Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fleischerberufe Mit höherer Qualität zum besseren Ruf

Dienstag, 05. September 2017
Mit dem Beginn des neuen Lehrjahrs startet parallel das Wehklagen um die Situation am Ausbildungsmarkt.

Angebot und Nachfrage passen in vielen Berufen und vor allem im Fleischerhandwerk nicht zusammen. Das gilt gleichermaßen für die großen Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie für die Fleischverarbeiter und den Lebensmittelhandel. Wir sitzen alle in einem Boot und kämpfen mit der gleichen Herausforderung, junge Menschen für den Beruf des Fleischers und der Fleischerei-Fachverkäuferin – auch in getauschten Rollen – zu begeistern.

Anlass dieser Gedanken ist das breite mediale Echo – in klassischen Zeitungen, Radio und Fernsehen sowie im Internet samt sozialer Netzwerke – auf eine Erhebung der zehn beliebtesten und unbeliebtesten Ausbildungsberufe. Diese Rankings versprechen Reichweite, Gesprächsstoff und auf Facebook-Likes, also Daumen hoch. Sie beeinflussen das Image einzelner Berufsgruppen nachhaltig. Da schmerzt es außerordentlich, dass die Fleischerberufe zu den Schlusslichtern zählen.

Zweifelsfrei hat die Spitzenorganisation des Fleischerhandwerks, der Deutsche Fleischer-Verband (DFV), in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, hier eine Neupositionierung und eine andere Wahrnehmung der Berufsbilder zu erreichen. Die Arbeit am Nachwuchswerbekonzept sowie am Image ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie verlangt vor allem Mitarbeit durch jeden einzelnen fleischerhandwerklichen Betrieb. Es sind die Unternehmen, die zur Zukunftssicherung händeringend junge Talente benötigen, und weniger die Berufsvertretung. Der Verband gibt seinen Mitgliedern viele Werkzeuge an die Hand: beispielsweise Webseiten wie www.fleischerberufe.de, Imagefilme und Geschmacksspiele. Das können die Innungsfleischer nutzen.

„Positive Mundpropaganda durch die eigenen Mitarbeiter kann nur Früchte tragen, wenn diese zufrieden sind. Ziel muss der Aufbau einer starken Arbeitgebermarke sein. “
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Lehrlinge wird es ohne zeitintensive Anstrengungen wie Schnupperpraktika, Präsenz auf Ausbildungsbörsen oder Tage der offenen Tür nicht geben. Ebenso kann eine positive Mundpropaganda durch die eigenen Mitarbeiter nur Früchte tragen, wenn diese zufrieden sind. Ziel muss der Aufbau einer starken Arbeitgebermarke sein, die attraktiv ist und im Wettbewerb um die besten Talente den Nachwuchs sowie Fachkräfte magisch anzieht – auch aus anderen Berufen.

Die Qualität der Ausbildung ist der andere wichtige Hebel mit dem junge Menschen für einen Beruf gewonnen werden können. Der gerade erschienene „Ausbildungsreport 2017“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt eindrucksvoll, wie schlecht Ausbildungsberufe bewertet werden können. Die Lehre zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk bildet dabei das Schlusslicht. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Lehrherrn, die täglich ihr handwerkliches Können sowie ihr Fachwissen mit Freude weitergeben.
DFV - Ausbildung - Fachverkäufer
(Bild: DFV)

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So handeln allerdings bei weitem nicht alle Meister. Der DGB fordert dringend dazu auf, sowohl in den Berufsschulen als auch in den Betrieben die Ausbildungsqualität zu verbessern. Es sind keine Einzelfälle, wenn Azubis über eine schlechte Behandlung und eine ungenügende Wissensvermittlung klagen.

Die Studie hat indes einen Schönheitsfehler. Der Report differenziert den Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk nicht, wie sich Fleischer das wünschen. Die Ausbildung kann ebenso mit anderen Tätigkeitsschwerpunkten in Bäckereien und im Lebensmittelhandel absolviert werden. Wer jetzt denkt, dass er deshalb fein raus ist, irrt sich gewaltig.

Es muss ein Ruck durch die Branche gehen. Alle Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um junge talentierte Verkäufer auszubilden. Wer sonst soll selbst hergestellte Handwerksprodukte mit Begeisterung verkaufen? Die Erfüllung von Kundenbedürfnissen sowie das Ablesen von Wünschen, die dem Kunden ein Lächeln aufs Gesicht bringen, ist eine tolle Berufung. Und sie bietet zukunftssichere Perspektiven.

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