Afrikanische Schweinepest Bundesländer intensivieren Kampf

Sonntag, 11. Februar 2018
Wildschweine schleppen die Afrikanische Schweinepest in die Europäische Union ein.
Foto: Richy / pixelio.de
Wildschweine schleppen die Afrikanische Schweinepest in die Europäische Union ein.
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Afrikanische Schweinepest


Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Hauck stellt Zwölf-Punkte-Präventionsplan gegen die Krankheit vor - Jägern soll bei intensivere Wildschweinebejagung geholfen werden - Brandenburg erlaubt Fallenfang - Rheinland-Pfalz zahlt 50 Euro für Proben von Fallwild - Landesbauernpräsident Hartelt fordert ausreichende Finanzmittel für die ASP-Bekämpfung.

In mehreren Bundesländern sind in der vergangenen Woche weitere Präventionsmaßnahmen gegen eine Einschleppung oder Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) beschlossen worden.

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) stellte am 9. Februar in Stuttgart einen Zwölf-Punkte-Plan vor, der unter anderem für die intensivere Bejagung des Schwarzwilds, die Aufhebung der zweimonatigen Schonzeit im März und April sowie den verstärkten Abschuss von weiblichen Wildschweinen vorsieht.

„Für die Durchführung der notwendigen Maßnahmen werden im laufenden Jahr zusätzliche finanzielle Mittel von bis zu drei Millionen Euro bereitgestellt“, kündigte der Minister an. Ihm zufolge soll durch ein verstärktes Monitoringsystem bei Haus- und Wildschweinen ein möglicher ASP-Eintrag früh erkannt werden, auf die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen geachtet und durch Informationskampagnen das Risiko einer menschlichen Viruseinschleppung verringert werden.

Zudem werde im Agrarressort ein ASP-Krisenstab eingerichtet und im Herbst eine große Tierseuchenübung in den Regierungsbezirken Freiburg und Tübingen durchgeführt. Bei der Reduzierung der Schwarzwildpopulation werden laut Hauk die Jäger unterstützt. So solle die Zulassung technischer Hilfsmittel die Nachtjagd auf Wildschweine erleichtern, revierübergreifende Drückjagden verstärkt und Hilfen bei der Vermarktung von Wildbret geleistet werden.

Neben der Aufhebung der Schonzeit werde in diesem Jahr auch die Kirrung erlaubt, und eine störungsarme Bejagung in Schutzgebieten solle für den Zeitraum vom 1. Oktober 2018 bis 31. Januar 2019 von den zuständigen Behörden „wohlwollend geprüft“ werden. Zudem werde im Staatswald der Einsatz von sogenannten „Saufängen“ in begrenztem Umfang pilothaft erprobt.

Hessen hatte Anfang Februar beginnende Schonfrist bei der Bejagung von Wildschweinen aufgehoben wie das zuvor bereits mehrere Landkreise in Niedersachsen erlassen hatten. Zur Verhinderung des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Hessen sei eine deutliche Reduktion der Wildschweinpopulation notwendig, weshalb die Schonzeit für Keiler und Bachen in diesem Jahr ganz wegfalle, teilte das Wiesbadener Agrarressort mit.

„Je mehr Wildschweine in Hessen leben, desto schneller kann sich das Virus bei einer Einschleppung ausbreiten. Daher rufe ich die hessischen Jägerinnen und Jäger auf, auch in den kommenden Monaten intensiv Schwarzwild zu bejagen“, erklärte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen). Die im hessischen Jagdgesetz festgelegte Schonzeit für erwachsene Wildschweine werde aufgehoben, was durch mehr als 3.000 Einzelanordnungen an die Jagdausübungsberechtigten erfolge.

In Brandenburg wurde diese Fangjagd von Wildschweinen vergangene Woche bereits erlaubt. Das Potsdamer Agrarressort betonte, dass der Wissenschaft zufolge der Fallenfang gerade beim reproduktiven Schwarzwild mit hohem Wirkungsgrad praktiziert werden könne.

Maßnahmen reichen nicht

Der agrarpolitische Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Dr. Friedrich Bullinger, bemängelte, dass im ASP-Aktionsplan die Aussetzung der Schonzeit und die Erlaubnis zur Kirrung nur für dieses Jahr vorgesehen seien. Er hatte zuvor für beide Maßnahmen eine dreijährige Aufhebung gefordert, weil die Gefahr durch die Tierseuche auch in zwölf Monaten noch nicht vorüber sein werde. Zudem sollten aus seiner Sicht sämtliche Jagdschutzverordnungen für Naturschutz- und Biosphärengebiete überprüft werden.

„Wenn wir den Schwarzwildbestand wirklich spürbar reduzieren wollen, können wir keinen Flickenteppich von bejagbaren und nicht bejagbaren Flächen gebrauchen“, betonte Bullinger. Auch auf die von ihm angeregte Jägerprämie für den Abschuss von Frischlingen ging die Landesregierung nicht ein; Abschussprämien sind im Maßnahmenpaket nicht vorgesehen.

Dennoch konnte der FDP-Politiker auch etwas Positives in den von Hauk vorgestellten Maßnahmen entdecken. Dies betreffe vor allem die Genehmigung des jagdlichen Einsatzes von Nachtsicht-Vorsatzgeräten und des Ausbaus der Verwahrstellen für Tierkadaver, die landesweit von 81 auf 153 erweitert werden sollen.

Fallwildprämien in Rheinland-Pfalz

Für die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) ist die Früherkennung ein zentrales Element bei der präventiven Bekämpfung der gefährlichen Tierseuche. Beim „ASP-Gipfel“ mit Vertretern der Landwirtschaft, Jagd, Tierärzte sowie der Städte und Gemeinden am 5. Februar in Mainz kündigte sie an, die Jägerschaft deshalb ab sofort mit einer Prämie zu unterstützen.

„Für die Beprobung von Fallwild erhalten Jägerinnen und Jäger jeweils 50 Euro. Außerdem übernimmt das Ministerium das Porto zum Versand der Probe“, teilte die Ministerin mit. Den Tierhaltern empfahl sie eine Ertragsschadensversicherung abzuschließen und sich durch die konsequente Einhaltung eines hohen Hygienestandards vor einem Eintrag zu schützen.
Warnplakat des BMEL  zur Afrikanischen Schweinepest.
Foto: BMEL
Warnplakat des BMEL zur Afrikanischen Schweinepest.
Weil auch der Mensch ein möglicher ASP-Überträger sei, werde verstärkt auch auf Information und entsprechende Bundeskampagnen gesetzt. Neben der Früherkennung und einer Informationspolitik will das Mainzer Agrarressort mit allen Akteuren des „Handlungsprogramms Schwarzwild“ die Reduzierung der Wildschweinepopulation als Präventionsmaßnahme umsetzen.

Dabei sieht man sich auf dem richtigen Weg, denn in den nicht verpachteten Staatswaldrevieren war die Jagdstrecke beim Schwarzwild zum Stichtag 31. Dezember 2017 rund ein Drittel höher als im Vorjahreszeitraum. „Zu dieser Entwicklung hat auch der Verzicht auf die Erhebung von Jagdbetriebskosten für private Jägerinnen und Jäger im Staatswald sowie die Möglichkeit der ganzjährigen Bejagung von Wildschweinen - mit Ausnahme von Muttertieren, die abhängige Frischlinge führen - beigetragen“, erläuterte Höfken.

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