Kommentar von
Jörg Schiffeler

Steuern auf Lebensmittel Aufklären und informieren statt bevormunden und besteuern

Dienstag, 14. November 2017
Die richtige Ernährung ist immer wieder ein Zankapfel. Gibt es sie überhaupt? Ist es nicht ein bisschen wie in der Politik, weil das beliebte Farbspiel der Schwarz-Weiß-Malerei am Ende keinen Fortschritt bringt?

Die Ernährung und die Konsumgewohnheiten sind weitaus komplexer. Das kennen wir alle: Kinder akzeptierten noch nie ohne Wiederspruch das, was ihnen (Groß-)Eltern auf dem Teller servierten. Und auch Politiker haben es nicht leicht, wenn es um den Konsum und die Gewohnheiten der Verbraucher geht. Ihr Fokus auf das Wahlvolk fordert so manchen Tribut, denn im nächsten Parlament wollen sie weiterhin vertreten sein.

Die Kampfansage an Fett, Zucker, Salz und Co. durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und weiteren Experten des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ist nachvollziehbar, aber eindimensional. Die Forderungen an die Politik, endlich zu Handeln, müssen erschrecken.

Eine höhere Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken beispielsweise wird den Genuss von Cola, Energydrinks und Mixgetränken kaum senken. Erstens steht diese Beweisführung aus und zweitens ist der Verbrauch an Zigaretten und Co. trotz mehrfacher Steuererhöhungen nach wie vor zu hoch und die gesundheitlichen Folgen erheblich. Ähnlich verhält es sich beim Genussmittel Alkohol.

Brot - Schinkenbrot-Ei
(Bild: Pixabay)

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Wer mehr Einflussnahme durch den Gesetzgeber fordert, vergisst die Folgen für die Ernährungsindustrie. Sie sieht sich ebenso wie zahlreiche Bundesbürger einer weiterer Bevormundung ausgesetzt, die letztlich das Problem der Fehlernährung und des Missbrauchs von Suchtmitteln nicht lösen.

Unser Nachbarland Dänemark führte 2011 eine Fettsteuer ein. Ziel der Maßnahme war es, die Dänen zu einer fettärmeren Ernährung zu bewegen. Auch Fleisch wurde besteuert. Nach nur einem Jahr schaffte die Regierung die weltweit erste Steuer auf Lebensmittel mit gesättigten Fettsäuren wieder ab, weil sich das Ernährungsverhalten der Dänen nicht veränderte. Stattdessen mussten sich die Hersteller von Lebensmitteln mit zusätzlichen Verwaltungskosten auseinandersetzen und die Verbraucher mussten höhere Preise an der Ladenkasse zahlen. 

Weder die Ausgewogenheit noch die Gesundheit eines Lebensmittels lässt sich durch Ampelfarben treffend und zuverlässig beschreiben. So kann es sein, dass der Hausarzt ein beispielhaftes Blutbild diagnostiziert, obwohl der Patient auf Nachfrage über den Genuss von Chips und Erdnussflips wie auch von Tortenschlachten, Steaks und Salat berichtet. Natürlich kann das funktionieren, wenn die Ernährung ausgewogen ist und ausreichend Bewegung vorhanden ist.
„Das Kochen sollte Pflichtfach werden, damit das Wissen um Apfel, Brot, Eier, Fleisch, Mehl, Kartoffel, Salat nicht verloren geht. “
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Hier kommt das Wissen ins Spiel. Die Grundlagenkenntnisse über Energiebilanzen, die Aufnahme und den Verbrauch von Kalorien, müssen spürbar besser vermittelt werden. Ernährung und Sport gehören viel mehr auf den Stundenplan unserer Kinder, als es vielerorts der Fall ist. Und das Kochen sollte Pflichtfach werden, damit das Wissen um Apfel, Brot, Eier, Fleisch, Mehl, Kartoffel, Salat nicht verloren geht.

Ziel muss es sein, dass Waffeln aus einem selbst gekneteten Teig aus Butter, Eiern, Mehl, Salz und Zucker gebacken werden und nicht mit einer Flüssigkeit aus einer an Waschmittel erinnernden Flasche. Wer so lernt, wird Lebensmittel nicht nur wert schätzen, sondern weiß auch um die richtige Dosis der einzelnen Zutaten.

Diese Kenntnisse um Nahrungsmittel haben in den Wohlstandsgesellschaften mit der Entfremdung von den Prozessen der Lebensmittelherstellung extrem abgenommen. Gleichzeitig verführt die zunehmende Sucht nach Computerspielen und Smartphone zu immer weniger körperlicher Bewegung. Viel zu oft sind wir bequem und bestellen uns die Pizza oder ganze Menüs nach Hause. In der Folge gibt es immer mehr übergewichtige Menschen. Da hilft keine Ampel, sondern Aufklärung. Eine hervorragende Aufgabe für alle, die gesunden Genuss lieben.

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