DFV-Präsidium Wir müssen handeln

Donnerstag, 02. März 2017
Eckhart Neun ist seit langem im Ehrenamt aktiv, als Landesinnungsmeister in Hessen und beim Deutschen Fleischer-Verband in Frankfurt am Main.
Foto: DFV
Eckhart Neun ist seit langem im Ehrenamt aktiv, als Landesinnungsmeister in Hessen und beim Deutschen Fleischer-Verband in Frankfurt am Main.

Mit der Präsidiumswahl im vergangenen Oktober ist Eckhart Neun in das Ressort der Finanzen und der Organisation gewechselt. Damit sind die Herausforderungen für ihn nicht kleiner geworden, denn beides hat Reformbedarf.

Herr Neun, auf der DFV-Obermeistertagung haben Sie erstmals die Arbeit Ihres neuen Ressorts Finanzen und Organisation vorgestellt, nachdem Sie fünf Jahre lang für das Lebensmittelrecht zuständig waren. Wie groß war die Umstellung?

Eckhart Neun: Das neue Ressort ist mindestens genauso spannend wie das alte, wenn nicht sogar ein bisschen spannender. Eine gewisse Umstellung war aber dennoch vonnöten. Ich war in meinem alten Ressort mit Herzblut dabei, bin aber auch froh, dass wir mit meinem Kollegen Konrad Ammon einen absoluten Kenner der Materie an dieser Stelle haben. Der Ressortwechsel ist mir dahingehend leicht gefallen, als wir gerade bei Finanzen und Beitragswesen großen Reformbedarf haben und ich fest davon ausgehe, dass uns diese Themen in den kommenden Jahren stark beschäftigen werden.

Was werden die großen Themen Ihrer kommenden Amtszeit sein?

Neun: Das haben wir auf der Obermeistertagung bereits angerissen. Mein vorrangiges Ziel ist eine Reform des Beitragswesens ab 2018. Die Sonderumlage des sogenannten „Drei-Säulen-Modells“ soll eingestellt werden, denn derzeit macht eine Fortführung wenig Sinn. Im Prinzip war das Modell eine gute Idee. Die zusätzliche Umlage hatte das Ziel, einen finanziellen Grundstock zu schaffen, dessen Erträge die Beiträge mittelfristig entlasten. Aber niemand konnte 2011 ahnen, dass man fünf Jahre später keine Zinsen mehr fürs Geld bekommt. So wichtig eine nachhaltige Finanzierung ist: Eine Maßnahme, die aktuell nichts bringt, sollte man aussetzen.

Ein weiterer Bestandteil der Beitragsreform ist die Überführung des Werbebeitrags in den regulären Mitgliedsbeitrag. Bisher erheben wir den Beitrag gesondert über unsere Wirtschaftsförderungsgesellschaft – oft ohne dass die Mitglieder das bemerken. Die Zusammenführung macht für uns manches leichter: Es gibt weniger Verwaltungsaufwand und mehr Planungssicherheit. Werbemaßnahmen könnten nachhaltiger und über mehrere Jahre hinweg geplant und budgetiert werden. Zudem wäre dadurch dem schleichenden Wirkungsverlust unserer Werbegelder zumindest teilweise entgegengewirkt.

Was meinen Sie damit?

Neun: Nach dem jetzigen Modell haben wir von Jahr zu Jahr weniger Geld für Maßnahmen der Gemeinschaftswerbung. Ursprünglich lag der Werbebeitrag bei 130 Mark. Er wurde dann auf 80 Mark reduziert und bei der Einführung des Euro auf 41 Euro je Mitgliedsbetrieb festgelegt. Das bedeutet, dass sich nicht nur die sinkenden Mitgliederzahlen negativ auf das Budget der Gemeinschaftswerbung auswirken, sondern auch – seit Jahrzehnten – die Inflation. Diese Effekte haben dazu geführt, dass wir – obwohl es meiner Ansicht nach dringend nötig wäre – immer weniger Öffentlichkeitsarbeit betreiben können. Maßnahmen wie die erfolgreiche Fernsehwerbung sind heute nicht mehr möglich.

Durch die Verknüpfung des Werbe- mit dem Verbandsbeitrag werden wir die Werbegelder künftig anpassen können, wenn die Mitgliederzahlen sinken oder die Preise steigen. Damit halten wir die bereitstehenden Mittel wenigstens ab jetzt konstant. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Obermeisterkollegen diesen Weg in Hannover und Würzburg unterstützt haben. Einige haben sich sogar dafür ausgesprochen, den Werbebeitrag deutlich aufzustocken, damit wir der Werbeoffensive unserer Mitbewerber etwas entgegensetzen können. Für mich ist das ein positives Signal.

Wie wollen Sie den sinkenden Mitgliederzahlen begegnen?

Neun: Das ist sicher die größte Herausforderung, vor der unsere Organisation im Moment steht. Und alle, die uns im letzten Herbst in Saarbrücken sowie jetzt in Hannover und Würzburg gehört haben, wissen, wie ernst die Lage ist. Die Zahlen standen ja auch letzte Woche in der afz. Daher wissen Sie, dass es mit Maßnahmen zur Steigerung des Organisationsgrads nicht getan ist. Wir müssen unsere gesamte Berufsorganisation verschlanken, sie fit und flexibel machen, um sie funktionsfähig zu halten.

