Marketing Werdet die neuen Online-Guerillas!

Montag, 09. April 2018
Bei jeder Guerilla-Taktik muss die wichtigste Botschaft immer deutlich und glaubhaft rüberkommen: Hey, ich mag meinen Job!
Foto: Sven Tholius
Bei jeder Guerilla-Taktik muss die wichtigste Botschaft immer deutlich und glaubhaft rüberkommen: Hey, ich mag meinen Job!

Den fleischerhandwerklichen Betrieben fehlen die Auszubildenden. Wenn das anders werden soll, brauchen wir neben zentralen Kampagnen mehr individuelles Guerilla-Marketing. Macht alle mit!

Guerilla und Guerilla-Marketing: Damit wir uns zunächst über die Begriffe einig sind, schauen wir bei Wikipedia nach: Guerilla meint demnach „eine spezielle Art der Kriegsführung, bei der untypische Taktiken im Hinterland des Gegners angewendet werden“.

Und Guerilla-Marketing zielt darauf ab, „mit geringen Kosten bei einer möglichst großen Anzahl von Personen einen Überraschungseffekt zu erzielen“. Da fragt man sich natürlich: Was ist bei der Nachwuchswerbung das „Hinterland des Gegners“?

Na, dieses Hinterland heißt Facebook oder Youtube. Und der Überraschungseffekt? Der entsteht, weil Ihr selbst, die realen Mitarbeiter aus den Betrieben, für den eigenen Beruf werbt. Was Ihr selbst sagt, ist viel glaubwürdiger als das, was Unternehmen oder von ihnen bezahlte Werbeagenturen sagen.


Online vom Beruf erzählen

1.

Echte Guerilla-Kämpfer haben ein Maschinengewehr. Online-Guerillas haben ein Smartphone. Wir nutzen es künftig mehr, um vom eigenen Beruf zu erzählen. Zeigt dabei den Beruf und den Arbeitgeber von seiner schönsten Seite, macht aber kein „Werbesprech“! Die Wahrheit ist die beste Geschichte. Jeden Tag passiert in jedem Betrieb irgendetwas, das die Arbeit in diesen Unternehmen sympathisch macht. Das sind unsere Posts auf Facebook. Das ergibt unsere Videos auf Youtube.

Spätestens, wenn es um Fotos und Videos aus dem Betrieb geht, sollten die Online-Guerillas das Okay des Chefs einholen. Mit diesem grundsätzlichen Okay des Chefs soll dann aber frei gepostet werden; Einzelgenehmigungen für jeden Post passen nicht in unsere Kampfweise. Es ist einkalkuliert, dass auch ein guter Guerilla mal das Ziel verfehlt. Ebenso wichtig: Online-Guerillas müssen wechselseitig vernetzt sein; wir sind keine isolierten Einzelkämpfer. Was einer von uns postet, muss schnell von den Freunden und den Freunden der Freunde geteilt, geliked und kommentiert werden.

Inhaltlich geht es um alle Erlebnisse, die uns im Alltag stolz auf unsere Arbeit und unseren Beruf machen: Das gerade geschlachtete Rind, der Kühlraum mit den Schweinehälften, das Heldenfoto mit Stechschutzausrüstung beim Zerlegen, die Arbeit an der Füllmaschine, die volle Räucherkammer, der Fleischverkauf, die Wursttheke am Freitagmorgen oder die Lieferfahrt im Transporter. Wichtig sind die Menschen, die zeigen „ich mag diesen Job“. Wichtig sind Spaß und Erfolgsgefühl, das auf Fotos und Videos rüberkommt. Wir erreichen so viel mehr als unser Unternehmen mit einem noch so großen Werbeetat erreichen könnte.


Online den Betrieb bewerten

2.

