Rudolf-Kunze-PR-Preis 2017 Jede Woche kommt ein neuer Freund

Freitag, 06. Oktober 2017
Wöchentlich präsentieren Matthias, Johannes und Stephanie Freund (von links) ein neues Produkt und kündigen es auf Facebook mit der Einladung an: „Kommt vorbei und probiert es aus“.
Foto: wi
Wöchentlich präsentieren Matthias, Johannes und Stephanie Freund (von links) ein neues Produkt und kündigen es auf Facebook mit der Einladung an: „Kommt vorbei und probiert es aus“.

Seit zwei Jahren überrascht die Kreativmetzgerei alle sieben Tage mit einem neuen Produkt. Diese Strategie ist erfolgreich, weil sie Kunden neugierig macht und in die Läden lockt. Dafür gibt es jetzt den afz-Aktionspreis im Rudolf-Kunze-PR-Wettbewerb.

Der Innovationsrhythmus ist extrem kurz: Er beträgt lediglich eine Woche. Dann gibt es im Hauptgeschäft der unterfränkischen Fleischerei Freund in Sommerkahl und in der Filiale in Sailauf schon wieder etwas Neues – regelmäßig und stets zusätzlich zu dem ohnehin schon recht üppigen Sortiment.

Durch den wöchentlichen Zuwachs würden Theke, Gehänge oder Regal überquellen, wäre da nicht die eiserne Konsequenz von Chefin Stephanie Freund, die das riesige Repertoire schließlich doch immer unterbringt. „Schachbrettspiel“ nennt die Metzgermeisterin ihre Thekenbelegung, bei der sie die Felder auf dem begrenzten Platz nutzt, indem sie statt einer Schale oder Platte zwei kleinere nimmt. Dann muss halt öfter nachgelegt werden, doch das gilt gleichzeitig als Beweis der Frische. 

Mit Neuheiten überraschte das Fachgeschäft in dem nur 1.000 Einwohner zählenden Ort schon immer, sogar häufig. Aber seit Stephanie und Matthias Freund die Innovation im Wochenturnus zum Unternehmenskonzept auserkoren haben, zahlt sich die Strategie in barer Münze aus.

„Es macht allen großen Spaß: den Kunden, uns und den Mitarbeitern.“
Stephanie und Matthias Freund
Das Prinzip ist so einfach wie genial: Jeden Donnerstag gibt‘s einen Neuling. Das Produkt kommt in den Laden, ein Bild und die kurze Ankündigung wird auf Facebook gepostet. Wer dann einkauft, probiert. „Bei uns kriegen nicht nur die Kinder ein Stück Wurst. Allein vom Verkosten könnten sich unsere Kunden statt essen“, berichtet der Meister. Und wer probiert, sagt seine Meinung. Deshalb wird im Laden wenig Small Talk gehalten.

Viel mehr wird über die Eigenschaften von evangelischer und katholischer Bratwurst debattiert, das geschmackliche Zusammenspiel von Tomate und Mozzarella in der Teewurst analysiert oder darüber gerätselt, warum die Winterbratwurst mit Pflaumenmus und Haselnüssen nicht nur wie erwartet bei den Frauen prima ankommt, sondern noch besser bei den Männern. Marktforschung hautnah: Denn jedes Lob, jede Wertung und Anregung fließt direkt in den Innovationsprozess. 

Der verlangt von der Mannschaft in der Wurstküche eine hohe Flexibilität, denn außer bei Schinken und Salami beträgt die Vorlaufzeit immer nur eine knappe Woche. Da bleibt kaum Zeit zum Experimentieren. Durch die Wochen-Strategie stieg das Pensum der Gesellen enorm. Allein die Produktion von Bratwurst hat sich verzehnfacht.

100 bis 150 kg davon setzt die Kreativmetzgerei wöchentlich ab. Ständig in der Theke liegen 20 Sorten; 70 bis jetzt schon in der Rezepturensammlung, angepeilt sind 100. Ähnlich variantenreich liest sich die Liste bei Leberkäse (25), Grill-Spezialitäten (40), Rohwurstknackern (10), Fleischwurst (15), Wurstsalaten (20) oder Fleisch- (20) und Wurstkonserven(35).

Mit der Zahl der Produkte steigt nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern auch die Motivation der Mitarbeiter und der Spaß bei allen Beteiligten, für den das Zitat einer Kundin exemplarisch ist: „Rein geht man bei euch mit einem normalen Gesicht, raus mit einem lachenden.“

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