Tierhaltung Behaglich auf Stroh gebettet

Freitag, 13. April 2018
Wellness für Schweine: Eine 40 Zentimeter dicke Tiefstrohschicht sorgt für einen behaglichen Untergrund.
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Wellness für Schweine: Eine 40 Zentimeter dicke Tiefstrohschicht sorgt für einen behaglichen Untergrund.

Geht es um artgerechte Tierhaltung, dann kommt die Sprache derzeit schnell auf das Strohschwein. Zu den Vorreitern dieser, das Tierwohl fördernden Haltungsphilosphie zählt die Thüringer Hofladen Udo Weilepp GmbH. Richtig zum Tragen kommt der spezielle Haltungsansatz der Roldislebener, das Inhaber Udo Weilepp gemeinsam mit Sohn Steffen entwickelte, im neu gebauten Schweinestall.

So investierte das Unternehmen aus dem Landkreis Sömmerda rund 750.000 Euro in einen modernen Außenklimastall, wovon etwa 230.000 Euro durch Fördermittel abgedeckt wurden. Nach siebenmonatiger Bauzeit nahm die Anlage im Oktober vergangenen Jahres ihren Betrieb auf.

Entstanden ist eine Schweinemastanlage, die laut Junior-Chef Steffen Weilepp in Thüringen – wenn nicht gar bundesweit – ihresgleichen sucht. Die reinen Eckdaten klingen zunächst gewöhnlich: Auf einer Grundfläche von 52 mal 30 Meter bietet das Gebäude rein rechnerisch maximal 700 Mastschweinen Platz. Allerdings gewähren die Weilepps ihren Tieren mehr Stallfläche, als es die Mindestnorm erfordert, sodass die Einrichtung mit höchstens 600 Tieren belegt wird.

Gemästet wird eine Kreuzung aus Deutscher Landrasse und Piétrainschweinen. Die Tiergruppen sind aufgeteilt in 18 Buchten mit maximal 30 Schweinen. Als Untergrund dient eine 40 Zentimeter starke Tiefstrohschicht, womit die Besonderheiten beginnen. Zu jeder Bucht gehört außerdem – noch innerhalb der Stallhülle – je ein separater, überdachter Außenbereich. Durch eine Schwingtür können die Mastschweine jederzeit nach Lust und Laune von einem zum anderen Bereich wechseln.

Die Nachfrage nach ihren Strohschweinen übersteigt bereits jetzt die Kapazitäten: Steffen (links) und Udo Weilepp wollen die Zahl der Mastplätze dennoch nicht erweitern.
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Die Nachfrage nach ihren Strohschweinen übersteigt bereits jetzt die Kapazitäten: Steffen (links) und Udo Weilepp wollen die Zahl der Mastplätze dennoch nicht erweitern.
„Die Türen haben nur deshalb einen Riegel, damit wir die einzelnen Bereiche zum Ausmisten und Reinigen vorübergehend absperren können“, beschreibt Weilepp junior den Hauptgrund für die spezielle Bauweise. Außer als zusätzliche Auslauffläche an der frischen Luft verwenden die Schweine die Außenbereiche hauptsächlich zum Koten. Dies sorgt nicht nur für einen weitgehend geruchsneutralen Innenbereich, sondern senkt auch Kosten und Aufwand des Ausmistens.

