Karriere im Fleischerhandwerk Wurstküche statt Zahnarztpraxis

Freitag, 06. Juli 2018
Couragiert und wissbegierig: Daniela Metzler hat den Zahntechnikerkittel gegen die Stechschutzschürze getauscht.
Foto: Barbara Baur
Couragiert und wissbegierig: Daniela Metzler hat den Zahntechnikerkittel gegen die Stechschutzschürze getauscht.
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Daniela Metzler Fleischerhandwerk


Die Zahntechnikerin aus Altshausen heiratete in eine Familie aus dem Fleischerhandwerk ein. Kurzerhand entschloss sie sich ihr Karriereziele neu auszurichten.

Daniela Metzler ist eine wissbegierige und zugleich begeisterungsfähige junge Frau. Und sie gibt sich ungern mit halben Sachen zufrieden. Deshalb stand für die gelernte Zahntechnikerin völlig außer Frage, nach der Hochzeit mit ihrem Mann Tobias in dessen Familienbetrieb in Altshausen im nördlichen Landkreis Ravensburg mitzuarbeiten: zunächst ohne exakte Kenntnisse der Materie. „Die Branche hat mich zwar schon immer begleitet – mein Vater arbeitete als angestellter Fleischer und meine Mutter als Fleischerei-Fachverkäuferin“, schickt die 26-Jährige voraus. Aber sie wollte den kompletten Prozess von der Anlieferung der Tiere über deren Schlachtung und Zerlegung bis hin zur Wurstproduktion und den Verkauf selbst und genau kennenlernen.

Vor dem Start ihrer Fleischerlehre hieß es Abschied nehmen vom ursprünglich erlernten Beruf. Die Zahntechnikerausbildung hatte Daniela Metzler nach dem Abitur erfolgreich und mit Lehrzeitverkürzung abgeschlossen. Und dann kam die Liebe dazwischen: Sie lernte ihren späteren Ehepartner kennen und legte ihren Plan ad acta, an die Lehre ein Zahnmedizinstudium anzuschließen. Sie erinnert sich: „Die Zeit zwischen Aufhören und Neubeginn war schwer.“ Viele Freunde und Menschen aus dem näheren Umfeld brachten ihre Bedenken vor, als sie von den Zukunftsplänen hörten. Wenn man Abi hat, muss man doch studieren, lautete oft der Tenor. Die junge Frau ließ sich nicht beirren.

„Ich habe mich bewusst gegen eine Verkaufsausbildung entschieden, wollte alle Arbeitsabläufe von Anfang an verstehen.“
Daniela Metzler
„Ich habe mich bewusst gegen eine Verkaufsausbildung entschieden, weil ich alle Arbeitsabläufe von Anfang an verstehen wollte“, begründet die junge Meisterin ihren Entschluss. Mit ein wenig Improvisationstalent fiel ihr die harte körperliche Arbeit in Schlachthaus und Wurstküche etwas leichter: Sie beint Rinderhälften beispielsweise grundsätzlich hängend aus. Probleme aufgrund ihrer geringeren Körperkraft bewältigt die zierliche Person auch mit Hilfe des achtköpfigen Teams: „Wir unterstützen uns grundsätzlich gegenseitig und achten darauf, dass keiner zu schwer hebt“, fügt sie hinzu. Der Schlachttag ist stets der Montag. Dann werden 25 Schweine aus Ställen in der näheren Umgebung der oberschwäbischen Gemeinde geschlachtet. Jeweils am Donnerstag sind zwei Stück Großvieh an der Reihe.

Den Schlachtvorgang hält Daniela Metzler für nicht ganz so schlimm, wie ihn sich Laien vorstellen. „Schließlich gibt es klare Regeln, die wir einhalten müssen“, weiß sie. Metzler ärgert sich, wenn der ehrenwerte Fleischerberuf mit dem eines blutrünstigen Tierquälers in einen Topf geworfen wird. Denn Fleischverzehr und Tierwohl müssen sich ihrer Auffassung nach nicht ausschließen.Wegen Abitur und bereits abgeschlossener Zahntechnikerausbildung beendete Daniela Metzler die Fleischerlehre schon nach 18 Monaten und arbeitete anschließend noch ein halbes Jahr im Familienbetrieb.
Sebastian Winterhalter
(Bild: mkt)

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Karriere im Fleischerhandwerk „Unversucht schmeckt nit“

Im Oktober 2016 begann ihr Meisterkurs an der Fleischerschule in Augsburg. „Der Kurs war super – wir waren 25 Schüler, darunter zwei Frauen“, erinnert sie sich, gibt aber zu, dass sie die männlichen Meisteranwärter zunächst eingeschüchtert haben. Aber sie bewies den Kollegen bald, dass sie Praxis und Theorie genauso gut beherrscht. Sie büffelte fleißig und hielt als Lohn im Frühjahr 2017 ihren Meisterbrief in der Hand – mit der Traumnote 1,0 und einem Preis der Handwerkskammer Schwaben für die beste Meisterprüfung.

In letzter Zeit stand die Meisterin im Laden, natürlich hinter der Fleischtheke. „Das genieße ich. Wir sind ein prima Team und die Kolleginnen sprechen von uns sogar als von einer großen Familie.“ Und die hat sich vor zwei Wochen bei den jungen Metzlers durch die Geburt von Karl Theodor vergrößert. Deshalb hat die junge Mutter ihre nächsten Ziele – Betriebswirt des Handwerks oder Fleischsommelier – erst einmal vertagt.

Das vollständige Porträt von Daniela Metzler lesen Sie in der Printausgabe der afz 27/2018 vom 4. Juli 2018.

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