Ferkelkastration Den vierten Weg ebnen

Mittwoch, 15. März 2017
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Der sogenannte vierte Weg bietet eine praktikable Lösung für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration, insbesondere für Süddeutschland. Forschung ist aber nötig. Bei der Bundesregierung wollen die Verbände der Landwirtschaft, der Vermarkter und der Schlachtstufe in Süddeutschland jetzt Hilfe einfordern.

Mit der geplanten Herriedener Erklärung wollen die Interessensvertretungen die Bundesregierung an ein Versprechen erinnern. Diese hatte zuletzt Ende 2016 in ihrem Bericht zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration zugesagt, die Entwicklung solcher Verfahren zu unterstützen.

Aufgrund der speziellen kleinteiligen Struktur steht in Süddeutschland mit dem Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration ein regelrechter Strukturbruch zu befürchten. Das wurde bei der gemeinsamen Veranstaltung der Ringgemeinschaft Bayern und der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) im mittelfränkischen Herrieden am Dienstag dieser Woche deutlich. Denn die chirurgische Kastration wird aufgrund der speziellen Gegebenheiten auf Erzeuger- wie auch auf Abnehmerseite auch nach 2019 nötig sein.

Die Vertreter der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette waren sich einig: Für die Ferkekastration ab 2019 gilt es den "vierten Weg" zu pushen.
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Die Vertreter der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette waren sich einig: Für die Ferkekastration ab 2019 gilt es den "vierten Weg" zu pushen.
Als praktikable Lösung hatte zuletzt der Bayerische Bauernverband (BBV) unter anderem gemeinsam mit dem Fleischerverband Bayern den so genannten vierten Weg ins Gespräch gebracht: die Kastration unter lokaler Betäubung. Juristisch scheint das möglich.

Die Verwendung des Lokalanästhetikums Procain ist für den Nutztierbereich zugelassen, steht aber bislang unter dem Vorbehalt, dass es nur von einem Tierarzt angewendet werden darf. Der ebenfalls lokal applizierte Lidocain wäre sogar noch wirksamer, ist bislang aber nur für Haustiere wie Hunde, Katzen und Pferde zugelassen. Forschung ist also nötig, um diesen Weg für die Zukunft der Ferkelkastration zu ebnen. Ziel ist es, dass auch der Landwirt - nach spezieller Schulung - die lokale Betäubung und die anschließende chirurgische Kastration ausführen darf. Alles andere wäre zu teuer.

Bei der Veranstaltung in Herrieden entstand unter den Vertretern der Ferkelerzeuger, der Vermarkter ebenso wie der Schlachtstufe Konsens darüber, dass man sich zwar alle Wege für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration offen halten muss. Die lokale Betäubung schien aber gerade für Süddeutschland die erfolgversprechendste, wenn die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Allein die Tierärzte gilt es noch vom Wegfall des Tierarztvorbehalts beim Einsatz von Procain oder Lidocain zu überzeugen.

In ihrem jüngsten Bericht zum Stand der Entwicklung alternativer Verfahren und Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration aus dem Dezember 2016 hatte die Bundesregierung angekündigt, erfolgversprechende Wege wolle sie mit Forschungsmitteln unterstützen. An diese Zusage wollen die Verbände nun erinnern und hierzu eine entsprechende „Herriedener Erklärung“ formulieren.

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