von der „Mannschaft“ könnte man – bei insgesamt 13 Mitarbeitern – auch gut von „Familie“ sprechen, die sich der handwerklichen Qualität und dem guten Geschmack verpflichtet fühlt.

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