Karriere „Metzger? Das ist ja cool!“

Samstag, 18. November 2017
Stefanie Forster nimmt mehrere Zielgruppen ins Visier, wenn sie für das Fleischerhandwerk wirbt: Verbraucher, Berufskolleginnen und -kollegen sowie mögliche Lehrstellen-Kandidaten.
Foto: Sven Tholius
Stefanie Forster nimmt mehrere Zielgruppen ins Visier, wenn sie für das Fleischerhandwerk wirbt: Verbraucher, Berufskolleginnen und -kollegen sowie mögliche Lehrstellen-Kandidaten.
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Stefanie Forster Fleischerhandwerk DFV


Öffentliche Auftritte nutzt Stefanie Forster stets zur Image- und Kundenwerbung. Sie setzt sich gern als Botschafterin für ihren Beruf und ihre Branche ein: früher als Weißwurstkönigin, jetzt als Vorsitzende des Vereins „FH – Wir sind anders“.

Sie möchten Vorbilder sein für potenziellen Nachwuchs im Fleischerhandwerk und dessen Berufen zu einem positiveren Image verhelfen. Sie wollen frischen Wind in die Betriebe bringen, um neuen Käuferschichten Lust auf Genuss zu machen. Die jungen Damen des Vereins „FH-Wir sind anders“ sind vor allem durch ihren sexy Kalender bekannt, dessen Neuauflage für 2018 auf der Süffa präsentiert wurde. Im Interview mit der afz - allgemeine fleischer zeitung und fleischwirtschaft.de erklärt Vorsitzende Stefanie Forster, wie erfolgreich originelle Ideen sein können.

Frau Forster, wie kam es zu dieser Vereinsgründung?

Stefanie Forster: Eigentlich sehr spontan, durch eine Sektlaune auf der Süffa 2015. Ich und Mitgründerin Isabel Frank haben beim Anblick des damaligen Reinert-Kalenders entschieden: Das können wir auch! Mit Metzgermeister und Fotograf Sven Tholius stand uns ein begeisterter Unterstützer zur Seite, so dass nach der Gründung einer WhatsApp-Gruppe schnell der e.V. mit eigener Satzung folgte. Alles unter dem Motto: „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“.

Und der Kalender steht ebenfalls in der Satzung?

Forster: Ja, wir wollen damit beweisen, dass unser Handwerk facettenreicher und interessanter ist, als viele denken. Wir räumen mit Vorurteilen auf und möchten vor allem bei jungen Menschen Interesse für das Fleischerhandwerk wecken. Auch der gute Zweck des Verkaufs, wie er erst später in der Diskussion entwickelt wurde, ist in der Satzung festgeschrieben. Der Erlös soll an die Stiftung des Deutschen Fleischerhandwerks fließen, über die der DFV Nachwuchswerbung betreibt. 

Wie gehen Sie selbst an die Öffentlichkeit?

Forster: Nicht mit Flyern oder berufskundlichen Filmen – das kann der DFV besser. Allerdings könnte man künftig auch mal öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen gemeinsam durchführen. Wir möchten als Handwerkerinnen in der täglichen Arbeit und vor Publikum zeigen, dass sich unsere Berufe nicht verstecken müssen.

„Wir wollen allen beweisen, dass unser Handwerk facettenreicher und interessanter ist, als viele denken.“
Stefanie Forster
Zum Beispiel bei Bühnenshows auf Marktplätzen Fleischteile erklären, Kochtipps geben, Platten legen. Wir möchten zwei Zielgruppen ansprechen: Verbraucher jeden Alters, um sie für unser Handwerk zu interessieren sowie Berufskollegen und -kolleginnen, die wir motivieren wollen, besser zu werden, offener zu kommunizieren, unser Selbstverständnis nach außen zu tragen.

Was denken Sie, wie kann man junge Leute packen?

Forster: Sie brauchen Vorbilder, in deren Fußstapfen sie treten möchten. So war es auch bei mir – ich war begeistert von Astrid Schmitt, die als Referentin bei Seminaren ganz neue Maßstäbe in Fingerfood, Partyservice, Catering oder Plattenlegen gesetzt hat. Oder schauen Sie, was Betriebe wie Kumpel & Keule in Berlin oder Dirk Ludwig in Schlüchtern mit seiner Steakschaft für eine Resonanz erzielen. Wir sollten alle versuchen, solche Vorbilder zu sein und die Chance auf öffentliche Auftritte zu nutzen.

Merken Sie, dass Ihre Botschaften in der Öffentlichkeit ankommen?

