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Der Graf von Kochberg

Eine wahre Geschichte aus Arnstadt (aus der Deutschen Fleischer-Zeitung im Jahre 1884)
Ein Fleischer trieb aus einer Stadt,
Wo eben Markt gehalten,
Sechs Kühe - ach! die hatten's satt,
Man sah's an Wampenfalten.
Sei wackelten nur hin und her,
Und da das Laufen ging so schwer,
Da mußte Heinrich halten.

Da kam ein Reiter hoch zu Roß
Am Rock den grünen Kragen,
Sah aus wie der von Kochbergs Schloß,
Der wollte es nicht wagen
Zu sagen: Treibe seitwärts weg,
Das ist ja lauter altes Blech
Mit ungefüttertem Magen.

Nun ritt der Herr so Schritt für Schritt
An unsers Metzgers Seite
Und hatte an dem eigenen Schnitt
Des Nachbarn seine Freude,
Denn Beide waren gutgelaunt;
Der Metzger drauf und drein posaunt,
Das macht dem Reiter Freude.

Der Heinrich denkt: Vielleicht kannst du
Mit dem Geschäfte machen;
Er spricht vom Kalb von Ochs und Kuh
Und so dergleichen Sachen.
Dabei räth er auch hin und her,
Fragt, ob der Herr von Kochberg wär;?
Der schweigt, doch muß er lachen.

Nun war erst recht die Neugier groß;
Wer mag wohl sein der Reiter?
Die Sache war ihm kurios,
Sah stets nach dem Begleiter.
Da kamen sie am Kreuzweg an:
Der Reiter wollt' die andre Bahn,
Die rechts abgeht, noch weiter.

Mein lieber Herr, sprach Heinrich,
Sie hab'n mir recht gefallen -
"Ist's wahr? Ich glaubt' erkannt würd ich
In meinem Land von Allen:
Ich bin der Fürst von -"
Da hat es Heinrich dickesatt
Und ließ die Peitsche fallen.
Eine wahre Geschichte aus Arnstadt

Schnadahüpferl

Wenn's Bayrisch Bier regnet
und Bratwürstel schneibt,
dann bitten wir'n Herrgott,
daß's Wetter so bleibt.
Oberbayern

Vers an einer Berliner Imbissbude

Zum Würstchen braucht man doch kein Messer.
Das geht doch mit der Hand viel besser!
Davon ist jeder überführt,
der das bei mir mal hat probiert.
Berlin

Fröhlich vom Fleisch zu essen

Fröhlich vom Fleisch zu essen, das saftige Lendenstück
Und mit dem Roggenbrot, dem ausgebackenen, duftenden
Den Käse vom großen Laib und aus dem Krug
Das kalte Bier zu trinken, das wird
Niedrig gescholten, aber ich meine, in die Grube gelegt werden
Ohne einen Mundvoll guten Fleisches genossen zu haben
Ist unmenschlich, und das sage ich, der ich
Ein schlechter Esser bin.
(aus "Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut", Süddeutsche Verlagsanstalt, Ludwigsburg)
Bertolt Brecht

Kritik des Herzens

Es wird mit Recht ein guter Braten
Gerechnet zu den guten Taten;
Und daß man ihn gehörig mache,
Ist weibliche Charaktersache.
Ein braves Mädchen braucht dazu
Mal erstens reine Seelenruh,
Daß bei Verwendung der Gewürze
Sie sich nicht hastig überstürze.
Dann, zweitens, braucht sie Sinnigkeit,
Ja, sozusagen Innigkeit,
Damit sie alles appetitlich,
Bald so, bald so und recht gemütlich
Begießen, drehn und wenden könne,
Da an der Sache nichts verbrenne.
In Summa braucht sie Herzensgüte,
Ein sanftes Sorgen im Gemüte,
Fast etwas Liebe insofern,
Für all die hübschen, edlen Herrn,
Die diesen Braten essen sollen
Und immer gern was Gutes wollen.
Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:
Ein böses Mädchen kann es nicht.
Drum hab ich mir auch stets gedacht
Zu Haus und anderwärts:
Wer einen guten Braten macht,
Hat auch ein gutes Herz.
Wihelm Busch

Narren

Gott ja, was gibt es doch für Narren!
Ein Bauer schneidet sich'n Knarren
vom trocknen Brod und kaut und kaut.
Dabei hat er hinaufgeschaut
nach einer Wurst, die still und heiter
im Rauche schwerbt, dicht bei der Leiter.
Er denkt mit heimlichen Vergnügen:
"Wenn ick man woll, ick könn di kriegen!"
Wihelm Busch

Zu guter Letzt

Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus,
Er schaut und zieht die Stirne kraus.
Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht?
Die Köchin sprach: Es war die Liese,
Die Alte von der Gänsewiese.
Dru, rief er, sah ich in letzter Nacht,
Wie durch die Luft in feurigem Bogen
Der Böse in ihren Schlot geflogen.
Verdammte Hex,
Ich riech, ich schmeck's,
Der Teufel hat die Wurst gemacht.
Spitz, da geh her! - Der Hund, nicht faul,
Verzehrt die Wurst und leckt das Maul.
Er nimmt das Gute, ohne zu fragen,
Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen.
Wihelm Busch

