Marketing Das Geheimnis des Wurstens

Sonntag, 21. Mai 2017
Denken sich schon seit ihrer Schulzeit immer wieder neue Projekte aus: Die Wurst-App-Erfinder Fabian Bentz (links) und Fabian Hensel.
Foto: Raps-Stiftung
Denken sich schon seit ihrer Schulzeit immer wieder neue Projekte aus: Die Wurst-App-Erfinder Fabian Bentz (links) und Fabian Hensel.

Aus einer Rezepte-App wurde eine Wurst-App. Deren Erfinder Fabian Hensel und Fabian Bentz verraten, welches Potenzial darin steckt – sowohl für Metzger als auch für Verbraucher.

Mit „Wurst App Your Life“ führen Fotograf Fabian Hensel und Web-Entwickler Fabian Bentz ihre Nutzer in das Geheimnis des Wurstens ein und schärfen damit das Bewusstsein für Qualität und Herkunft des Fleischs. Obwohl sie selbst nicht aus dem Fleischerhandwerk kommen, setzen sie sich für einen besseren Austausch zwischen Konsumenten und Fleischern ein. Dafür sitzen sie bereits am nächsten Projekt: das Metzgerregister mit Umkreissuche. 

Wie kommen zwei Leute aus der Medienbranche dazu, eine Wurst-App zu entwickeln?

Fabian Bentz: Wir sind leidenschaftliche Hobby-Köche und echte Genuss-Menschen. Dabei machen wir gern so viel wie möglich selbst. Beim gemütlichen Grillen mit Freunden kam dann eines Tages die Frage auf: „Wie macht man eigentlich Wurst?“ Schnell wurde klar: Für den Normalverbraucher gibt es kaum eine Möglichkeit, sich über die Herstellung und Zusammensetzung von Würsten zu informieren.

Fabian Hensel: Wenn man den Prozess des Wurstens einmal raushat, ist es eigentlich ganz einfach – und es macht vor allem mit Freunden unglaublich viel Spaß. Dass davon mehr Leute erfahren müssen, stand für uns außer Frage. Und was bietet sich da besser an als eine App? Damit hat man das Rezeptbuch immer dabei. Dass unser kleines Nebenprojekt dann nach sechs Monaten gemütlichen Programmierens so großen Anklang findet, haben wir aber ganz und gar nicht erwartet.

Wer braucht die App?

Hensel: Jeder, der sich für Fleisch, gutes Essen und kreatives Kochen interessiert.

Was macht Wurst in Zeiten, in denen fleischfreie Alternativen sehr populär sind, so interessant?

Hensel: Wurst hat deshalb einen schlechten Ruf, weil die wenigstens wissen, wie und mit welchen Zutaten sie hergestellt wird. Dieses Misstrauen ist unberechtigt und lässt sich im Kontakt mit dem Fachmann – dem Metzger – zerstreuen. Mit unserer App möchten wir den Verbrauchern einen Blick hinter die Kulissen bieten. Im besten Fall regt sie das an, wieder mehr mit Fleischern in Kontakt zu treten und sich dort direkt zu informieren. Oder die Wurst ganz einfach selbst zu machen.

Ob Asiatische Rehwurst oder Maronen-Bratwurst: Die App bietet bereits 31Rezepturen.
Foto: Raps-Stiftung
Ob Asiatische Rehwurst oder Maronen-Bratwurst: Die App bietet bereits 31Rezepturen.
Warum habt Ihr ein so starkes Bewusstsein für Fleischqualität entwickelt?

Bentz: Meine Eltern legten immer viel Wert auf qualitativ hochwertiges Essen. Fleisch gab es nur am Wochenende, aber dann das erstklassige Stück vom Metzger. Heute gehen wir immer noch samstags auf den Markt und lassen uns von den ganzen Eindrücken – riechen, fühlen, probieren – inspirieren. Wenn man darauf achtet, was man isst, tut das der Seele gut.

Habt Ihr eine Erklärung für die Aufmerksamkeit, die Eure App innerhalb eines Jahres erhalten hat?

Bentz: Die Menschen nähern sich wieder verstärkt der bewussten und nachhaltigen Ernährung an – und unsere App passt einfach zu diesem Zeitgeist. Viele wollen mittlerweile wieder ganz genau wissen: Welche Zutaten sind in meiner Bratwurst? Wo kommt das Fleisch dafür her? Wie hat das Tier gelebt und wie wurde es verarbeitet? „Wurst App Your Life“ bietet dafür die ersten Antworten.