Forster: Auf jeden Fall. Das fängt bei der Resonanz auf Facebook- und Instagram-Beiträge an und zeigt sich auch bei ganz normalen Gesprächen. „Ach, du bist Metzger – das ist ja cool“, heißt es da schon mal. Auch junge Leute sehen unsere Berufe inzwischen als anspruchsvoll und wichtig an. Wir werden wohl keine 100-prozentigen Vegetarier für unser Handwerk gewinnen können, aber vielleicht die, die bewusst genießen wollen – lieber nur zweimal pro Woche Fleisch, aber dafür gutes. Und wir müssen an der Theke Tradition und Modernes verbinden; neben dem Sonntagsbraten-Klassiker braucht es auch Dry-Aged-Steaks, um die nächste Generation anzulocken.

Apropos nächste Generation: Haben Sie eigentlich Schwierigkeiten, neue Kalender-Girls zu finden?

Forster: Nein, überhaupt nicht. Für die Neuauflage hatten wir 26 Bewerberinnen. Sie alle haben wir im Frühjahr zunächst zum Casting und dann im Sommer die zwölf Ausgewählten zum Foto-Shooting eingeladen. Da ist es kein Wunder, dass sich die Zahl unserer Mitglieder auf der jüngsten Süffa auf 24 aktive und 15 fördernde verdoppelt hat, die nicht mehr nur aus Franken, Bayern und Baden-Württemberg, sondern aus ganz Deutschland kommen. Weitere Fördermitglieder haben bereits ihren Beitritt angekündigt.

Wie binden Sie sie in Aktivitäten ein?

Forster: Veranstaltungen wie unsere Jahreshauptversammlung oder die Treffen für den Kalender versuchen wir immer mit einem Kreativ-Workshop zu verbinden, in den jede Einzelne gute Ideen einbringen kann. Da wir alle aus der täglichen Praxis im Fleischer-Fachgeschäft kommen, hat so ein Austausch den selben Effekt wie ein teures Seminar – in der nächsten Woche kann jede ein neues Produkt in die Theke legen. Wir haben außerdem eine eigene Fanartikel-Kollektion mit lustigen Sprüchen auf T-Shirts, Caps und Turnbeuteln entworfen. Die lassen wir in einem kleinen, regionalen Betrieb fertigen und bieten sie auf unserer Webseite an. Ab 2018 planen wir zudem einen regelmäßigen Newsletter für Mitglieder.

Sind Sie trotz der rückläufigen Zahlen von Betrieben und Lehrlingen optimistisch für die Zukunft des Fleischerhandwerks?

Forster: Ja. Ich glaube, die Betriebe, die es jetzt noch gibt, haben eine gute Chance, erfolgreich zu sein. Aber sie müssen etwas tun, um neue Kunden und neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Stefanie ist Vorsitzende des Vereins „FH – Wir sind anders“.
Foto: Sven Tholius
Stefanie ist Vorsitzende des Vereins „FH – Wir sind anders“.

Steckbrief zur Person

Von 2002 bis 2005 absolvierte Stefanie Forster aus Münchsteinach (Mittelfranken) eine Ausbildung zur Fachverkäuferin in der Metzgerei Peter Ullrich in Neustadt/Aisch.

2010 bildete sie sich an der Fleischerschule Augsburg zur Verkaufsleiterin weiter, danach an der Frankfurter Fleischer-Fachschule J. A. Heyne zur Betriebswirtin des Handwerks.

2013 kehrte sie mit einer zwölfjährigen Praxiserfahrung in den elterlichen Betrieb zurück; in der von Vater Gerhard Forster geleiteten Landmetzgerei Moosmeier in Münchsteinach sind auch Mutter Luise, Schwester Brigitte und Bruder Michael tätig. Die 30-Jährige, die in Kürze ihr erstes Kind erwartet, setzte in dem acht Vollzeitkräfte zählenden Fleischer-Fachgeschäft neue Schwerpunkte in Catering und Partyservice.

2014 wurde Stefanie Forster in Bodenmais zur Bayerischen Weißwurstkönigin gewählt und war ein Jahr lang bundesweite Botschafterin für die weiß-blaue Metzgerspezialität.

2015 initiierte sie die Gründung des Vereins „FH – Wir sind anders“ und führt seither den inzwischen auf 25 aktive und 15 fördernde Mitglieder angewachsenen Zusammenschluss als erste Vorsitzende: unterstützt wird sie von Stellvertreterin Nadine Fuchs.

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