Unternehmensnachfolge Paris, Manhattan, Nordhessen

Donnerstag, 30. Juli 2015
Katharina Koch
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Katharina Koch
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Katharina Koch Handwerksbetrieb


Früher war es in Handwerksbetrieben selbstverständlich, dass der Nachwuchs in die Fußstapfen der Eltern tritt, heute ist das anders.

Nicht wenige studieren oder streben eine gänzlich andere Karriere an. Da ist es schon außergewöhnlich, wenn jemand im In- und Ausland studiert und dann in die Heimat zurückkehrt und das elterliche Unternehmen weiterführt. Katharina Koch aus Calden ist ein solcher Fall.



Die Tochter einer Metzgerfamilie mit langjähriger Tradition hatte 2007 das Kasseler Gymnasium mit dem Abitur ab- und gleich ein Auslandsjahr in Paris angeschlossen. Dann führte sie der Weg nach Berlin, wo sie Politikwissenschaften studierte. Der Master of Arts stand am Ende der Studien in politischer Kommunikation an der Sorbonne in Paris. „Nach den ersten Semestern und durch verschiedene Praktika, zum Beispiel im Bundestag in Berlin oder bei den Vereinten Nationen in New York, habe ich immer mehr Interesse an der Arbeit in internationalen Organisationen bekommen“, blickt Katharina Koch zurück.

Den Kontakt zum elterlichen Betrieb hat sie dennoch nie verloren. Vor zwei Jahren entschied die damals 27-Jährige, in die elterliche Landfleischerei zurückzukehren. In die betrieblichen Abläufe, die sie seit Kindestagen kannte, ist sie dann hineingewachsen. „Dabei haben mich mein Vater, unsere Angestellten und nicht zuletzt meine beiden Brüder sehr unterstützt. Von meiner Mutter habe ich ebenfalls viel gelernt, vor allem im Verkauf und bei der Büroarbeit.“

Starkes Team: Thomas und Katharina Koch.
Foto: Koch
Starkes Team: Thomas und Katharina Koch.
Ganz ohne Theorie geht das natürlich nicht. Seit einiger Zeit wälzt Katharina Koch fleißig die einschlägige Fachliteratur, einerseits, um sich das nötige Hintergrundwissen anzueignen, andererseits, um sich auf die Ausbildung zur Verkaufsleiterin vorzubereiten, die sie im nächsten Frühjahr in Frankfurt beginnen möchte.

Jeder an seinem Platz

Ein Problem mit der Betriebsnachfolge, die nun neu geregelt werden musste, habe es aber nicht gegeben. „Wer von uns übrigen irgendwann den Betrieb übernehmen würde, war lange nicht klar“, verrät Koch. „Wir haben einfach eine Zeit lang zusammengearbeitet, mein Vater, mein Bruder Benjamin und ich.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Stärken meines Bruders in der Produktion liegen, er ist ein begabter Fleischer, das Wurstmachen liegt ihm im Blut wie meinem Vater.“ So habe jeder im Betrieb den Platz gefunden, an dem er sich bestmöglich einbringen könne. Inzwischen ist sie zu Hause verantwortlich für Ein- und Verkauf, Buchführung, Vertrieb, Kundenbetreuung und Marketing.

Gerade letzterer Bereich spielt eine große Rolle in dem 1877 als Hausschlachterei mit Lebensmittelverkauf gegründeten Unternehmen. Spezialisiert auf die nordhessische Ahle Wurst hat es sich unter Leitung von Katharinas Vater Thomas Koch mit zahlreichen Aktionen, vom Auftritt auf der Documenta bis zum Sponsoring für die Restauration der Herkules-Statue im Schlosspark Wilhelmshöhe, Kultstatus erworben.

Im Kontakt mit Menschen

Für ihre originellen Verkaufs- und Marketingmaßnahmen wurde Katharina Koch im letzten Jahr mit dem Rudolf-Kunze-Preis des Deutschen Fleischer-Verbands für vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet.

Neben der Kommunikation mit den Medien ist es vor allem aber die Arbeit im Laden, die ihren Ehrgeiz geweckt hat: „Beraten und Verkaufen macht mir sehr viel Spaß. Hier zeigen sich, neben erstklassigen Produkten, die wichtigsten Stärken des handwerklichen Betriebs. Individuelles, freundliches und kompetentes Eingehen auf die Wünsche des Kunden, die selbst hergestellten Lebensmittel ansprechend zu präsentieren und mit Erfolg zu verkaufen.“ Die direkte Rückmeldung der Kunden nimmt Katharina Koch als Ansporn. Das gilt auch für kritische Töne, „denn es gibt immer etwas zu verbessern“.

Auch im Ehrenamt können die Fleischer mit ihrer jungen Kollegin rechnen. Nachdem sie sich bereits im Studium in der Liberalen Hochschuljugend und als Tutorin an der Universität Berlin engagiert hatte, wirkt sie nun als Pressebeauftragte bei Soroptimist, einer mit dem Rotary-Club vergleichbaren Organisation für berufstätige Frauen, mit. Auch für das junge Fleischerhandwerk setzt sie sich ein: Seit 2014 ist sie Mitglied im Vorstand der Fleischerjunioren.

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