Wann war klar, dass die App mehr ist als nur ein Nebenprojekt?

Hensel: Nach der Trüffeljagd. Bei diesem Inspirationsevent für Metzger beschäftigen sich die Teilnehmer in Workshops, Startup-Vorträgen und im Austausch mit Spezialisten der Branche mit dem Wandel in ihrem Handwerk und mit den aktuellen Trends. Die Adalbert Raps-Stiftung, die die Trüffeljagd ausrichtet, hatte uns eingeladen, einen Vortrag zu halten. In der Speaker-Runde stellten wir unsere App vor und kamen zum ersten Mal in direkten Kontakt mit den Leuten vom Fach. Obwohl wir nur als Vermittler auftreten, war die Resonanz durchweg positiv. Wir haben sogar danach noch viele Dankes-Mails bekommen – auch von Metzgern, die gar nicht bei der Trüffeljagd dabei waren. Dieses extrem gute Feedback hat uns darin bestätigt, dass wir die App auf das nächste Level bringen müssen.

Foto: Raps-Stiftung
Bentz: Ursprünglich war die App ja nur eine Art digitales Kochbuch. Dass wir zu einem solchen Event eingeladen werden und dazu noch als Sprecher, kam vollkommen unerwartet. Wir würden es niemals wagen, uns als Wurstexperten zu bezeichnen. Umso mehr freut uns, wie sich die Fachleute für unsere App und unsere Botschaft begeistern. Daraus entstanden wertvolle Kontakte für die weitere Zusammenarbeit mit dem Handwerk.

Ihr habt das „nächste Level“ erwähnt. Habt Ihr schon eine Vision?

Hensel: Eines der größten Probleme der Branche ist, dass die Menschen oft nicht mehr wissen, wo der Metzger zu finden ist. Deshalb haben wir auf der Trüffeljagd unser neues Konzept vorgestellt: ein Metzgerregister mit Umkreissuche. Mit der Webplattform „findyourbutcher“, die auch in unsere App integriert wird, sollen die Nutzer alles herausfinden, was sie wissen müssen: Wo ist die nächste handwerkliche Metzgerei in meiner Nähe, wann hat sie geöffnet, welche besonderen Produkte gibt es dort, bekomme ich dort auch Mittagessen und wie sind die Kontaktdaten?

Bentz: Die Metzger können sich gegen eine kleine Gebühr eintragen. Dafür brauchen sie keine eigene Webseite. Langfristig ist das Ziel, dass man deutschlandweit in jedem Ort einen Metzger finden kann. Da wir auch viel Feedback aus englischsprachigen Ländern bekommen, denken wir bereits an ein länderübergreifendes Metzgerregister. Das wäre klasse. Aber erst mal übersetzen wir die App ins Englische.

Seht Ihr in der Lebensmittelbranche Eure berufliche Zukunft?

Bentz: Wir lieben es zu essen, und wir lieben es, die Rezepte für die App zu entwickeln. Aber wir sehen uns dann doch auf der technischen Medien-Seite, die das Ganze präsentiert und zwischen zwei Parteien vermittelt.

Zu den Erfindern

Fabian Hensel arbeitet als selbstständiger Fotograf. Er ist für die geschmackvollen und appetitlichen Bilder der App zuständig. Webdesigner und Frontend-Entwickler Fabian Bentz ist sein Kompagnon. Er übernimmt die technische Umsetzung. Die beiden Mannheimer sind seit über 17 Jahren befreundet. Schon während der Schulzeit haben sie sich gemeinsam allerlei Konzepte ausgedacht und mit viel Elan verfolgt. Neuestes Projekt ist seit Frühjahr 2015 die Rezepte- und Info-App rund um die Wurst: „Wurst App Your Life“.
Gibt es bestimmte Würste, die Ihr unbedingt noch ausprobieren wollt?

Hensel: Wir würden unglaublich gern mal Salami und getrocknete Bratwürste selbst herstellen. Da gibt es so viele spannende Rezepte, aber dafür fehlt uns der Fleischtrockenautomat.

Welche ist Eure Lieblingswurst?

Bentz: Ganz klar, die Salsiccia, eine italienische Bratwurst – die Kombination mit Fenchel ist einzigartig. Das war auch unsere erste selbstgemachte Wurst.

Hensel: Meine Favoriten sind die Farmerröllchen. Ohne Darm und in Gewürzen gewälzt – ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. red

Das könnte Sie auch interessieren
stats