IFFA 2016 Produktgenau kennzeichnen

Montag, 25. April 2016
Jede Packung ist mit den jeweiligen Daten gekennzeichnet.
Foto: Multivac
Jede Packung ist mit den jeweiligen Daten gekennzeichnet.

Bei der Verpackung von Lebensmitteln wird die Rückverfolgung immer wichtiger: Damit die Herkunft eines Produktes bei Bedarf lückenlos nachvollzogen werden kann, müssen die Packungen chargengenau gekennzeichnet werden.

Von Michael Reffke

Bei bestimmten Produkten, etwa Frischfleisch, ist sogar eine individuelle Kennzeichnung erforderlich. Damit die richtigen Daten auf das richtige Produkt gelangen, bedarf es eines perfekten Zusammenspiels von Verpackungsmaschinen, Druckern, Etikettierern und Datenverarbeitung.

Mit der Lebensmittelinformations-Verordnung, die seit Dezember 2014 gültig ist, hat sich der Informationsgehalt von Etiketten und anderer Kennzeichnungsformen noch einmal deutlich erweitert, z.B. hinsichtlich der Angaben zum Ursprungsland des Lebensmittels oder im Bereich der Allergenkennzeichnung. Seit April 2015 gilt zudem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für unverarbeitetes vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch. Bislang galt diese Regelung nur für unverarbeitetes Rindfleisch.

Für den Konfektionier- und Verpackungsprozess bedeutet das, dass sämtliche Daten, die über den agrarindustriellen Produktionsprozess hinweg aufgezeichnet wurden, erfasst, an die Verpackungsmaschine übergeben und dann auf die einzelnen Packungen aufgebracht werden. Diese Informationen werden auch an den Verbraucher weitergegeben.

Damit die einzelne Verpackung bzw. deren Etikett tatsächlich die richtigen Daten zum jeweiligen Produkt enthalten, bedarf es eines perfekten Zusammenspiels zwischen den eingesetzten Maschinen und der Datenverarbeitung: Die größte Herausforderung bei der chargengenauen Kennzeichnung von Produkten ist die Kommunikation zwischen den Prozessschritten Einscannen der Daten und Abspeichern in der Produktionsdatenbank, Verpacken, Etikettieren und Drucken. Hierzu ist eine Steuerungstechnik notwendig, die den Datenaustausch zwischen den einzelnen Modulen gewährleistet.

Da auf einer Verpackungslinie verschiedene Chargen in kurzen Abständen verarbeitet werden, das heißt im Einlegebereich wird eine neue Charge eingelegt, während die vorherige Charge versiegelt bzw. etikettiert wird, muss die Streckensteuerung die entsprechenden Daten taktgenau mitführen. Dies erhöht die Komplexität von Rückverfolgungslösungen.

Rückverfolgung auf Einzelproduktebene

Multivac hat sich dieser Herausforderung gestellt und ein Lösungskonzept für die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Tiefziehverpackungen bis auf Einzelproduktebene entwickelt. Technisch spielen dabei zwei Konstruktionsprinzipien eine Rolle: Zum einen wurden die Etikettenspender des Querbahnetikettierers mit einem Druckmodul ausgerüstet, das direkt an der Spendekante montiert ist. Damit wird das Etikett unmittelbar nach der Bedruckung auf die Packung gespendet und nicht, wie bei anderen Drucklösungen, im Vorlauf mitgeführt.

Zum anderen ist die Bedienung der Querbahnetikettierer in die Steuerung der Tiefziehverpackungsmaschine integriert. Damit kann das Bedienpersonal Verpackungsmaschine, Etikettier- und Drucksystem über eine einzige Bedienlogik zentral steuern. Dabei werden die eingescannten Chargendaten über die IPC-06-Maschinensteuerung der Verpackungsmaschine erfasst und verarbeitet. Am Bedienterminal werden sie für den Bediener übersichtlich visualisiert.
Nicht gefüllte Packungen werden von Sensoren erkannt und anschließend nicht etikettiert.
Foto: Multivac
Nicht gefüllte Packungen werden von Sensoren erkannt und anschließend nicht etikettiert.
Das HMI 2.0 von Multivac stellt den kompletten Verpackungsprozess animiert dar. Damit ist es Bedienoberfläche und Kontrollterminal zugleich. Laufend werden Standardinformationen über den Produktionsauftrag angezeigt und als Statusinformationen mitgeführt. Dazu gehören unter anderem die Anzahl der fertigen Verpackungen, die Taktrate der Maschine, die Restmenge der Oberfolie oder auch die Anzahl der fehlerhaften ausgeschleusten Verpackungen. Die intuitive Bedienerführung versetzt auch weniger technikaffine und nicht speziell angelernte Personen in die Lage, die Steuerung von komplexen Verpackungs- und Kennzeichnungslösungen in kürzester Zeit zu übernehmen. Denn je sicherer sich die Mitarbeiter bei der Maschinenbedienung fühlen, desto höher sind erfahrungsgemäß die Prozesssicherheit und die Packungsqualität.

