Unternehmensnachfolge Vom Lehrling zum Betriebsinhaber

Freitag, 15. Juli 2016
Frühzeitige Planung zahlt sich aus: Rainer Bendig (rechts) übergab seinen fleischerhandwerklichen Betrieb an seinen Geschäftsführer René Raböse, der sich im Unternehmen bestens auskennt.
Foto: Zielke
Frühzeitige Planung zahlt sich aus: Rainer Bendig (rechts) übergab seinen fleischerhandwerklichen Betrieb an seinen Geschäftsführer René Raböse, der sich im Unternehmen bestens auskennt.
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Unternehmensnachfolge


Gelungene Übernahme der Landfleischerei Bendig – Arbeitsplätze an sechs Standorten bleiben erhalten.

Von Torsten Holler

Für das Beispiel einer gelungenen Nachfolgeregelung im Land Brandenburg steht die Landfleischerei Bendig. Firmeninhaber Rainer Bendig (63) übergab sein Fachgeschäft mit rund 80 Mitarbeitern an seinen Geschäftsführer René Raböse. Der 39-Jährige kennt den fleischerhandwerklichen Betrieb bestens: Er hatte 1994 als Lehrling im Unternehmen begonnen, war dann als Einkäufer und Produktionsleiter für die Landfleischerei tätig und arbeitete in den letzten fünf Jahren als Geschäftsführer. Damit wird der Traditionsbetrieb erstmals seit vier Generation von einem Inhaber geführt, der nicht aus der Familie Bendig stammt. 

Weil sich von seinen eigenen Angehörigen niemand für eine Übernahme interessierte, fand Rainer Bendig die Lösung im Stab seiner Mitarbeiter. „René Raböse gehörte von Anfang an zu den Besten der über 80 Azubis, die ich seit der Wende ausgebildet habe. Ich habe ihn immer gefördert, ihm auch ihm wie sieben anderen Lehrlingen die Meisterausbildung bezahlt. Er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. In den letzten zwanzig Jahren haben wir Schulter an Schulter gearbeitet, so dass er mein Unternehmen in- und auswendig kennt“, so Rainer Bendig. Nachdem sich beim Seniorchef gesundheitliche Probleme bemerkbar machten, begannen beide, Gespräche über die Nachfolge zu führen.

Ludwig Schämann
(Bild: wi)

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Gemeinsam mit dem Unternehmensberater Martin Dolling von der Wagemann und Partner New Consulting GmbH wurde ein Finanzierungskonzept erarbeitet. „Eigenkapital, klassische Bankkredite sowie die Unterstützung durch die KfW und die Bürgschaftsbank Brandenburg bei der Besicherung der Kredite bildeten die Grundpfeiler für die Finanzierung der Übernahme. Darüber hinaus haben wir die notwendigen Bankenrunden moderiert“, so Dolling.

„Zeitgleich wurde der Betrieb restrukturiert und wieder in die Gewinnzone geführt.“ Nunmehr schreibt die Fleischerei wieder deutlich verbesserte Zahlen. Dr. Miloš Stefanović, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg, nennt Raböse einen optimalen Nachfolger: „Er ist in der Lage, einen größeren Betrieb in allen Bereichen zu führen. Seine Funktion als Geschäftsführer hat es ihm ermöglicht, in die neue Aufgabe hineinzuwachsen und gestaltend mitzuwirken. So wurden im Vorfeld Optimierungen bei Kassensystemen und Einsatzplänen der Belegschaft vorgenommen.“ Zudem lobt Stefanović auch den bisherigen Inhaber. „Rainer Bendig hat René Raböse frühzeitig als rechte Hand aufgebaut. Das versäumen die meisten Unternehmer auf Nachfolgersuche.“

Tipps für die gelungene Übernahme

Die Unternehmensnachfolge möglichst frühzeitig vorbereiten +++ Wenn in der eigenen Familie niemand gefunden wird, dann unter den Führungskräften im Unternehmen umschauen +++ Fachlich geeignete Berater einspannen – auch außerhalb der Kammern +++ Nachfolger sorgfältig auf seine künftigen Aufgaben vorbereiten +++ Alteigentümer sollten sich eine neue Aufgabe abseits des operativen Geschäfts suchen +++ Erwerber sollte sich eigene strategische Ziele setzen.
Der neue Chef übernimmt eine gesunde Fleischerei mit sechs Verkaufsstellen. Raböse freut sich auf seine neue Herausforderung: „Es ist eine große Aufgabe, 80 bis 100 Leute in Lohn und Arbeit halten zu können.“ Als Modell der Übernahme wurde der Kauf der kompletten Anteile gewählt. „Dies ist bei der Nachfolge durch jemand Externes die beste Lösung“, weiß Steuerberater Thorsten Stielow.
„In den letzten zwanzig Jahren haben wir Schulter an Schulter gearbeitet.“
Rainer Bendig
Für Michael Burg von der Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Potsdam ist der Traditionsbetrieb Bendig ein Musterbeispiel für eine geregelte Unternehmensnachfolge. „Jedes Jahr suchen etwa vierhundert Mitgliedsbetriebe in Westbrandenburg einen geeigneten Nachfolger. Hierbei gibt es immer wieder einen großen Beratungsbedarf. Eine frühzeitige Übergabeplanung und eine Begleitung durch Experten ist jedem Inhaber zu empfehlen.“

Zu seinen Zielen sagt der neue Firmenchef René Raböse: „Wir wollen nach der Übernahme weiter wachsen und mit dem Slogan ,besserschmecker‘ die Marke regional noch stärker machen.“ Als nächster Schritt ist darüber hinaus noch in diesem Jahr die Eröffnung einer weiteren Filiale auf dem Berliner Alexanderplatz geplant. Rainer Bendig dagegen ist froh, dass er jetzt kürzer treten kann. Künftig will er seine Frau beim Betrieb der firmeneigenen Event-Location unterstützen . Denn die – so hatte er sich mit seinem Nachfolger geeinigt – ist im Besitz der Familie Bendig geblieben.

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