Ernährung Steuern rauf, Gewicht runter

Dienstag, 14. November 2017
Herzhaftes Abendbrot: Gekochter Schinken mit Spiegelei und Salatbeilage. Wer denkt da an Salz, Cholesterin und Fett? Schließlich kommt es auf die Dosis an.
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Herzhaftes Abendbrot: Gekochter Schinken mit Spiegelei und Salatbeilage. Wer denkt da an Salz, Cholesterin und Fett? Schließlich kommt es auf die Dosis an.
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Lebensmittelampel Übergewicht Mehrwertsteuer


Studie aus Hamburg sieht in der Neuordnung der Steuersätze auf Lebensmittel ein effektives Mittel gegen das steigende Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen.

Je ungesünder, desto höher muss die Mehrwertsteuer auf ein Lebensmittel sein, um die Übergewichtswelle in Deutschland zu stoppen. Das schlägt der Ökonom Tobias Effertz in einer Studie vor, die er im Auftrag unter anderem der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Uni Kiel erstellt hat.

Der Preis habe in der Tat direkten Einfluss auf die Ernährung, meint auch der Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner. Er untermauert das mit der Erfahrung in der US-Stadt Berkeley. Nach Einführung einer Strafsteuer von umgerechnet 31 Cent pro Liter auf Softdrinks sei der Absatz um 21 Prozent zurückgegangen. Zudem änderten Hersteller nach Steueranpassungen häufig ihre Rezepturen und reduzierten dabei Fett und Zucker, so Hauner.

Konkret hatte Effertz in seiner Arbeit mehrere Steuerszenarien durchgespielt und dabei die „Ampel plus“ als die vielversprechendste Variante identifiziert: Obst und Gemüse werden mit der Ampelfarbe Grün beurteilt, die Mehrwertsteuer entfällt. Normale Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch bekommen Gelb und werden mit sieben Prozent besteuert. Rot erhalten Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten. Hier wird ein Steuersatz von 19 Prozent fällig.

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Zusätzlich könnten der Steuersatz für die besonders gesundheitsschädlichen Softdrinks wie Cola oder Fanta von heute 19 auf 29 Prozent erhöht werden, schlägt der Autor vor.

Seiner Meinung nach ließe sich aber auch schon mit der Minimallösung – Obst und Gemüse null Prozent Mehrwertsteuer, alles andere 19 Prozent – ein beachtlicher Effekt erzielen.

Die "gesunde Mehrwertsteuer" negiert den mündigen Verbraucher, finden hingegen die Branchenverbände der Lebensmittelwirtschaft, BLL und BVE. In einer Pressemitteilung beurteilen sie den Vorschlag der Verbände als "reine Bevormundung vor allem sozial benachteiligter Menschen, die auf Transferleistungen angewiesen sind".

Außerdem sei die simplifizierende Einteilung der Nährstoffe in "gesund" und "ungesund" wissenschaftlich nicht zielführend und diskriminierend. Nicht nur eine unausgewogene Ernährung, sondern vor allem  Bewegungsmangel, soziale Faktoren wie Stress und die Genetik spielten eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Übergewicht.

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