DFV-Pressegespräch Kleine Betriebe nicht vernichten, sondern unterstützen

Mittwoch, 20. Januar 2016
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Regionale Herkunft und transparente Herstellung bei Lebensmitteln stehen bei den Deutschen und ihren gewählten Vertretern offiziell hoch im Kurs. In praxi jedoch werden die kleinen und handwerklich arbeitenden Unternehmen von der Politik beinahe systematisch benachteiligt.
Beim Pressefrühstück des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) auf der Grünen Woche machten DFV-Vizepräsident Georg Schlagbauer, Dr. Wolfgang Lutz, DFV-Geschäftsleiter für Lebensmittel- und Hygienerecht sowie der Rechtsanwalt der Organisation, Thomas A. Trettwer, auf die fatale Situation aufmerksam. Für die Moderation zeichnete DFV-Pressesprecher Gero Jentzsch verantwortlich.

„Kurzfristig verzeichnen wir keinen eklatanten Mangel an Fleischer-Fachgeschäften in Deutschland. Langfristig befürchten wir aber eine Gefahr für die Entwicklung des Fleischerhandwerks“, erklärte Metzgermeister Georg Schlagbauer das provokante Motto "Wenn der letzte Metzger im Dorf schließt, was dann?". Mit bundesweit 13.559 eigenständigen Meisterbetrieben und 9.150 weiteren Verkaufsstellen hat sich in 2015 der Rückgang der Unternehmenszahlen gegenüber den Vorjahren deutlich abgeschwächt. Dennoch ist Gefahr im Verzug. Es gibt immer mehr Geschäftsaufgaben und immer weniger Neugründungen.
„Heutzutage ist jeder Fleischermeister mehr mit Büroarbeit als mit seinen Aufgaben in der Produktion beschäftigt.“
Georg Schlagbauer, DFV-Vizepräsident und BHT-Präsident

Die wesentliche Ursache liegt in der schwierigen Betriebsnachfolge. Georg Schlagbauer machte dafür die fehlenden Rahmenbedingungen verantwortlich. Zwar bekenne sich die Politik zu Regionalität, fördere sie aber nicht und belaste in schöner Regelmäßigkeit die kleinen Handwerksbetriebe mit immer weiteren Dokumentationspflichten, sagte er. In den meisten Fällen werden die bürokratischen Vorgaben aus Brüssel in Deutschland durch die nationale Umsetzung und eine dazugehörige allgemeine Verwaltungsordnung noch verschärft.

Dr. Lutz machte es am Beispiel der Ein-Raum-Metzgerei deutlich. Das EU-Hygienepaket hatte für die in Fleischereien durchgeführte Schlachtung „genügend Räume“ vorgegeben. Hierzulande haben die Gremien noch zwei draufgesetzt und selbst für kleinste Metzgereien jeweils separate Schlacht-, Zerlege- und Produktionsräume gefordert. Die Folge waren zahlreiche Betriebsschließungen. Jetzt rudere Bundesernährungsminister Christian Schmidt zurück und deklariere diese vermeintliche Ausnahme als lobenswerten Bürokratieabbau.

DFV-Rechtsanwalt Thomas Trettwer ergänzte und verwies auf das derzeitige „Gebühren-Chaos“, das industriell herstellende Betriebe entlaste, aber kleine Fleischereien extrem überlaste. Als weitere Kritikpunkte nannte die Diskussionsrunde die steigenden Kosten für die Hygienekontrollen, die Kommunalisierung der Fleischbeschaugebühren und das mit zahlreichen Dokumentationspflichten verbundene Mindestlohngesetz.
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