Därme & Hüllen Druck zeigt die Herkunft

Donnerstag, 14. Januar 2016
Foto: hof
Themenseiten zu diesem Artikel:

Moorweghof


Der Schriftzug auf der Wurst zeigt den Kunden des Moorweghofs in Königsmoor, dass die Spezialitäten selbst hergestellt und nicht zugekauft wurden. Mehr als 70 Sorten umfasst das Sortiment.

Donnerstags ist Hoftag auf dem Moorweghof nördlich von Bremen. Dann steht der lange Marktwagen auf dem Platz zwischen Schlachthaus und Wartestall. Donnerstag ist gleichzeitig Tag der offenen Tür. „Besucher können in alle Ställe hineinsehen und sich selbst davon überzeugen, wie wir die Tiere halten“, sagt Fleischermeister und Kaufmann Carsten Dreßler. Den Hoftag empfiehlt er ganz besonders den Kunden, die wissen wollen, woher die Wurst kommt. Es sind die typischen Fragen am Fleischertresen: „Stellen Sie die Würste alle selbst her? Wo kommen die Tiere her? Wie werden sie gehalten?“

„Wir leben vom Vertrauen der Kunden“, hebt Carsten Dreßler hervor. Und für dieses Vertrauen tut er viel. Dazu gehören die direkte und die indirekte Verbraucherkommunikation. Moorweghof steht auf den Därmen der Würste, die in Kunsthüllen abgefüllt werden. Der Schriftzug ist schräg aufgedruckt und doppelt, so dass er von beiden Enden zu lesen ist. „Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung“ lautet die Unterzeile. Sie garantiert: Kein einziges Produkt im Fleisch- und Wursttresen wird zugekauft. Als Beweis dienen die bedruckten Därme. „Es wäre ein Fehler, die gleiche Wurst anzubieten wie der Supermarkt“, sagt Dreßler. Die Kunden bemerken das am Aufdruck auf dem Darm.

80 Prozent der Würste werden mit einem durchschnittlichen Gewicht von 350 Gramm stückweise verkauft. Diese Produkte werben mit ihrem bedruckten Darm für den Moorweghof.
Foto: hof
80 Prozent der Würste werden mit einem durchschnittlichen Gewicht von 350 Gramm stückweise verkauft. Diese Produkte werben mit ihrem bedruckten Darm für den Moorweghof.
20 Kilometer Därme verarbeitet Dreßlers Betrieb im Jahr, die Hälfte sind bedruckte Kunsthüllen, die andere Hälfte Naturdärme. Selbst hergestellt, das gilt für das gesamte Sortiment, ohne Ausnahme. Auch die Deckel der Kunststoffbecher, in die Salate abgefüllt werden, sind mit dem Schriftzug Moorweghof und „Fleisch und Wurst aus artgerechter Tierhaltung“ gekennzeichnet.

Der Fleischermeister hat einen Flyer drucken lassen, der ausführlich auf die Haltungsbedingungen seiner Tiere eingeht. Er erklärt zum Beispiel, wie der Moorweghof Tierschutz gewährleistet und dass der Transportweg zum Schlachten nur 50 Meter beträgt. Der Flyer beschreibt die Ställe und erklärt, wann und wie Medikamente verabreicht werden – nicht vorbeugend und nur vom Tierarzt.

Seinen Hof hat Carsten Dreßler 1992 auf der grünen Wiese gegründet. Bis 2009 lief der Betrieb nebenbei, denn der Fleischermeister war in leitender Position für große Unternehmen der Branche tätig. Er arbeitete in der Produktentwicklung und brachte Schlachthöfe auf Vordermann. Es hätte so weitergehen können. Doch dann kam der Zeitpunkt, an dem er feststellte, dass er seine berufliche Zukunft selbst in die Hand nehmen muss.
Innenansicht des Fachgeschäfts.
Foto: hof
Innenansicht des Fachgeschäfts.
Der Moorweghof ist eine Landwirtschaft mit Schlachtbetrieb oder andersrum, wie man es sehen möge. Neben Carsten Dreßler, seiner Frau Felicitas und seinem Sohn Florian arbeiten hier noch 14 Mitarbeiter. Drei sind in der Landwirtschaft beschäftigt, drei in der Produktion, eine Kollegin in der Verwaltung und die anderen im Verkauf. Bewirtschaftet werden 400 Hektar, überwiegend Grünland für die 400 Rinder – mit Aufzucht – und 100 Mutterschafe. Auf 80 Hektar wird Futter angebaut, überwiegend Kartoffeln, Getreide und Erbsen für die Schweine. 3.000 Schweine zieht Dreßler auf, mästet und verarbeitet sie. Auch 300 Hähnchen-Stallplätze besitzt der Moorweghof, in der Saison auch Puten, Gänse und Enten. Dreßlers nächstes Ziel ist die autarke Versorgung mit Futter. Zehn Prozent – überwiegend Eiweißfutter – kauft er derzeit noch zu. In fünf Jahren möchte er unabhängig sein. Alle Tiere vom Moorweghof werden selbst gemästet, geschlachtet und verarbeitet.

