Kluft zwischen Ruf und Realität

Mittwoch, 22. Oktober 2014
Foto: feu

Dass sogar noch weit mehr als die Strategie der neuen Nachwuchswerbung in der dazu formulierten Aussage des Mottos „Das Fleischerhandwerk – Anders als Du denkst“ steckt, verdeutlichte Präsident Heinz-Werner Süss bei der Matinee des Fleischer-Verbandstags.

Das Motto soll die Stärke in der Regionalität ebenso markieren wie den Unterschied zum Lebensmitteleinzelhandel. Und es soll die berechtigten Anliegen eines Berufsstands unterstreichen, der nicht nach Subventionen schreit, sondern faire Rahmenbedingungen einfordert.

Anderssein gilt auf vielen Ebenen

Die erweiterte Interpretation richtete der DFV-Präsident vor allem an die Adresse des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, den Festredner bei der Auftaktveranstaltung des diesjährigen Verbandstags in Frankfurt. Doch zuvor erläuterte Süss die Zielsetzung der Nachwuchswerbung unter dem Slogan, der zugleich als Tagungsmotto 2014 diente.

„Um für unsere Berufe zu werben, brauchen wir keine Schönfärberei. Es genügt, wenn es uns gelingt, ein realistisches Bild unserer Arbeitswelt zu zeigen“, betonte er und nannte als Stichworte: modern, kreativ, vielfältig und mit vielen Möglichkeiten zu gestalten und anzupacken. Weil das vielfach noch negative Image der Berufe sich in steigendem Maß mit Informationen verbessere, bereite der Slogan den Weg zur Korrektur.

„Echte“ Regionalität stärken

Süss würdigte das Engagement des zuständigen Bundesministers bei der Regionalität, verlangte aber eine gezielte Unterstützung der „echten“ Regionalität – die Stärkung der ländlichen Räume und ihrer funktionierenden Strukturen: bäuerliche Landwirtschaft, regionale Schlachtstätten und leistungsfähiges Lebensmittelhandwerk.

Um diese bewährten Strukturen zu erhalten, brauche es keine Staatswirtschaft und keine teuren Subventionen, sondern faire Rahmenbedingungen und richtige politische Entscheidungen.

Am Beispiel Gebühren und Umlagen prangerte der Präsident grobe Fehlleistungen der Politik an, die – wie die EEG-Umlage – kleine Unternehmen gegenüber den großen benachteiligen. Dasselbe gelte für die Kosten bei Fleischuntersuchung, Hygienekontrollen und Entsorgung: „Immer wieder sind die Gebühren für uns Handwerker höher als für Industriebetriebe. Hier wird Strukturpolitik gemacht, aber nicht für, sondern gegen die Region. Das muss aufhören“, mahnte Süss.
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