Karriere im Fleischerhandwerk Ideales Rüstzeug für Chefs

Freitag, 12. Februar 2016
Dozent Werner Häfele und Philip Meerpohl führten durch den fleischerhandwerklichen Betrieb und standen ihren Besuchern Rede und Antwort.
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Dozent Werner Häfele und Philip Meerpohl führten durch den fleischerhandwerklichen Betrieb und standen ihren Besuchern Rede und Antwort.
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Fleischerhandwerk Studiengang


Moritz Häfele, Meisterssohn aus Winnenden im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis, war einer der ersten, die den 2007 eingeführten, dualen Studiengang „Kulinaristik“, damals noch in Bad Mergentheim, absolviert haben.

Seither durchliefen rund 300 Studenten in sechs Jahrgängen den Studiengang. Allein zehn von ihnen waren Azubis in der Metzgerei Häfele. Der Chef Werner Häfele ist in Sachen duales Studium ein Mann der ersten Stunde und bringt sich schon von Beginn an als Dozent an der Hochschule Heilbronn ein.

Die Hochschule befindet sich seit 2012 in Heilbronn, denn dort hat man seit über 40 Jahren Erfahrung mit dualen Studiengängen und der Qualifizierung von Führungsnachwuchs. Professor Dr. Carsten Kortum ist Leiter des deutschlandweit einzigen BWL-Food-Management-Studiengangs. Er unterrichtet nicht nur, er begleitet seine Studenten auch regelmäßig zu Exkursionen. Vom Bauernhof über die Bäckerei, vom Handwerksbetrieb bis zur Großindustrie stehen den Studierenden die Türen offen.

Studiengangsleiter Professor Dr. Carsten Kortum ist überzeugt: Food-Manager besitzen das optimale Rüstzeug zur Betriebsnachfolge in modernen Metzgereien.
Foto: pgö
Studiengangsleiter Professor Dr. Carsten Kortum ist überzeugt: Food-Manager besitzen das optimale Rüstzeug zur Betriebsnachfolge in modernen Metzgereien.
Häufig sind es Dozenten – so wie Werner Häfele – die die Studenten in ihre Betriebe einladen. Aktuell befinden sich rund 100 Food-Management-Studierende im ersten Semester. Sie wurden kursweise zu vier verschiedenen Terminen zu den Häfeles eingeladen, um dort die Rinder- und Schweineschlachtung, jeweils mit Zerlegung, live mitzuerleben. Ein Viertel von ihnen kommt aus dem Bäcker- und Metzgerhandwerk, ein Viertel aus dem Handel und der Rest aus der Gastronomie. Rund 60 Prozent der Studierenden sind weiblich.

Unter der Leitung von Werner Häfele und seinem Mitarbeiter Philip Meerpohl, selbst Student der Fachrichtung Food-Management, lernte die Gruppe die Metzgerei kennen. Der einzigen Vegetarierin war die Teilnahme frei gestellt worden. Der Metzgermeister erklärte die genauen Abläufe der Schlachtung und der Fleischgewinnung und beantwortete alle Fragen. Die Grob- und Feinzerlegung einer Schweinehälfte demonstrierte Metzgermeister Frederik Schilbock. Gleichzeitig erklärte er die einzelnen Teilstücke mit Namen und ihre Verwendung in der Metzgerei und in der Küche des Verbrauchers. Auch er studiert Food-Management und erwarb die Zugangsvoraussetzung mit dem Meisterbrief.
Exkursion in den Schlachthof von Werner Häfele (links): Die Studenten der Fachrichtung Food-Management erlebten Rinderschlachtung und -zerlegung live mit
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Exkursion in den Schlachthof von Werner Häfele (links): Die Studenten der Fachrichtung Food-Management erlebten Rinderschlachtung und -zerlegung live mit
Die Studierenden zeigten reges Interesse und Professor Kortum bestätigte, dass die gemeinsamen Exkursionen wertvolle Einblicke in die Praxis anderer Gewerke vermitteln. Philip Meerpohl sagte dazu: „Die besonderen Stärken des Studiengangs sind der gewerkübergreifende Informationsfluss und die branchenübergreifenden Kontakte, die wir Kommilitonen untereinander knüpfen.“ Außerdem gebe es durch externen Dozenten wie Werner Häfele zahlreiche Impulse direkt aus der Praxis.

Meerpohl war sich unmittelbar nach dem Abitur über seine beruflichen Pläne nicht gleich im Klaren. Die „normale“ Ausbildung zum Metzger kam für ihn nicht in Frage, er hielt sie für zu eingleisig, obwohl er sich gut vorstellen kann, den elterlichen Betrieb in Oldenburg und weiterzuführen.
„Ich hatte das Gefühl, durch die Fleischerlehre und die anschließende Meisterprüfung nicht das erforderliche Rüstzeug zu kriegen, um einen modernen Handwerksbetrieb zu leiten.“
Philip Meerpohl
Das leiste das Studium zum Food-Manager, versichert Prof. Kortum: „Wir decken eine faszinierende Breite von Lebensmittelthemen branchenübergreifend ab.“ Seine Absolventen erhielten sie Einblicke in verschiedene Bereiche und Strukturen in der Lebensmittelherstellung. „Sie können sowohl Deckungsbeiträge ausrechnen als auch Businesspläne erstellen“, umriss der Dozent. Das Studium mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt ermögliche ihnen Schnittstellenpositionen im mittleren Management.

Food-Management

Name: Studiengang BWL Food-Management (vormals Kulinaristik) +++ Studienort: Heilbronn +++ Voraussetzungen: Abitur oder gleichwertiger Abschluss (zum Beispiel Meisterprüfung im Fleischerhandwerk) +++ Bewerbungsprocedere: Interessenten bewerben sich bei einem Unternehmen ihrer Wahl um einen Ausbildungsplatz. Von ihrem Ausbildungsbetrieb werden sie bei der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn zum dualen Studiengang „Food-Management“ angemeldet. Studien- und Praxisphasen wechseln in einem circa zwölfwöchigen Rhythmus. +++ Studiendauer: drei Jahre +++ Aufteilung: sechs Semester mit je zwölf Wochen Praxis im Unternehmen und zwölf Wochen Studium an der Hochschule
Werner Häfele unterstreicht: „Aus dem Studium bringen sie zudem eineinhalb Jahre praktische Berufserfahrung mit.“ Gerade für junge Leute, die den elterlichen Betrieb übernehmen möchten, sei der Studiengang ideal, findet er und bedauert: „Das ist leider in der Metzgerschaft nicht ausreichend bekannt.“ Die Food-Manager und -managerinnen sind in seinen Augen die Betriebsinhaber der Metzgereien von morgen und die Führungskräfte in mittleren und größeren Betrieben. Gefragte Fachkräfte sind sie ohnehin. So gut wie jeder von ihnen wird vom ausbildenden Betrieb übernommen. Und wer im Anschluss den Master oder den berufsbegleitenden Master machen möchte, bringt als Bachelor of Arts schon die erforderliche Qualifikation mit.

Mehr Infos: Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn

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