72 Sorten Wurst – darunter Corned Beef, Rindermettwurst und Rindersaftschinken – produzieren die vier Mitarbeiter jede Woche in der modernen Fleischerei auf dem Hof. Vor kurzem wurde die Produktionsfläche von 280 Quadratmeter auf jetzt 500 Quadratmeter fast verdoppelt. Der Betrieb wächst jährlich um zehn Prozent. Derzeit stockt Carsten Dreßler seine Mutterkuhherde auf, weil er in zwei Jahren 20 Prozent mehr Rinder vermarkten will.

Auf Platz eins der beliebtesten Produkte stehen die Wiener Würstchen. Es folgen Moorfrühstück (gekochtes Mett in Glas und Darm) und Hausmacher Mettwurst. 80 Prozent der Würste werden stückweise mit einem durchschnittlichen Gewicht von 350 Gramm verkauft. Diese Produkte werben durch ihren bedruckten Darm für den Moorweghof.

Auch die Vermarktung behält der Fleischermeister in eigenen Händen. Zwei Marktwagen sind auf neun Märkten unterwegs. Hackfleisch wird stets frisch vor den Augen der Kunden hergestellt und ist ein besonders gut laufender Artikel. Etwa 60 Kilogramm werden an einem Wochenmarkttag verkauft. Die beiden Wagen sind aber auch ausgestattet mit allem, was das Arbeiten angenehm macht, zum Beispiel mit einem ausfahrbaren Tresen, der einen breiten Arbeitsgang ermöglicht und sogar mit beheizten Arbeitskanten. „Das ist besonders im Winter komfortabel“, begründet Dreßler. Das wirkt positiv auf das Wohlgefühl und die Stimmung der Verkäuferinnen. „Freundliche Mitarbeiter sind das A und O“, betont der Fleischermeister.

Neben den beiden Marktfahrzeugen sind zwei Imbisswagen auf Feuerwehrfesten und anderen Veranstaltungen in der Umgebung unterwegs. Und seit wenigen Wochen besitzt der Moorweghof eine neue Filiale. Sie ist gemeinsam unter einem Dach mit einer Bäckerei. Die Fleischerei bietet Sitzplätze, und es gibt eine Heiße Theke. Beliebt ist das Frühstück. „Manche holen sich vom Bäcker Brötchen und lassen sie sich hier in der Fleischerei belegen“, sagt Florian Dreßler. Praktischerweise sind Bäcker- und Fleischerei-Verkaufsraum durch eine Tür verbunden.
Junior Florian Dreßler
Foto: hof
Junior Florian Dreßler
Eigentlich fehlen in dem Neubau nur noch Obst und Gemüse, dann wäre das Lebensmittelsortiment vollständig. Die Moorweghof-Filiale führt auch ein Sortiment an Weinen, Trockenprodukte sowie Milch und Butter. Käse wird in einem eigenen Tresensegment präsentiert. In einer Schrankvitrine werden die ganzen und halben Leibe aufbewahrt. Zwischen Käse und Wurst liegt ein Salatrondell, das 14 Varianten umfasst und die lange, gerade Tresenfront aufbricht.

Fleisch und Fleischwaren sind ganz rechts platziert, auf dem kürzesten Weg vom Eingang zur Theke. Burgunderbraten sind heute im Angebot, Rinderschmorbraten und Würstchen. „Wir werben mit den Angeboten im Wochenblatt“, erklärt Carsten Dreßler. Das ist seine einzige Anzeigenwerbung, der Rest sind Mund-zu-Mund-Propaganda und das Hoffest, das alle zwei Jahre stattfindet und 3.000 Besucher anzieht. Dann kommen auch die Kunden, die Carsten Dreßler durch Qualität, Transparenz und Vertrauen wieder für Fleisch und Wurst begeistern konnte: junge Familien mit Kindern. Er weist auf einen Spruch, der oben auf dem Wochenmarktwagen geschrieben ist. Er hat ihn bei Deutschlands großem Humoristen Loriot entlehnt, ihn abgewandelt und er kommt aus tiefer Überzeugung: „Ein Leben ohne Wurst ist möglich, aber sinnlos.“

Der Moorweghof bei Facebook.

Das könnte Sie auch interessieren
stats