Rohstoff Stattliche Fleisch-Boxen aus dem Sauenhain

Dienstag, 13. Dezember 2016
Erst Geografen, jetzt Schweinezüchter (von links): Axel Penndorf und Clemens Stromeyer.
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Erst Geografen, jetzt Schweinezüchter (von links): Axel Penndorf und Clemens Stromeyer.
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Zwei ehemalige Geografen finden als Schweinezüchter vor den Toren Potsdams ihr berufliches Glück und vermarkten das Fleisch ausschließlich online.

From Farm to Fork lautet das internationale Credo, nach dem sich ernährungsbewusste Verbraucher derzeit verstärkt richten. So wählen sie bevorzugt Lebensmittel, deren Entstehungsprozess sich von der Aufzucht bis zum fertigen Produkt möglichst lückenlos nachverfolgen lässt.

Genau das bieten die Junglandwirte Axel Penndorf (46) und Clemens Stromeyer (36) mit ihrem Start-up Potsdamer Sauenhain. Auf einer ehemaligen Apfelplantage im Norden der Stadt züchten sie seit anderthalb Jahren Schweine in ganzjähriger Freilandhaltung, um das Fleisch anschließend selbst zu vermarkten.

Die Tiere leben draußen und werden nach neun bis zwölf Monaten geschlachtet.
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Die Tiere leben draußen und werden nach neun bis zwölf Monaten geschlachtet.
In ganz Brandenburg gibt es kaum eine Handvoll Bauern, die ein vergleichbares Modell fahren. „Dabei eignen sich Schweine ideal dafür“, sagt Stromeyer. Es sind vor allem die umfangreichen behördlichen Auflagen im Hinblick auf die Tierhygiene, die die meisten Landwirte vor der Freilandhaltung abschreckt. Für Penndorf und Strohmeyer waren diese jedoch kein Hinderungsgrund, ihren eigentlichen Beruf als Geografen an den Nagel zu hängen und auf dem 30 Jahre lang brachliegenden Areal einen beruflichen Neuanfang zu wagen.

Dass es vom Schreibtisch in die Natur gehen würde, stand für den Münchner Penndorf und den Potsdamer Stromeyer von vornherein fest. So begannen sie zu recherchieren, welche Art der Tierhaltung ihnen am besten liegt.

Kühe waren ihnen zu groß, Hühner zu klein, also wurden es Schweine. Das fachliche Know-how eigneten sich die beiden landwirtschaftlichen Quereinsteiger bei verschiedenen Praktika auf regionalen Bauernhöfen an, unter anderem bei Bio-Landwirt Bernd Schulz aus dem Fläming. „Wir möchten unsere Tiere möglichst artgerecht halten“, bringt Penndorf die Haltungsphilosophie auf den Punkt.

Auf dem rund zehn Hektar großen Gelände leben derzeit gut 130 Tiere. Ein Eber der Rasse Bunte Bentheimer sowie zehn Deutsche Landrasse Sauen bilden dabei den Stamm. Jedem Muttertier steht mit ihrer Aufzucht etwa ein Hektar Weidefläche zu Verfügung. Solche Platzverhältnisse und der ständige Aufenthalt im Freien können selbst Bio-Bauern nur in Ausnahmefällen gewährleisten.
Freiland-Schweinehaltung in der Apfelplantage.
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Freiland-Schweinehaltung in der Apfelplantage.
Ein zertifizierter Bio-Hof ist der Potsdamer Sauenhain derzeit nicht, wobei die Jungunternehmer nach Möglichkeit auf Bio-Erzeugnisse setzen. Dazu müssten jedoch alle Futterbestandteile, die hauptsächlich bei umliegenden Betrieben zugekauft werden, diesen Qualitätsstandard erfüllen. Neben den Äpfeln der Plantage, die den Tieren im Herbst ganz von allein vor die Schnauze fallen, erhalten die Schweine Eicheln, Gras, Heu sowie Biertreber und Getreideschrot. Letzteres gemischt mit Mineralien und sogenanntem Ölkuchen – sprich, die Bestandteile, die bei der Herstellung pflanzlicher Öle übrig bleiben.

