Lebensmittelrechtstag Keine Fleischwurst ohne Fleisch

Donnerstag, 05. April 2018
Die namentliche Anlehnung vegetarischer Produkte an die Originale ist nicht nur dem Fleischerhandwerk ein Dorn im Auge.
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Die namentliche Anlehnung vegetarischer Produkte an die Originale ist nicht nur dem Fleischerhandwerk ein Dorn im Auge.
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Darf das vegetarische Schnitzel so heißen oder die vegane Fleischwurst unter diesem Namen vermarktet werden?

Wer sich von einem neuen Leitsatz die zügige Klärung dieser Fragen erhofft hat, dürfte enttäuscht sein: „Ich bitte Sie noch um Geduld“, bekannte die Vorsitzende der Lebensmittelbuch-Kommission, Dr. Birgit Rehlender, beim Deutschen Lebensmittelrechtstag in Wiesbaden. Der zuständige Fachausschuss ihrer Kommission habe den Entwurf für einen solchen horizontalen Leitsatz zwar Anfang März verabschiedet, nun stehe noch die Abstimmung im Plenum aus. Rehlender: „In einem Jahr sind wir weiter.“

Auf dem Podium des Lebensmittelrechtstags der dfv Mediengruppe im Wiesbadener Kurhaus hatten zuvor Martin Fuchs vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV) und Till Strecker von ProVeg Deutschland ihre unterschiedlichen Ansichten zur Kennzeichnung von veganer Wurst und vegetarischem Fleisch ausgetauscht. Während Strecker argumentierte, dass Bezeichnungen wie „veganes paniertes Schnitzel“ dem Fleischverächter wichtige Informationen zu Form, Aussehen, Zubereitung, Geschmack und den vorherrschenden Makronährstoffen lieferten, sah Fuchs das naturgemäß kritisch. Eine Produktbezeichnung dürfe kein falsches Bild eines Erzeugnisses liefern, und das sei nun mal bei der Fleischwurst ohne Fleisch der Fall. Fuchs: „Die Produktbezeichnungen werden willkürlich, wenn wir zu großzügig werden.“ 

„Hier wird eine Gleichheit vorgespielt, die nicht da ist.“
Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer des DFV
Außerdem täuscht die Anlehnung an die traditionellen Bezeichnungen nach Meinung des DFV darüber hinweg, dass die vegetarischen oder veganen Varianten beileibe nicht den gleichen ernährungsphysiologischen Wert besitzen wie die Originale. „Wir haben nichts gegen diese Produkte“, stellte der Vertreter des Fleischerhandwerks klar. Der Verbraucher solle selbst entscheiden, was er kauft und isst. „Aber wir wollen, dass er gut darüber informiert ist, was diese Erzeugnisse enthalten.“

Der Nachfrage, ob nicht auch vegetarische Produkte Standards bräuchten, erteilte Strecker eine vage Absage. „Das ist schon sehr aufwändig und vielleicht nicht angemessen.“ Eine Aussage, die Martin Fuchs sichtlich irritierte. Dass für die vegetarischen Fleisch- und Wurstsorten keine Qualitätsansprüche gelten sollen, wohingegen Fleischer sich penibel an Leitsätze halten und die Überwachung das auch streng kontrolliert: Das sei schon eine „außergewöhnliche Position“, befand Fuchs.

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