Fachkräftesicherung EU rührt Meisterbrief nicht an

Freitag, 07. April 2017
Die EU-Kommission rührt den Meisterbrief nicht an.
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Die EU-Kommission rührt den Meisterbrief nicht an.
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Meisterbrief


Entgegen anderslautender Behauptungen will die EU-Kommission den deutschen Meisterbrief nicht abschaffen. Das hat der Vertreter der EU-Kommission in Deutschland, Richard Kühnel, in der vergangenen Woche klargestellt.

„Die Berufszugangsvoraussetzungen bleiben nationale Kompetenz“, betonte Kühnel in einer Medienmitteilung. So stehe es Deutschland weiterhin frei, die Spielregeln für Anbieter von Dienstleistungen festzulegen und zu kontrollieren, wer Zugang zum deutschen Markt bekommt. „Deutschland hat wie alle anderen Mitgliedstaaten immer wieder auf europäischer Ebene gefordert, dass wir in Europa einen leistungsstarken Dienstleistungssektor schaffen“, erinnerte der Kommissionsvertreter. Das von der EU-Kommission vorgelegte Dienstleistungspaket diene genau diesem Zweck.

„Die Kommission rührt den Meisterbrief nicht an“, machte der Österreicher klar. „Wir wollen vielmehr deutschen und anderen europäischen Unternehmen und Freiberuflern die Chance bieten, Dienstleistungen für einen potenziellen Kundenkreis von 500 Millionen Menschen EU-weit anzubieten.“ Das sei gerade für kleine und mittlere Unternehmen wichtig, für die die administrativen Hürden kostspielig und schwer zu überwinden sind.

Auf die Diskussion um den deutschen Meisterbrief hatte das Fleischerhandwerk in Europa mit Empörung und Unverständnis reagiert. Wo der Titel zum traditionellen Berufsbild dazugehört, wollten ihn die Handwerker als Qualitätssiegel und Anreiz für die handwerkliche Ausbildung mit allen Mitteln sichern. Sie können aufatmen.

In ihren Reformempfehlungen für den Dienstleitungssektor hatte die EU-Kommission sieben Berufe untersucht: Architekten, Ingenieure, Rechtsanwälte, Patentanwälte, Buchhalter und Steuerberater, Immobilienmakler und Fremdenführer. Die Mitgliedstaaten sollten prüfen, ob die für diese freien Berufe geltenden Auflagen die von ihnen erklärten nationalen politischen Ziele erfüllen. Handwerksberufe sind von diesen Empfehlungen also nicht betroffen.

Auch von der empfohlenen Modernisierung des Verhältnismäßigkeitstests der nationalen Vorschriften für reglementierte Berufe sind lediglich neue beschränkende Reglungen erfasst.

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