Praxisbeispiel Fleischverarbeitung

In der Praxis sieht die steuerungstechnische Integration von Verpackungsmaschine und Etikettiersystem folgendermaßen aus: Angenommen, ein Schlachtbetrieb beliefert einen verarbeitenden Betrieb mit frischem Rindfleisch. Das Fleisch wird dort zunächst mit einem Wareneingangsetikett versehen, das die Herkunftsangaben des Schlachtbetriebs in Form eines Barcodes oder eines 2D-Codes enthält. Vor dem Verpacken werden die spezifischen Chargendaten der Lieferung über einen Scanner in die Steuerung der Tiefziehverpackungsmaschine eingelesen. Dabei gibt die Streckensteuerung der Verpackungsmaschine den Daten eine eindeutige ID-Nummer (Scan-ID) mit.

Die Streckensteuerung der Tiefziehverpackungsmaschine führt die Daten des Scans und die Scan-ID bei der Verpackung des Fleisches taktgenau mit: Die Streckensteuerung weiß genau, welche Packung mit welchem Inhalt sich gerade an welcher Stelle des Verpackungsprozesses befindet. Diese Daten werden an die Steuerung des Querbahnetikettierers weitergeleitet. Auch die Anbindung an eine externe Datenverarbeitung, wie zum Beispiel ein ERP-System, eine Datenbank oder ein Layoutprogramm, ist über die Steuerung möglich.

Nach Empfang der Druckdaten sorgt die Steuerung des Etikettierers dafür, dass im Drucker das richtige Drucklayout für die aktuelle Charge geladen wird. Variable Felder werden anhand der eingescannten Daten automatisch ausgefüllt. Gleichzeitig kann der Etikettierer die Daten für den Verbraucher aufbereiten, das heißt, was als Barcode verschlüsselt war, kann in Klartext auf das Etikett gedruckt werden.

Mehr Prozesssicherheit: „No Product, No Label“

Das an der Spendekante des Etikettierers montierte Druckmodul bedruckt das Etikett, welches dann unmittelbar über den Applikator des Etikettierers auf die Packung aufgebracht wird. Welche Packung sich an welcher Stelle des Verpackungsprozesses befindet, wird von der Streckensteuerung der Verpackungsmaschine verfolgt. Dabei werden unbefüllte Packungen über eine Leerpackungsüberwachung detektiert. Diese Information wird an das Etikettiersystem weitergegeben. Damit wird sichergestellt, dass leere Packungen nicht etikettiert werden.

Die Querbahnetikettierer von Multivac Marking & Inspection mit der Funktionalität „Track-and-Trace“ sind auf Anwendungsfälle ausgelegt, die eine individuelle Kennzeichnung des jeweiligen Produkts erforderlich machen. Dazu gehören neben der Herkunftskennzeichnung von Fleisch beispielsweise auch die Produktverfolgung entlang einer Logistikkette, die Kennzeichnung von Humanimplantaten oder Serialisierungslösungen im Markenschutz. Die Kennzeichnungssysteme sorgen dafür, dass jede Packung mit der richtigen Information bedruckt wird.

Der Autor

Michael Reffke ist seit 2010 Produktmanager Kennzeichnungstechnik bei Multivac Marking & Inspection. Der Elektrotechniker mit Schwerpunkt Informationsverarbeitung war zuvor Entwicklungsingenieur, technische Vertriebsingenieur, Produktmanager und Business Development Manager bei SEH Computertechnik GmbH in Bielefeld.
Multivac bietet Komplettlösungen für die Rückverfolgung im Bereich Tiefziehverpacken an: Sie bestehen aus einer Tiefziehverpackungsmaschine, einem oder mehreren Querbahnetikettierern, einem Scanner zum Erfassen der chargenbezogenen Daten sowie gegebenenfalls Inspektionssystemen. Dabei sind alle Module steuerungstechnisch miteinander verbunden, wodurch der Verpackungsprozess besonders effizient und sicher wird.

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