Kommentar von
Jörg Schiffeler

Organisationsreform Der Verband ist auf Ballhöhe

Dienstag, 10. Oktober 2017
Die Fleischer sind mutiger geworden. Das spürten alle Teilnehmer des Deutschen Fleischer-Verbandstags in Potsdam.
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DFV Organisationsreform Herbert Dohrmann ANUGA


Vor einem Jahr stimmten die Mitglieder der Spitzenorganisation des Fleischerhandwerks deutlich dafür, die Gespräche über Herausforderungen zu vertiefen und zukunftsorientierte Lösungen für die Interessenvertretung zu erarbeiten. Gleichzeitig lautete der Auftrag, klare Positionen zu beziehen.

Der vor einem Jahr eingeleitete Reformprozess trägt erste Früchte: DFV-Präsident Herbert Dohrmann ermutigte die Tagungsteilnehmer zu mehr Entscheidungsfreude. Der Spagat, Vertrautes zu bewahren und parallel neue Wege einzuschlagen, ist dem Hanseaten und seinem Team im Präsidium fürs Erste gelungen.

Die traditionellen Kernelemente des Verbandstags überraschten mit Neuerungen: Zum einen begeisterte Lutz Wagner vom Deutschen Fußball-Bund zur Matinee das Plenum. Statt Lippenbekenntnissen von Politikern zugunsten der Metzger, motivierte der ehemalige Schiedsrichter, an fällige Entscheidungen positiv heranzugehen und die getroffene Vereinbarung auch zwingend gut zu verkaufen. Selten folgte die Fleischerfamilie mit ihren Gästen dem Festredner so aufmerksam wie jetzt in Potsdam.

DFV-Tag 2017 - Plenum
(Bild: jus)

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Zudem schärfte der Schiedsrichter den Anwesenden die Sinne für einen Perspektivwechsel beim Betrachten von Augenblick, Vorfall und Ziel. Die rote oder gelbe Karte ist schnell aus der Tasche des Unparteiischen gezückt – doch welche Entscheidung ist die Richtige mit Blick nach vorn? Liegen dafür die nötigen Erkenntnisse vor?

Zum anderen inthronisierte der Münchner Obermeister Andi Gaßner zum Festabend die neue Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks. Mit jungem Elan und Erfahrung entwickelte DFV-Vizepräsidentin Nora Seitz im engen Austausch mit den Landeslehrlingswarten einen neuen Wettbewerb. Ziel ist die Aufstellung eines Nationalteams, das als Botschafter auftreten soll.

Dieser frische Wind setzte sich bei der Mitgliederversammlung fort. Die Ressortchefs fanden klarere Formulierungen für die Positionen der Fleischer. Dort, wo es nötig sei, müsse der DFV Rücksichtnahmen ablegen – beispielsweise gegenüber Politik und Verbraucherschützern. Das konnte das Auditorium eindrucksvoll erfahren, denn Dohrmann nannte Ross und Reiter dort, wo er Fehlentwicklungen identifizierte.

Den nächsten Spagat schaffte das neue Präsidium beim Thema Perspektiv-Beschluss. Die seit Jahren anstehende Reform der Organisationsstruktur kommt in die Gänge: In einem ersten Schritt votierten rund 85 Prozent der stimmberechtigten Delegierten für eine Satzungsänderung zu Gunsten einer Direktmitgliedschaft von Betrieben beim DFV sowie der Bildung eines Kompetenzverbunds. Dass die deutliche Mehrheit der Fleischermeister ihrem Präsidenten folgte, war ein seit vielen Monaten gut vorbereiteter Prozess. Die Mitglieder waren involviert, die Landesinnungsmeister berieten und regionale Informationsveranstaltungen warben für das Vorhaben und sorgten für die nötige Transparenz.

Veränderungen sind schmerzhaft und nötig sowie befreiend. Deshalb müssen jetzt alle Meister zusammenstehen und die Interessenvertretung des Fleischerhandwerks sowohl sichern als auch für die Zukunft gut aufstellen. Das sollte doch gelingen, weil das Ziel der richtungsweisenden Entscheidung im Interesse der fleischerhandwerklichen Betriebe liegt.

Qualitativ hochwertiges Fleisch ist gefragt wie lange nicht. Das war eindrucksvoll auf der Weltleitmesse der Ernährungswirtschaft in Köln zu bestaunen. Alle Umsatzmilliardäre der Branche präsentierten edle Cuts und Dry aged-Beef. Die Inszenierung erinnerte nicht selten an Schaufenster von Juwelieren. Gewiss, die Überleitung zur Anuga kommt etwas holprig daher. Dennoch zeigt das Beispiel, dass die Fleischer mit starker Stimme sprechen müssen, damit sie neben den Großen gehört und nicht abgekupfert werden.

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