Rücktritt Schlagbauer Paukenschlag in Bayern

Dienstag, 14. Juni 2016
Georg Schlagbauer trat vergangene Woche überraschend von allen seinen Ämtern zurück. Hintergrund sind offenbar Drogen und Kontakte ins Rotlichtmilieu.
Foto: LIV
Georg Schlagbauer trat vergangene Woche überraschend von allen seinen Ämtern zurück. Hintergrund sind offenbar Drogen und Kontakte ins Rotlichtmilieu.
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Georg Schlagbauer Konrad Ammon DFV Landesinnungsverband


Die Nachricht vom Rücktritt Georg Schlagbauers schlug ein wie eine Bombe. Verbandsarbeit in Frankfurt und Augsburg nicht beeinträchtigt. Ammon kandidiert als Nachfolger im Landesinnungsverband.

Am Donnerstag vergangener Woche sendete sein Anwalt eine knappe Erklärung, dass sein Mandant aus „dringenden gesundheitlichen und familiären Gründen“ von allen seinen öffentlichen Ämtern zurücktritt. Es folgten Schlagzeilen in den Medien, die von Drogenkonsum, Bordellbesuchen sowie Schulden bei einer Prostituierten in fünfstelliger Höhe berichteten.

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte, dass eine Selbstanzeige Schlagbauers den Anstoß für Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben habe. Offenbar hatten Recherchen eines Münchner Boulevardblatts den CSU-Politiker zu diesem Schritt gezwungen, zur Flucht nach vorn. Die politischen Weggefährten Schlagbauers in München zeigten sich vollkommen überrascht von den Entwicklungen. Ihm und seiner Arbeit sei nichts anzumerken gewesen.

Schlagbauer hatte in den letzten Jahren eine Blitzkarriere hingelegt: 1999 in der Landeshauptstadt zu einem der jüngsten Obermeister in Bayern gewählt, folgte Posten auf Posten. Er war einer der wenigen Handwerker im Münchner Stadtrat, stand seit 2014 an der Spitze der Handwerkskammer für Oberbayern und des Bayerischen Handwerkstags (BHT). Und man traute ihm noch einiges zu. Zuletzt wurde er als aussichtsreicher Kandidat für die CSU bei der nächsten Landtagswahl gehandelt.

Die Fleischerverbände traf die Erklärung und die Nachricht vom vermeintlichen Doppelleben Schlagbauers wie aus heiterem Himmel. Die Geschäftsstellen in Augsburg und Frankfurt teilten mit, wie sehr sie die Entwicklungen bedauerten. Der Fleischerverband Bayern hob die Verdienste Schlagbauers während seiner Amtszeit als Landesinnungsmeister hervor und betonte seine menschlichen Qualitäten, die es ihm erlaubten, auch in Konfliktsituationen die Mitglieder eher zusammenzuführen als zu spalten. Auch der DFV dankte dem ehemaligen Präsidiumsmitglied für die geleistete Arbeit. Georg Schlagbauer persönlich wünschten LIV und DFV unisono die nötige Kraft, diese Krise durchzustehen und seine Angelegenheiten zu regeln.

Die Karriere Georg Schlagbauers

Schlagbauer absolvierte nach dem Gymnasium eine Ausbildung als Metzger. 1995 schloss er die Meisterprüfung erfolgreich ab. +++ Seit 1999 ist er in der dritten Generation im Metzgerhandwerk selbstständig. Im selben Jahr wurde er zum Obermeister der Innung München Stadt gewählt. +++ 2002 fusionierten die Metzgerinnungen München Stadt und München Land, auch hier übernahm er das Spitzenamt. +++ 2008 wurde Schlagbauer zum Stadtrat der Landeshauptstadt München gewählt. +++ Seit 2011 war er Landesinnungsmeister des bayerischen Fleischerhandwerks sowie Vizepräsident des Deutschen Fleischer-Verbands(DFV). +++ 2014 wurde Schlagbauer zum Präsidenten der Handwerkskammer für München und Oberbayern und des Bayerischen Handwerkstags (BHT) gewählt. Außerdem war er „Wiesn-Stadtrat“ der Landeshauptstadt München.
Auf beiden Ebenen – im Land wie im Bund – sind die Geschäfte vorläufig geregelt, die Verbandsarbeit wurde durch den Rückzug des Münchners nicht beeinträchtigt. Im Landesinnungsverband Bayern übernahm Stellvertreter Konrad Ammon jun. (Fürth) kommissarisch zusammen mit Hauptgeschäftsführer Rainer Hechinger die Aufgaben Schlagbauers. Der Vorstand traf sich gleich am Wochenende zu einer außerordentlichen Sitzung in Augsburg. Am 20.Juli ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Neuwahl in Augsburg anberaumt. Die Vorstandsmitglieder beschlossen einstimmig, dass Ammon dann für das Amt des Landesinnungsmeisters kandidiert, als sein Stellvertreter Werner Braun (Dachau).

Schlagbauers Aufgaben im Deutschen Fleischer-Verband (DFV) übernimmt vorläufig Präsident Heinz-Werner Süss zusammen mit den weiteren Präsidiumsmitgliedern. Diese Regelung gilt bis zum Fleischerverbandstag im Oktober in Saarbrücken. Dann stehen turnusmäßige Wahlen an, die das Gremium wieder komplettieren.

Mit dem Rückzug Schlagbauers verliert das Fleischerhandwerk einen wichtigen Mitstreiter auf dem politischen Parkett. Seine hohen Ämter in der Handwerksorganisation verschafften den Metzgern zuletzt Gehör bis hinauf an die Schlüsselstellen in den Ministerien und der Münchner Staatskanzlei. In seine Amtszeit fällt eine zunehmende Vernetzung der berufsständischen Organisationen, um gemeinsam mit stärkerer Stimme zu sprechen.

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