Haltungssysteme Neue Wege in der Tierhaltung

Mittwoch, 01. April 2015
Foto: jus

Einen weitergehenden Umbau der Tierhaltung in Deutschland hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik jetzt beim Berliner Bundeslandwirtschaftsministerium eingefordert.

In einem gut 400-seitigen Gutachten bezeichnen die Wissenschaftler die derzeitigen Haltungsbedingungen als nicht zukunftsfähig. Sie begründen dies mit fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz und einem hohen Risiko für Tierleid in gängigen Haltungssystemen.



Die Mehrkosten für notwendige Anpassungen veranschlagt der Beirat auf 13 bis 23 Prozent der jährlichen Produktionskosten. Dies entspricht einer Summe von drei bis fünf Milliarden Euro. Aufgebracht werden sollen diese Mittel von Staat, Konsumenten und Wirtschaft. Der Beirat empfiehlt unter anderem ein Bundesprogramm Tierwohl und ein mehrstufiges staatliches Tierschutzlabel. Gefordert werden eindeutigere und zusätzliche gesetzliche Mindeststandards sowie Prämien und Kompensationszahlungen. Lob findet die Brancheninitiative Tierwohl, wenngleich ihre finanzielle Ausstattung viel zu gering sei. Für nicht zielführend halten die Wissenschaftler eine Fokussierung der gesellschaftlichen Diskussion auf die Rolle der Betriebsgröße.

Dr. Heike Harstick vom Verband der Fleischwirtschaft (VDF) hielt dem Beirat vor, er habe keine neutrale wissenschaftliche Analyse vorgelegt, sondern sich von Werturteilen leiten lassen. Die Hauptgeschäftsführerin vermisst insbesondere ein geeignetes Referenzsystem, das den Vorwurf der erheblichen Defizite in der Nutztierhaltung rechtfertige. Dennoch sei das Gutachten „eine gute Basis für die weitere Debatte".
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