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Samstag, 06. Februar 2016
Profitierten vom Austausch: Die Teilnehmer am Betriebspraktikum und ihre Fachlehrer.
Foto: rh
Profitierten vom Austausch: Die Teilnehmer am Betriebspraktikum und ihre Fachlehrer.

Wenn einer eine Reise tut, kann er viel erzählen. Wenn diese Reise zum Kurzpraktikum in eine französische Fleischerei führt, reißt der Strom der Geschichten gar nicht mehr ab.
Das vermitteln die Teilnehmer am Austausch zwischen dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Aachen und der Partnerschule in Rouen.

Organisiert und begleitet wurde die 15-tägige Tour von Fachbereichsleiter Carlo Kleiber, der Abteilungsleiterin am Berufs-Kolleg, Marlies Groß-Schmitz, und Fachlehrer Wolfgang Flachs. Bevor es an die praktische Arbeit in Kollegenbetrieben in der Normandie ging, stand ein Crash-Kurs in Französisch auf dem Plan. Die Fachbegriffe waren dabei weniger das Problem als das Alltags-Vokabular.

Um eine möglichst große Bandbreite der Fleischereien und der dort typischen Produkte kennenzulernen, arbeitete jeder der beteiligten Azubis in einem anderen Betrieb mit. „Wir haben getrennt gearbeitet, aber die Freizeit zusammen verbracht“, erläutern die angehenden Gesellen. Die westlichen Nachbarn setzen in ihrer Produktion einen komplett anderen Schwerpunkt: Sie stellen weniger Wurst her, legen aber mehr Gewicht auf die küchenfertige Fleischzubereitung.

Deshalb übten die jungen Nachwuchskräfte die Zerlegetechniken von Huhn, Wild und Lamm, schnitten deren Teilstücke zu und würzten sie ladenfertig. „Häufig werden Fleisch- und Gemüsesorten mit Gratins kombiniert, die als Portionen angeboten werden“, berichtet Marcel Welden. Er und seine Kollegen stellten auch fest, dass die Franzosen qualitätsbewusster sind und täglich frisch einkaufen. Auch die Herkunft der Tiere spiele eine größere Rolle als hierzulande. Generell sei die Bereitschaft höher, mehr Geld für Essen auszugeben. Dass die Kunden die Fleischer gern beim Arbeiten beobachten, war für Tim Driske kein Problem. Wer in einem Handwerksbetrieb gelernt habe, Beil und Messer zu benutzen, brauche sich nicht zu verstecken.

Das bringt ein Auslandspraktikum

+ Austausch mit mitreisenden und ausländischen Kollegen + Neue Produkte, Arbeitstechniken und Geräte ausprobieren + Horizont erweitern + Selbstbewusstsein stärken + Sprachkenntnisse aufbessern, Fachvokabular üben + Eigenen „Marktwert“ testen
Alle Teilnehmer möchten noch Erfahrungen in anderen Ländern sammeln. Auch die Fachlehrer sparten nicht mit Lob: „Ich war erstaunt, wie schnell die Jungs sich in den Betrieben zurechtfanden und aktiv mitwirkten“, freut sich Flachs. Dass diese Form der aktiven Weiterbildung keine Einbahnstraße ist, beweisen die Gegenbesuche aus Frankreich. Konkrete Jobangebote für den Nachwuchs gab es auch schon.

Den Höhepunkt des Arbeitsbesuchs bildete das „Fest des Bauches“ in Rouen, bei dem die Gäste ihre Spezialitäten auffuhren: Ob Karlswurst mit Cidre verfeinert oder Kanapees mit Puttes, der Aachener Blutwurstspezialität, oder Leberwurst auf Kräuterprinte: Diese Leckerbissen wurden gern verkostet.
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