Anreize schaffen statt Ordnung straffen

Montag, 01. Dezember 2014
Foto: si

Die EU-Kommission prüft derzeit die Zugangsbeschränkungen in manchen Berufen. Dabei ist auch der Meisterbrief ins Visier der Behörde geraten – zur Empörung des Fleischerhandwerks in Europa.

Anders stellt sich die Situation in den restlichen europäischen Ländern dar. Zum Teil gibt es dort nicht einmal eine reglementierte Ausbildung, zum Beispiel in Spanien. Und so kämpft der dortige Mitgliedsverband Cedecarne zurzeit für den Aufbau eines Dualen Ausbildungssystems nach deutschem Vorbild.

In diesem Spannungsfeld bewegte sich thematisch das diesjährige European Meat Forum des Internationalen Metzgermeister-Verbands (IMV) in Brüssel unter der Leitung von Moderatorin und afz-Chefredakteurin Renate Kühlcke. Als Schirmherrin hatte der Verband nach dem Ausscheiden von Dr. Horst Schnellhardt aus dem EU-Parlament Dr. Renate Sommer gewonnen. Die Abgeordnete präsentierte sich auf dem Podium auch gleich als kämpferische Mitstreiterin der Metzger.

Die Sicht der Kommission vertrat Barbara van Liedekerke auf dem Podium. Die Juristin stellte gleich klar, dass es nicht darum gehe, den Meisterbrief abzuschaffen. Auch die Duale Ausbildung stehe nicht zur Disposition. Ihre Behörde habe lediglich dazu aufgerufen, bestehende Zugangsbeschränkungen zu hinterfragen, ob sie den aktuellen Marktgegebenheiten noch entsprechen.

Den Negativ-Effekt der Deregulierung führte IMV-Präsident Jean-Marie Oswald den Gästen auf dem Podium und im Plenum am Beispiel Deutschland vor Augen: Nachdem 2003 der Meisterzwang für 53 Berufe gefallen war, sei in den betroffenen Gewerken zwar die Zahl der Betriebsgründungen sprunghaft in die Höhe geschnellt. Darunter seien allerdings kaum Meisterbetriebe gewesen und ebenso wenige Ausbildungsplätze: „

Die derzeitige Situation bei Spaniens Fleischern erläuterte María Sánchez Ruiz vom Verband Cedecarne. Die klassische Lehre mit Produktionsschwerpunkt gibt es dort nicht. Die Metzger-Ausbildung umfasst lediglich 500 Stunden und ist auf den Verkauf fokussiert. Und so arbeitet der Verband aktuell an einem neuen Ausbildungsmodell, das eine dreijährige Grundausbildung umfassen soll, in der die betrieblichen Grundlagen für eine Selbstständigkeit vermittelt werden.

Sommer rückte zwei weitere Problemfelder in den Blickpunkt: Zum einen brachte sie die neue Lebensmittel-Kontroll-Verordnung ins Spiel, die demnächst in die zweite Lesung gehe. Zum anderen gehe der Trend unter jungen Leuten immer mehr in Richtung Freizeitgesellschaft. Berufsstarter heute wollten einfach nicht mehr so viel arbeiten. „Ich bin mir da auch nicht so sicher, ob der Meister da noch attraktiv ist.“ In diesem Punkt war sie sich einig mit Barbara van Liedekerke, die klar den Ansatz unterstrich, Handwerksberufe wieder ansprechender zu machen.

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