Porträt Jung, dynamisch und begeistert

Mittwoch, 23. August 2017
Was gibt’s diese Woche? Schwungvoll schreibt Carolin Schmidt die Angebote auf die gläserne Theke.
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Was gibt’s diese Woche? Schwungvoll schreibt Carolin Schmidt die Angebote auf die gläserne Theke.

Carolin Schmidt geht in ihrem Beruf auf. Schon früh stand ihr Karrierewunsch fest: Ich werde Fleischerei-Fachverkäuferin. Dabei blieb es nicht, heute arbeitet sie als Food Store Managerin in der nordhessischen Fleischerei Bechtel.
von Uli Köster

Carolin Schmidt ist Verkaufsleiterin in einer Filiale der Fleischerei Bechtel (Zella) – die 21-Jährige ist ihrem Beruf im wahrsten Sinne des Wortes mit Haut und Haaren verfallen. Vergangenes Jahr zierte die f-Marke des Fleischerhandwerks ihren Hinterkopf, die sie sich in die Haare rasiert hatte. Und auf ihren Rippen trägt sie ein ganz besonderes Tattoo: ein T-Bone-Steak und das Datum ihrer Meisterprüfung. „Es wurde mir quasi in die Wiege gelegt“, ist sie sich sicher, denn ihr Opa war viele Jahre als Hausschlachter tätig und ihre Mutter ist gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin.

Schon früh zeichnete sich ihr Berufswunsch ab, nach dem Praktikum in einer Metzgerei stand ihr Entschluss fest: „Ich werde Fleischerei-Fachverkäuferin“. Bereits mit 18 schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich ab, doch das war nicht das Ende der Fahnenstange. „Ich bin total begeistert von dem Beruf“, sagt die junge Frau voller Überzeugung, „daher wollte ich mich unbedingt weiterqualifizieren“.

Ihre Begeisterung durfte sie 2015 unter Beweis stellen: In einem Imagefilm des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) warb sie mit anderen jungen Menschen für das Handwerk, das vielerorts mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat. Vergangenes Jahr half sie bei der IFFA in Frankfurt am Stand des DFV aus, „da hing ein acht Meter hohes Bild von mir“, erinnert sich Carolin noch heute gern an ihren Einsatz bei der internationalen Messe.
„Ich bin total begeistert von dem Beruf.“
Carolin Schmidt
„Dort wurde ich auf die Frankfurter Fleischer-Fachschule Heyne aufmerksam, daraufhin habe ich es endlich angepackt“, blickt sie auf die Initialzündung für den nächsten Karriereschritt zurück, den Fortbildungslehrgang zur Verkaufsleiterin im Nahrungsmittelhandwerk, Fachrichtung Fleischwaren und Food Store Management. Mit weiteren 60 Kursteilnehmern, darunter künftige Bäcker- und Fleischermeister sowie Fachverkäufer aus dem Lebensmittelhandwerk, büffelte sie drei Monate lang Theorie und Praxis. Für die 15 angehenden Food Store Manager im Fleischereifach, davon zwei Drittel Frauen, ging es dabei unter anderem um die Ladengestaltung, den technischen und optischen Thekenaufbau, den Umgang mit Kunden und vieles mehr – Mitarbeiterführung und Lohnabrechnung standen ebenfalls auf dem Stundenplan. In der sechsstündigen praktischen Prüfung galt es beispielsweise Platten zu legen und zu dekorieren, Kanapees zu kreieren und Desserts zuzubereiten. Der Entwurf eines Schaufensterplakats, ein Kundengespräch für einen Catering-Auftrag und die Bestimmung von Fleischteilen rundeten die Themenpalette aus dem Geschäftsalltag ab. „Das war ein sehr intensiver Kurs“, beschreibt sie die fordernde Ausbildung und zeigt mit Stolz ihr Plakat „Deutscher Meister 2016“.

Gemeinsam mit Juniorchef Johannes Bechtel leitet Schmidt die Filiale in Ziegenhain, in der weitere sechs Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt sind. Im bisweilen stressigen Alltag, in dem sie Arbeits- und Urlaubspläne schreibt, Angebote erstellt, Präsentkörbe füllt, Bestellungen entgegennimmt, Kunden bedient und sonstige Abläufe koordiniert, behält sie die Übersicht und ihre gute Laune. Auch auf Unvorhergesehenes reagiert die dynamische junge Frau flexibel und findet rasch eine Lösung. „Der Umgang mit Menschen, immer wieder neue Sachen ausprobieren und die tägliche Herausforderung machen den Beruf für mich so spannend“, beschreibt sie ihre Motivation für das Gesamtpaket Fleischerhandwerk.

Trotz hoher Ansprüche an sich selbst findet sie beim Plattenlegen Entspannung im Tagesgeschäft. Zuhause, im nahegelegenen Schönborn, geht sie gerne joggen oder tollt mit Hündin Schiva umher. Obendrein ist sie Vorsitzende der Kirmesburschen, die einmal im Jahr das Volksfest in dem 100-Seelen-Dorf auf die Beine stellen. „Ich würde es immer wieder so machen“, ist Carolin Schmidt von ihrem eingeschlagenen Berufsweg überzeugt und man nimmt es ihr ab.
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