Karriere Klassischer Quereinsteiger

Freitag, 15. Juni 2018
Kein leichter oder gar ruhiger Job für Yannick Meurer. Aber für ihn macht gerade die Herausforderung den Reiz aus.
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Kein leichter oder gar ruhiger Job für Yannick Meurer. Aber für ihn macht gerade die Herausforderung den Reiz aus.
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Yannick Meurer Gourmetfleisch Trends


Vertriebsexperte, Eventmanager und Fleischsommelier: Yannick Meurer. Der Spezialist für die Story hinter dem Steak.

Wenn ein schönes, gleichmäßig marmoriertes Stück Fleisch vor seinen Kunden auf dem Grillrost liegt, ist Yannick Meurer am Ziel seiner Arbeit. Er ist beim Online-Shop Gourmetfleisch.de zuständig für Vertrieb und Events und somit immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen, die es dem Kunden nahezubringen gilt. „Kein leichter oder gar ruhiger Job, aber gerade das macht die Herausforderung und den Reiz aus“, ist er überzeugt. Denn es geht nicht allein um die Ware, um schlichte Nahrung. Die Devise lautet: „Wir verkaufen Qualität und Lifestyle“.

Die Story hinter dem Steak

Für ihn ist Fleisch nicht nur sexy, sondern auch ein Genussfaktor. Die Ausrichtung des Tochterunternehmens von Schulte + Sohn Fleischwaren in Mönchengladbach orientiert sich an den Bedürfnissen einer qualitätsbewussten Zielgruppe. Hierzu zählt er Jung und Alt gleichermaßen. „Wir arbeiten für eine Kundschaft, die sich Zeit nehmen will für besondere Genussmomente“, erläutert er. Damit Fleisch aber auch den entsprechenden Stellenwert in der Wichtigkeitsskala bekommt, gilt es, die Story hinter dem Steak zu erzählen. Wer ist der Züchter? Wo und wie wachsen die Tiere auf? Welche Haltungsbedingungen und welches Umfeld sind bei den Landwirten anzutreffen? Und – nicht zuletzt: „Ist die Packung nicht nur zweckmäßig, sondern auch umweltfreundlich?“ „Wir wollen der Metzger des Vertrauens für Fleischliebhaber sein, nur eben online.“ Dazu trägt der permanente persönliche Kontakt am Besten bei. 

Yannick Meurer, der selbst keine Fleischerlehre absolviert, sondern Medien-Management in Köln mit Master-Abschluss studiert hat, bezeichnet sich als Enthusiasten und „klassischen Quereinsteiger“. Am Grill gefällt es ihm bei Partys immer noch am besten, die gute Küche aus dem Elternhaus trug ein weiteres Stück zur Begeisterung für gehobene Geschmackserlebnisse bei. Herd und Grill hatten „irgendwie immer schon ihren Reiz für mich“, blickt er zurück auf die kulinarischen Glanzlichter der Jugendtage.
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(Bild: rh)

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Nach seinem Berufseinstieg bei einem Unternehmen in der Sport- und Touristikbranche reizte ihn das Aufgabenspektrum bei Schulte + Sohn: „Mittelständler bieten die Chance, gestalterische Freiheiten zu haben und diese auch umzusetzen.“ Jeden Tag ein neues spannendes Kapitel im großen Buch der Fleischvermarktung aufschlagen zu können, erfordere nun einmal, „positiv bekloppt“ zu sein, sagt er. Das sei umso fruchtbarer, weil der Chef es vormache, mit ausgefallenen Ideen zu begeistern.