Online-Bewertungen sind enorm wichtig geworden. Viele Konsumenten achten mehr auf die Bewertungen anderer Kunden als auf die Werbung des Unternehmens. Die wichtigste Suchmaschine, Google, bietet Bewertungsmöglichkeiten. Ebenso gibt es eine Vielzahl von regional oder nach Branchen spezialisierten Bewertungsportalen.

Noch relativ neu sind Portale, auf denen Mitarbeiter ihren Arbeitgeber bewerten. Da gibt es dann Sternchen für Arbeitsatmosphäre, das Verhalten des Vorgesetzten oder das Gehalt. Für das Guerilla-Marketing in Sachen Online-Bewertungen gilt: Jeder Treffer zählt.

Es geht darum, dass der eigene Betrieb und das Arbeiten für diesen Betrieb attraktiv gezeigt werden. Im Zentrum unserer Bewertungen steht unser Arbeitgeber, weniger der Beruf im Allgemeinen. Denn: Es ist in der Region, in der wir zuhause sind, viel leichter und wirkungsvoller zu sagen: Das Arbeiten in genau dieser Fleischerei ist klasse.

Weil wir alle nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Konsumenten sind, mischen wir uns natürlich auch in die Kundenbewertungen ein. Es ist geradezu selbstverständliche Pflichtaufgabe jedes Mitarbeiters, seinem Betrieb fünf Google-Sternchen mit einem lobenden Kommentar zu geben. Und wenn wir ein bestimmtes Produkt, eine bestimmte Leistung unseres Betriebs online loben, dann fügen wir ehrlich und selbstbewusst hinzu: „Ich weiß das, ich arbeite schließlich hier als Fleischer.“

Unsere betriebliche Online-Guerillaeinheit ist besonders gefordert, wenn einmal ein unerwarteter Angriff abgewehrt werden muss. Solche Angriffe sind beispielsweise verärgerte Kunden, die dann gern in ihrer Kritik total überziehen. Weil man aus dem Internet nichts restlos entfernen kann, gilt diese Regel: Eine negative Bewertung schnellstmöglich mit vielen positiven Bewertungen „zuschütten“.

Die negative Bewertung rückt dann nach hinten und verliert für die Durchschnittsnote mit jedem weiteren Kommentar an Gewicht. Unsere Bewertungen für das eigene Geschäft müssen dazu nicht nur zahlreich, sondern auch glaubwürdig sein. Zu dieser Glaubwürdigkeit gehören: Echter Name, echtes Foto, ehrliches und aussagestarkes Bewerter-Profil.


Stolz auf den Beruf zeigen

3.

Wir sind nach wie vor in erster Linie Fleischer oder Fleischerei-Fachverkäuferinnen, keine Online-Aktivisten. Wir brauchen nicht immer an die Wirkung unserer Posts im Hinblick auf die Nachwuchswerbung zu denken. Wir sollen nur offen und ehrlich sagen, dass wir einen tollen Job haben. „Offen und ehrlich“ meint zu zeigen, dass wir auch schwitzen, uns anstrengen, am Ende des Tages müde, aber verdammt stolz auf die gegebene Leistung sind. Wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens – online und offline im realen Leben – zeigen, dass sie diesen Job gern machen, ist das die beste Nachwuchswerbung.


Headhunter werden

4.

Wer sich als Online-Guerilla bewährt hat, kann sich auch als Headhunter für den eigenen Betrieb profilieren. Headhunting, das gezielte Abwerben eines Arbeitnehmers, hat einen schlechten Ruf, wenn es offiziell beauftragt und von einer Agentur geleistet wird. Wenn die eigenen Mitarbeiter zu Freunden oder ehemaligen Kollegen aus Berufs- oder Meisterschule sagen: „Hey, komm doch zu uns!“ – dann ist das sympathisch und überzeugend. Und wenn wir als Headhunter dafür eine Prämie vom Chef erhalten, dürfen wir sie stolz in die eigene Tasche stecken. Spätestens jetzt haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein echtes Gewinner-Gewinner-Spiel gestartet.

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