Karriere im Fleischerhandwerk Erst Azubi, jetzt der Chef

Freitag, 13. April 2018
Wollen das Beste für den Betrieb: Thomas Dutzi (links) hat sein Fachgeschäft in Zeutern an den jungen Fleischermeister Sebastian Oberst übergeben.
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Wollen das Beste für den Betrieb: Thomas Dutzi (links) hat sein Fachgeschäft in Zeutern an den jungen Fleischermeister Sebastian Oberst übergeben.

Sebastian Oberst übernimmt die Metzgerei von Thomas Dutzi in Zeutern.

von Iris Treiber

Wer eine Metzgerei übernehmen will, muss bereit sein, hart zu arbeiten. Für den 29-jährigen Sebastian Oberst ist das kein Problem: „Ich bin das Schaffen gewohnt“, sagt er. Aufgewachsen in einer Metzgerei in Philippsburg war ihm schon als kleiner Bub klar, dass er später einmal das machen will, „was der Papa macht“. Dabei hat er es allerdings nicht belassen: Er ist nicht nur Metzgermeister, sondern auch Küchenmeister und geprüfter Gastronom.

Der Vorteil: Oberst darf junge Leute in den Berufen Koch, Fleischer und Bürofachkraft in der Gastronomie ausbilden. Es ist also kein Wunder, dass Oberst jetzt einen fleischerhandwerklichen Betrieb übernommen hat, die Metzgerei Dutzi in Zeutern. Zeutern ist ein Ortsteil von Ubstadt-Weiher und liegt nordöstlich von Bruchsal im Kraichgau. Etwa 3.000 Menschen leben hier. „Das Fachgeschäft ist mir in einem sehr guten Zustand übergeben worden, ich musste praktisch nicht weiter investieren“, sagt der junge Mann. „Alle Gerätschaften waren optimal in Schuss, und die Abwicklung der Übergabe verlief korrekt.“

Die Schlachterlaubnis mit EU-Zulassung wurde auf ihn übertragen; Oberst behielt alle 14 Beschäftigten, darunter die ehemalige Chefin Benita Dutzi. Beibehalten wurde auch die Berufskleidung und weitgehend alle Fleischwarenrezepturen.

Für den ehemaligen Inhaber Thomas Dutzi war das alles selbstverständlich. Dem 64-Jährigen war von vornherein klar, dass er seinen Betrieb in solide Hände gibt. Ein weiteres Plus für den jungen Nachfolger: Die Metzgerei ist die einzige in Zeutern. „Auch deshalb wollten wir, dass es weitergeht“, resümiert der bisherige Chef. Ein Großteil seiner Kunden kommt aus der unmittelbaren Umgebung, außerdem liegt der Stadtteil günstig an einer Durchgangsstraße. 33 Jahre lang hatten die Dutzis das Fachgeschäft in zweiter Generation geführt und zahlreiche Lehrlinge ausgebildet. 

„Eine Pacht mit der Möglichkeit, den Betrieb später zu kaufen, ist derzeit für jeden von uns die beste Lösung.“
Einer davon war Sebastian Oberst. Er wurde von 2005 bis 2008 von Thomas Dutzi ausgebildet. Seither standen Azubi und Meister stets in losem Kontakt. Irgendwann kam Oberst auf die Idee und fragte nach, was sein ehemaliger Chef mit seinem Betrieb plane, wenn er in den Ruhestand geht. Die beiden einigten sich rasch auf die Übernahme, und der junge Fachmann kehrte ein Jahr, bevor er die Metzgerei Dutzi pachtete, zurück und arbeitete als Meister mit. Die Partner finden übereinstimmend: „Eine Pacht mit der Möglichkeit, den Betrieb später zu kaufen, ist derzeit für jeden von uns die beste Lösung.“

Sebastian Oberst hat seit seinem Einstieg den Partyservice auf Vordermann gebracht. Außerdem war es ihm wichtig, dass die Kunden ihn kennen lernen und er den Qualitätsstandard des Geschäfts hält. Insofern ist es für ihn nicht weiter von Bedeutung, dass die Metzgerei weiterhin Dutzi heiße und sein Name nur im Zusatz als „Inhaber: Sebastian Oberst“ auftaucht.

Thomas Dutzi arbeitet noch drei bis vier halbe Tage auf 450-Euro-Basis in der Wurstküche mit. Dass die Rolle des Chefs gewechselt hat, ist für beide kein Problem. Sie pflegten schon immer ein sehr freundschaftliches Verhältnis, und unter Männern sei ohnehin manches ganz einfach. „Manchmal muss ich einsehen, dass er Recht hat“, räumt der Jüngere ein und der Ältere ergänzt: „Das Beste für den Betrieb hat oberste Priorität.“ Sie fachsimpeln viel miteinander und arbeiten Hand in Hand.

Weil er nun die komplette Verantwortung inne hat, freut sich Sebastian Oberst sehr über die Unterstützung von Seiten der langjährigen Mitarbeiter. Sebastian müsse aber trotzdem viel machen, findet Dutzi. „Ich wusste genau, was jetzt auf mich zukommt. Ob es viel ist, weiß ich nicht“, wiegelt Oberst ab. Denn in der Spitzengastronomie hatte sein Arbeitstag öfter mal bis zu 16 Stunden.

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