Dass ihm die jahrelange Praxis mit Ausbeinmesser und Kettenhandschuh fehlt, sei nicht entscheidend und ist ihm auch gar nicht anzumerken: „Wenn ich etwas genauer wissen will, machen mich die Kollegen vom Fach schlauer. Und zwar gleich mitten in der Praxis, am Zerlegetisch oder am Grill. Anfangs wusste ich gar nicht, wie viele Fehler man bei der Zubereitung eines Steaks machen kann“ blickt er auf seine ersten Jahre zurück, „dadurch habe ich viel Respekt vor den Produkten in allen Veredelungsstufen bekommen.“

Mit den Kollegen auf Augenhöhe

So etwas hilft beim Verkaufen. „Je mehr ich über das Produkt und die Optionen der Verarbeitung weiß, desto mehr kann ich den Kunden bei Sonderwünschen weiterhelfen.“ Die Krönung der Wissenserweiterung sei für ihn die Prüfung zum Fleischsommelier an der Fleischerschule in Landshut gewesen, erläutert er stolz. Nun sieht er sich auch bei fachlichen Diskussionen mit Kollegen aus der Fleischerzunft „einigermaßen auf Augenhöhe“. Den besonderen Reiz machte für ihn die Vielfalt an fleischspezifischen Themen aus. „Wer Wissen zum Umgang mit Fleisch weitergeben will, sollte so viel wie möglich an Fachwissen ansammeln“, ist er sicher.

Nach den Geheimnissen des Zerlegens und dem fachlichen Können rund um die Teilstücke galt es für den sportbegeisterten Fleischexperten und aktiven Fußballer, einen intensiven Blick in die Zubereitung zu werfen. Das Versprechen für die Kunden „Wir machen Dich zum Steakprofi“ erforderte weiteres Lernen in der Küche und am Grill. Fleisch mit unterschiedlicher Herkunft verlangt nach einer jeweils speziellen Zubereitung. Während manche Steakklassiker – beispielsweise das Rumpsteak vom US-Rind – manchen Fehler noch verzeihen, setzen andere Sorten und spezielle Cuts mehr Könnerschaft voraus und die Erfahrung, wann der Genussfaktor optimal zur Geltung kommt.

„Die Expertise der Kollegen am Zerlegetisch ist erstaunlich“, sagt er. Das Zuschauen sei die beste Methode, um immer mehr über Anatomie und Verwendung der edlen Zuschnitte zu lernen. Dass dabei auch viel Know-how über die Grillgeräte zusammen kommt, versteht sich ebenfalls von selbst. Welche Teile welche Temperatur über welche Zeit brauchen, gilt als „A und O“ der Kunst im Umgang mit der archaischen Zubereitung mit Feuer und Glut. Doch auch der Umgang mit Smoker und Gasgrill will gelernt sein. Videos dazu helfen hier weiter, Seminare runden das Lernprogramm ab.
„Wir wollen der Metzger des Vertrauens für Fleischliebhaber sein, nur eben online.“
Yannick Meurer
Inzwischen ist es für den Marketingfachmann kein Problem mehr, ein viergängiges Menü aus verschiedenen Fleischsorten und –zuschnitten zuzubereiten. Zahlreiche Events mit Profiköchen und Grillmeistern, die Gourmetfleisch.de anbietet, trugen zur Erweiterung des kulinarischen Horizonts bei.

Alte Reifeverfahren wie die Trockenreifung am Knochen (Dry-aging) sind nach wie vor eines der Lieblingsthemen der Kunden. Auf die Frage, was denn nun das beste Steak der Welt sei, antwortet er diplomatisch: „Das kommt sehr auf den persönlichen Geschmack an“. Damit dieser auch beim anspruchvollsten Kunden so gut wie möglich getroffen wird, sind 40 Grillmeister deutschlandweit unterwegs, um im Haus oder Garten des Endverbrauchers auf Wunsch einen kulinarischen Abend in Form einer „Beef Party @ Home“ zu zelebrieren, von dem die Fleischfans unter den Gästen noch lange schwärmen.

„Begeisterung ist auch hier Grundvoraussetzung“, so Meurer, der 2015 mit dem Förderpreis der Fleischwirtschaft ausgezeichnet wurde. „Jeder Auftritt bringt neues Wissen und lässt Trends erkennen, die wir möglichst schnell umsetzen.“ Statt Einweggeschirr aus Plastik verwenden die Profis fast nur noch kompostierbare Materialen aus nachwachsenden Rohstoffen. Das hat wenig Einfluss auf den Geschmack, ist aber typisch für die von Nachhaltigkeit geprägte Einstellung beim Verkauf von Top-Genussmitteln aus der Natur. 

Informationen zum Förderpreis der Fleischwirtschaft finden Sie hier.

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