Wir haben ein starkes und zukunftsfestes Handwerk. Aber die Zahl der Unternehmen nimmt ab, während die verbliebenen nach wie vor eine gute Position am Markt haben. Wir müssen sicherstellen, dass sie auch in zehn oder 20 Jahren noch eine gute politische Vertretung haben. Wie nötig das ist, haben wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten erlebt. Wir müssen die Mittel, die uns die Betriebe zur Verfügung stellen, bestmöglich einsetzen, um das zu garantieren. Wir haben hierzu eine konzentrierte Diskussion begonnen, die zu einem guten Ergebnis führen muss. Viel Zeit sollten wir dabei nicht verlieren.

Welche Ideen gibt es?

Neun: Wir sind am Anfang der Debatte. Jeder ist eingeladen, nicht nur zu sagen, was alles nicht geht, sondern konstruktive Vorschläge zu machen, wie wir unser Ziel erreichen können. Selbstverständlich ist vor allem das Präsidium gefordert, gangbare Lösungen aufzuzeigen. Ein möglicher Weg könnte sein, die Betriebe und Innungen, die sich in den letzten Jahren aus der Organisation gelöst haben, über eine Direktmitgliedschaft wieder aufzufangen. Diese wird an bestimmte Auflagen gebunden und nicht kostengünstiger als eine reguläre Mitgliedschaft sein, aber sie wird sicher teilweise verhindern, dass diese Kollegen uns „verloren“ gehen.

Dieser Vorschlag wird bestimmt nicht allen gefallen.

Neun: Was eine Reform so schwierig macht, ist, dass wir seit langer Zeit eine Organisation haben, die sich großartig bewährt hat. Wir sind auf allen Ebenen im Prinzip gut aufgestellt. Es wäre wünschenswert, das alles zu erhalten. Deshalb verstehe ich gut, dass sich viele mit Veränderungen schwer tun. Aber wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass es schon heute für viele Innungen und Kreishandwerkerschaften kaum noch möglich ist, ihre Aufgaben zu erfüllen. Und es gehört zur Wahrheit dazu, dass das auch bei einigen Landesverbänden schon der Fall ist. Unterm Strich wird auch der DFV irgendwann Leistungen einschränken müssen, wenn es nicht gelingt, Mittel dafür bereitzustellen.

„Es gibt zwei Alternativen: Entweder die Beiträge steigen immer weiter an oder es gelingt uns, effizientere Strukturen zu schaffen.“
DFV-Vizepräsident Eckhart Neun
Es kann keiner wollen, dass wir auf unseren wirksamen Einfluss in Berlin und Brüssel verzichten. Es gibt nur zwei Alternativen, wenn wir die Leistungskraft der Organisation erhalten wollen: Entweder die Beiträge steigen für die verbleibenden Betriebe immer weiter oder es gelingt uns, effizientere Strukturen zu schaffen. Das muss auch den größten Skeptikern klar sein: Wir wollen nichts zerschlagen, sondern eine Entwicklung steuern, die sich ohnehin und ohne unser Zutun vollzieht. Wir müssen handeln, so lange wir noch handlungsfähig sind. Dafür stehen Präsident Dohrmann und ich, und wir wissen das ganze Präsidium und viele Landesinnungs- und Obermeister an unserer Seite.

Was werden Sie bis zum Verbandstag tun?

Ein wichtiges Gremium für meine Arbeit ist der Fachbeirat Finanzen und Organisation, denn hier sitzen die Kollegen aus den Landesinnungsverbänden (LIV). Wir werden gemeinsam erarbeiten, wie eine Berufsorganisation der Zukunft aussehen könnte, zum Beispiel, wie Dienstleistungen der LIVs gebündelt oder ausgeweitet werden können. Ich will den Kollegen nicht vorgreifen, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir verschiedene Modelle auf den Prüfstand stellen werden. Es läuft darauf hinaus, dass wir enger zusammenrücken müssen. Wir haben in Hessen seit Jahren gute Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit dem DFV, der LIV Schleswig-Holstein wird jetzt von den Hamburger Kollegen betreut und hat sich auch sonst umfassend reorganisiert.

Die große Herausforderung ist, dass wir Antworten auf die Fragen finden müssen, die mit einer Reorganisation verbunden sind: Wie stellen wir bei größeren Einheiten eine gute Betreuung vor Ort sicher? Wie können wir Dienstleistungen der Organisation flächendeckend anbieten? Wie können wir als DFV Organisationen vor Ort wirksam unterstützen? Antworten zu finden, wird nicht leicht, aber wir müssen hier ran.

Weitere Beiträge aus der Reihe das "DFV-Präsidium"

- Konrad Ammon
- Herbert Dohrmann
- Michael Durst
- Nora Seitz

Das könnte Sie auch interessieren
stats