„Draußen erneuern wir das Stroh, das wir im Übrigen zu 100 Prozent von unseren eigenen Ackerflächen beziehen, einmal pro Woche. Im Stallgebäude brauchen wir es lediglich einmal im Monat austauschen“, erklärt Steffen Weilepp. Sämtliche Stallarbeiten wie das Ein- und Ausstallen, das Verladen oder das Einstreuen erfolgen über den breiten Mittelgang des Gebäudes. Dieser kann problemlos mit dem Teleskoplader befahren werden, was Zeit- und Personalaufwand für die Stallarbeiten auf ein Minimum reduziert.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Anlage ist der Verzicht auf Lüftungs- und Heizungsanlagen. Als Vorbild für das Stallkonzept diente der eigene Kuhstall. Denn zusätzlich zu den Schweinen hält der Familienbetrieb zehn Mutterkühe und 20 Mastbullen. Die Frischluftzufuhr erfolgt auf natürliche Weise – einerseits über den zwei Meter breiten sowie zu den Seiten hin geöffneten Lichtfirst im Stalldach. Andererseits wurde das obere Drittel der Stallseitenwände für eine optimale Luftzirkulation offen gestaltet.
  • Schweinemastanlage der Firma Weilepp in Rastenberg im thüringischen Landkreis Sömmerda.
    Schweinemastanlage der Firma Weilepp in Rastenberg im thüringischen Landkreis Sömmerda. (Bild: Filip Lachmann)
  • Wellness für Schweine: Eine 40 Zentimeter dicke Tiefstrohschicht sorgt für einen behaglichen Untergrund.
    Wellness für Schweine: Eine 40 Zentimeter dicke Tiefstrohschicht sorgt für einen behaglichen Untergrund. (Bild: Filip Lachmann)
  • Die Nachfrage nach ihren Strohschweinen übersteigt bereits jetzt die Kapazitäten: Steffen (links) und Udo Weilepp wollen die Zahl der Mastplätze dennoch nicht erweitern.
    Die Nachfrage nach ihren Strohschweinen übersteigt bereits jetzt die Kapazitäten: Steffen (links) und Udo Weilepp wollen die Zahl der Mastplätze dennoch nicht erweitern. (Bild: Filip Lachmann)
  • Es gibt 18 Buchten mit maximal 30 Schweinen.
    Es gibt 18 Buchten mit maximal 30 Schweinen. (Bild: Filip Lachmann)
  • Der Weg ins Freie: Durch eine Schwingtür gelangen die Mastschweine jederzeit nach Lust und Laune in den überdachten Außenbereich, der zu jeder Bucht gehört.
    Der Weg ins Freie: Durch eine Schwingtür gelangen die Mastschweine jederzeit nach Lust und Laune in den überdachten Außenbereich, der zu jeder Bucht gehört. (Bild: Filip Lachmann)
  • Der Außenbereich dient den Tieren hauptsächlich zum Koten.
    Der Außenbereich dient den Tieren hauptsächlich zum Koten. (Bild: Filip Lachmann)
  • Die Belüftung des Stalls erfolgt über Öffnungen im Lichtfirst.
    Die Belüftung des Stalls erfolgt über Öffnungen im Lichtfirst. (Bild: Filip Lachmann)
  • Die Belüftung des Stall erfolgt ebenso über Öffnungen in den Seitenwänden.
    Die Belüftung des Stall erfolgt ebenso über Öffnungen in den Seitenwänden. (Bild: Filip Lachmann)
  • Spezialnetze gegen Wind und Sonneneinstrahlung.
    Spezialnetze gegen Wind und Sonneneinstrahlung. (Bild: Filip Lachmann)
Als Schutz gegen Wind und Sonneneinstrahlung befinden sich an der seitlichen Stallhülle spezielle Netze, die sich elektrisch an die Wetterbedingungen anpassen lassen. Trotz der offenen Bauweise ist eine Heizung nicht erforderlich. „Wir hatten im vergangenen Winter bis zu 15 Grad unter null. Im Stall sank die Temperatur aufgrund der Schweine jedoch nie unter sieben Grad“, berichten die Tierhalter. Ein Gully ist ebenfalls nicht zu finden. Der Festmist wird auf Dunglege, einem herkömmlichen Mistthaufen, mit angeschlossener Jauchegrube gelagert. Diese verfügt über ein Fassungsvermögen von 435 m³ und eine Emissionsschutzhaube.

Zur Mast verwendet der Betrieb Trockenfutter zusammen mit Grünfutter – alles aus eigenem Anbau. Das benötigte Getreide wird alle zwei Wochen vor Ort von einem Dienstleister mittels mobiler Mühle geschrotet. Die Futterlagerkapazitäten sind extra auf diese 25-Tonnen-Rationen ausgelegt. Zusätzlich erhalten die Schweine Kartoffeln aus der Region sowie Biertreber von einer nahegelegenen Brauerei. Zur gezielten Zusammensetzung der Vor- beziehungsweise Endmast-Rationen verfügt der Stall über zwei separate Futtersysteme.
„Kürzere und schonendere Transportwege für die Tiere gibt es nicht.“
Udo und Steffen Weilepp
Nach bis zu einem Jahr Mast bringen die Schweine zwischen 230 und 250 Kilogramm auf die Waage. Mit diesem Gewicht werden sie schließlich zur weiteren Verarbeitung ins betriebseigene Schlachthaus geführt. „Kürzere und schonendere Transportwege für die Tiere gibt es nicht“, unterstreicht Udo Weilepp.

Die wöchentliche Schlachtleistung liegt bei durchschnittlich 15 bis 20 Schweinen. Ein Team aus drei Fleischern übernimmt sowohl das Schlachten als auch die Wurstherstellung. Neben dem eigenen Hofladen bietet der Selbstvermarkter seine Waren auch in einzelnen Rewe-Märkten der Region an.

Die Nachfrage nach Weilepps Strohschweinen übersteigt längst die Produktionskapazität. Eine Aufstockung des Bestands ist für Weilepp trotz der starken Nachfrage aber kein Thema: „Geht es nach den Interessen der Kunden, könnten wir problemlos einen weiteren Stall mit 600 Mastplätzen errichten. Aber dann würden wir in Dimensionen vorstoßen, die wir als Familienbetrieb weder finanziell noch personell bewältigen können. Schließlich müssten wir unsere Schlacht- und Produktionsstrecke im gleichen Umfang erweitern.“

Getrieben wird die Nachfrage unter anderem durch regionale Fleischereien, die die hochwertigen Rohstoffe gern selbst verarbeiten würden. Dabei waren es einst die Handwerksbetriebe, die die Familie Weilepp zu Direktvermarktern machten. Zur Jahrtausendwende herrschte unter den Thüringer Großschlachthöfen ein erbitterter Preiskampf.

Da Landwirt Udo Weilepp dieser ruinösen Preisspirale nicht folgen konnte, verlor er seine Abnehmer – damals vornehmlich Fleischer-Fachgeschäfte. Den einzigen Ausweg sah er letztlich in der Errichtung einer eigenen Produktionslinie für Wurst- und Fleischwaren. Von Anfang an setzte er dabei auf ein erhöhtes Tierwohl – eine Entscheidung mit Weitblick, wie sich jetzt, 17 Jahre später, zeigt.

Weblink zum Weilepp Hofladen

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