In diesem Frühjahr begannen Penndorf und Stromeyer nach rund einjähriger Aufbauphase des Betriebs mit der kontinuierlichen Vermarktung des Schweinefleischs. Erst im Alter zwischen neun und zwölf Monaten und einem Gewicht von 130 bis 150 Kilogramm werden die Schweine geschlachtet. Dies erfolgt jeweils montags beim Schlachtbetrieb Böhnke im nahe gelegenen Bad Belzig. Tags darauf beginnt das Familienunternehmen mit der Wurstherstellung und Fleischverarbeitung im Auftrag der Potsdamer Schweinehalter. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Fleisch für Pfanne, Ofen und Grill: Kotelett, Bratenstück, Bauchscheiben, Eisbein, Grillhaxe sowie verschiedene Steak-Cuts sind nur ein Teil des Sortiments. Darüber hinaus umfasst das Angebot grobe und feine Bratwürste, Salsiccia sowie diverse Aufstriche im Glas.
Frische Bratwürste aus eigener Produktion in der Pfanne gebraten.
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Frische Bratwürste aus eigener Produktion in der Pfanne gebraten.
An die Kunden gehen die Waren in Boxen mit einem stattlichen Füllgewicht von vier oder acht Kilogramm. Zudem wählen die Käufer noch zwischen einer klassischen Variante für Küchenchefs oder einer BBQ-Box für Grillmeister. Wie bei Direktvermarktern üblich, beinhalten die Boxen jeweils ein standardisiertes Mischsortiment, um beliebte wie weniger beliebte Fleischpartien gleichermaßen absetzen zu können.

Für einen eigenen Laden fehlt dem Duo schlicht die Zeit, sodass die Waren ausschließlich online oder telefonisch bestellt werden können. „Bestellungen rund um Potsdam und Berlin liefern wir selbst aus. Alles was weiter weg geht, übernimmt ein Paketdienst“, erläutert Stromeyer. Auch die direkte Abholung bei einem Potsdamer Hofladen ist möglich.

Für den Transport werden die küchenfertig portionierten Waren einzeln vakuumiert und gut gekühlt. Beim Versand beträgt die Fleischtemperatur etwa 0 Grad Celsius. Eine ökologische Isolierbox sorgt dafür, dass die Ware anschließend für mindestens 64 Stunden unter der 4-Grad-Marke bleibt.
Zuchteber der Rasse "Bunte Bentheimer".
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Zuchteber der Rasse "Bunte Bentheimer".
Zwischen Bestellung und Auslieferung liegen erfahrungsgemäß ein bis zwei Wochen, kürzere Lieferzeiten sind jedoch nach vorheriger Absprache möglich. „Wir haben unseren Schweinebestand so aufeinander abgestimmt, dass wir das ganze Jahr über frische Waren produzieren können. Außerdem lassen wir im Moment alle zwei Wochen vier bis sechs Tiere schlachten“, erklärt Penndorf.

Um die laufenden Kosten in der unrentablen Anfangszeit zu decken, starteten die Start-up-Gründer eine Kampagne auf dem Crowdfunding-Portal „Kickstarter“. Dort konnten sich Unterstützer des Projekts bereits vorab Fleisch-Boxen sichern und damit den finanziellen Rahmen der Landwirte vergrößern.

Über den Sauenhain

Axel Penndorf und Clemens Stromeyer betreuen täglich bei Wind und Wetter eine Herde von etwa 100 Tieren auf einer Fläche von ca. 10 Hektar. Die Arbeitsweise gründet sich auf würdevoller Tierhaltung als Voraussetzung für ein hochwertiges Lebensmittel.
„Der starke Zuspruch dabei hat uns sehr gefreut und uns gleichzeitig in unserem Vorhaben bestärkt. Mit der Kampagne wollten wir nicht nur Geld auftreiben, sondern die Potsdamer von Anfang an in unsere Pläne mit einbeziehen“, erinnert sich Penndorf.

Auf großen Reichtum sind die landwirtschaftlichen Idealisten nicht aus, dafür sind sie dann doch Realisten genug. „Selbst wenn sich alles so entwickelt, wie wir es uns vorstellen, wiegt der Ertrag den Aufwand letztlich kaum auf“, resümiert Stromeyer. So messen die Schweinezüchter ihren neu gewonnenen Freiheiten, wie flexiblere Zeit mit der Familie, wesentlich mehr Bedeutung bei als materiellen Faktoren. 

Weblink: Potsdamer Sauenhain

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