Studie Was ist uns das Tierwohl wert?

Freitag, 01. Dezember 2017
Freilandhaltung von Schweinen im Sauenhain.
Foto: fl
Freilandhaltung von Schweinen im Sauenhain.
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Tierwohl YouGov


Deutsche Kunden zeigen sich beim Thema Mehrkosten für Fleischwaren aus artgerechter Haltung gespalten. Knapp die Hälfte wäre bereit, dafür mehr zu zahlen, gut die Hälfte nicht.

Die Wertschätzung von Lebensmitteln allgemein und von Fleischwaren wächst, aber immer noch spielt der Preis eine wesentliche Rolle. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln steigt stetig, die Verbraucher werden sich der Herstellungsbedingungen von Lebensmitteln immer bewusster. So würde fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) mehr Geld für Fleischwaren aus artgerechter Haltung ausgeben. Dem gegenüber steht eine nur um wenige Prozentpunkte größere Gruppe (53 Prozent), die jedoch nicht bereit ist, die aus artgerechter Haltung entstehenden Mehrkosten über den Produktpreis zu tragen.

Ungeachtet dieser Spaltung sind Attribute wie regionale Herkunft und Freilandhaltung für jeweils mehr als ein Drittel der deutschen Konsumenten wichtige Kriterien für die Produktwahl. Auch die Frische von Lebensmitteln spielt für die Mehrheit (53 Prozent) der Verbraucher eine große Rolle. Dies zeigt der Report „Glückliche Tiere – glückliche Kunden“ des internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov. Zwar spiegeln die ausgewiesenen Zahlen aus LEH-Sicht die Situation wider, was aber auch für die Handwerksfleischer aufschlussreich sein kann.

Zahlungswillige Zielgruppe senkt den Fleischkonsum

Bei den potenziellen Mehrzahlern hat mehr als ein Drittel (36 Prozent) den Fleischkonsum in den letzten zwölf Monaten verringert. Die Hälfte von ihnen (48 Prozent) gibt an, weniger Fleisch und Wurst, dafür aber hochwertigere Produkte zu kaufen. Für 46 Prozent waren nähere Informationen zu den Haltungsbedingungen des Nutzviehs ausschlaggebend, um den Konsum zu verringern. Immerhin drei Prozent der potenziellen Mehrzahler verzichten nunmehr gänzlich auf Fleischwaren und Wurst.
„Siegel allein nutzen wenig. Nur zwölf Prozent kennen das Tierwohl-Logo und nur die Hälfte stuft es auch als glaubwürdig ein.“
„Um die Zielgruppe jener, die mehr für tierische Produkte aus artgerechter Haltung zahlen würden, zu erreichen, müssen Produzenten und Händler auf eine klare Kennzeichnung und Präsentation der Waren achten“, sagt Markus Braun von YouGov. Er gibt aber zu bedenken: „Hierfür ist eine zielgerichtete Kommunikation unerlässlich.“

Im Handel werden vielfach Siegel verwendet, um das Vertrauen der Verbraucher zu steigern. Jedoch eignet sich nicht jedes Siegel gleich gut zur Ansprache der Zielgruppe – manche Siegel haben sich bei den Verbrauchern noch nicht durchsetzen können.

Verbraucher wünschen sich deutlichere Kennzeichnung

So kennen etwa nur zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung das Siegel der Initiative Tierwohl und lediglich die Hälfte (50 Prozent) der Kenner stuft es zudem als vertrauenswürdig ein. Insgesamt wünschen sich knapp vier von fünf Deutschen (78 Prozent) eine deutlichere Kennzeichnung von Tierprodukten aus artgerechter Haltung, ebenso viele fordern weitere Regeln und Gesetze zur artgerechten Tierhaltung. Die Studie zeigt zudem, dass in der Gruppe der Zahlungsunwilligen das Vertrauen in Siegel und Etikettierungen im Vergleich zur Gruppe der Zahlungsbereiten deutlich geringer ist. 

Ein Mindestmaß an Engagement in Sachen Tierwohl ist unerlässlich. Die Spaltung der Verbraucher in Sachen Zahlungsbereitschaft für Fleischprodukte bedeutet für den Lebensmitteleinzelhandel allerdings, dass er differenzierte Produktlinien vorhalten sollte, wenn er möglichst viele Kunden glücklich machen will.

Der Report zeigt zudem, welche Discounter und Supermärkte über das größte Mehrzahlerpotenzial verfügen. Dieses liegt beispielsweise bei Kunden von Aldi, Alnatura oder Basic höher, während die Kunden von Netto und Lidl hingegen häufiger in das preisbewusste Segment gehören.

Für die Studie wurde auf die 100.000 Datenpunkte umfassende YouGov-Datenbank zugegriffen, für die im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierlich repräsentativ befragt werden. Kombiniert wurde die Analyse mit einer repräsentativen Befragung.

Der Report „Glückliche Tiere – glückliche Kunden“ kann unter Angabe der Kontaktdaten gratis heruntergeladen werden. Zur Studie.

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