Kurz ist die Wurst

Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang;
aber noch kürzer als das Leben ist eine Wurst -
im Vergleich mit der menschlichen Gefräßigkeit,
obschon diese letztere keine Kunst ist.
Wihelm Busch

Die verdammten Ochsenbraten

Die Römer, die, vor vielen hundert Jahren,
Das erste Volk der Erde waren,
Doch wenigstens sich dünkten es zu sein;
Die großen Schreiber ihrer Taten
und Dichter auch, und große Redner hatten,
Und Weise, groß und klein;
Die stolz auf Ihrer Helden Scharen
Auf ihre Regulos und Scipione waren,
Und Ursach hatten es zu sein;
Die fingen endlich an und aßen Ochsenbraten,
Frisierten sich, und tranken fleißig Wein -
Da war's geschehn um ihre Heldentaten,
Um ihrer Dichter edlen Reihn,
Um ihre Redner, ihre Schreiber;
Da wurden's große dicke Leiber,
Und Memoirs- und Zeitungsschreiber,
Und ihre Seelen wurden klein;
Da kamen Oper und Kastraten,
Und Ehebruch und Advokaten,
Und nistelten sich ein.
Oh, die verdammten Ochsenbraten!
Oh, der verdammte Wein!
(aus "Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut", Süddeutsche Verlagsanstalt, Ludwigsburg)
Matthias Claudius

Currywurst

gehse inne stadt
wat macht dich da satt
'ne currywurst
kommse vonne schicht
wat schönret gibt et nich
als wie currywurst,
mit pommes dabei
ach, dann gebense gleich zweimal
currywurst
bisse richtig down
brauchse wat zu kaun
'ne currywurst
willi, komm geh mit,
ich krieg appetit
auf currywurst
ich brauch wat in bauch
für mein schwager hier auch noch
ne currywurst
willi, is dat schön
wie wir zwei hier stehn
mit currywurst
willi, wat is mit dir
trinkse noch n'bier
zur currywurst

ker scharf ist die wurst
mensch dat gibt'n durst,
die currywurst
bisse dann richtig blau
wird dir ganz schön flau
von currywurst
rutscht dat ding dir aus,
gehse dann nach haus
voll currywurst
aufm hemd auffer jacke
ker wat is das ne k....
alles voll currywurst
komm willi
bitte, bitte, komm geh mit nach hause,
hörma ich kriegse wenn ich so nach hause komm
willi, willi, bitte, du bisn kerl nach mein geschmack
willi, willi komm geh mit, bitte willi
Quelle: LP "Total Egal", Herbert Grönemeyer, 1982

Täglich frisch

Frische, Güte, Qualität
lädt bei uns zum Kauf Sie ein.
Eines sind wir stets bestrebt:
Immer Spezialist zu sein.
Schweine, Rinder, Lämmer, Kälber -
Cuxhaven hat's aus erster Hand,
hausgeschlachtet hier und selber
eingekauft im Hadler Land.
Reifen, wo es reifen mußte,
fachgerechter Schnitt ist not.

Aber auch das preisbewußte,
gute Wochenangebot.
Haushaltsfreundlich für Familie,
Gaumenschmaus für groß und klein.
Unser Service hat zum Ziele,
schonungslos Ihr Partner sein.
Cocktail einer Wurstpalette,
höchste Reinheit, die man schmeckt.
Auch Bedienung, freundlich, nette,
einsatzfreudig und perfekt.
Fleisch und Wurst nebst Sortiment:
Täglich frisch ist hier der Trend!
In Deutschlands Fleischer-Fachgeschäften versteht man nicht nur mit Fleisch und Wurst gut umzugehen, sondern manchmal auch mit der Feder. Ein treffendes Beispiel dafür ist die Meistersfrau Barbara Dege aus Cuxhaven, der dieses Gedicht über die Vorzüge der Fleischer-Fachgeschäfte eingefallen ist.
Barbara Dege

Gedicht zum Gaisburger Marsch

Kartoffelschnitz ond Schpätzle,
Gaisburger Marsch genannt,
des isch oft’s Samschtigesse
bei ons em Schwôbeland.
Drei Vierleng Rendfleisch nemmt mr,
vom Brustkern, des geit Kraft,
nô isch mr nôchher g’schteubert
wenn mr em Garte schafft!!!
Scho kocht´s mit Gelbe Rüebe,
mit Sellerie ond Lauch
zur klare Brüeh, koi trüebe,
isch guet für jeden Bauch.
Nô wird es Fleisch schö g’würflet
Ond Schnitz kommet drzue
Ond beides zame köchlet
En äller Seelerueh.
Dr Schpatzentoig isch fertig,
Ond’s Schpatzenwasser kocht,
dr Honger ôerträglich,
was macht denn d’Köche noch???
Schö obedruf tuet d’Mueder
Ganz feine Zwibelreng,
goldbraun g’röscht mit Butter.
Mir wird’s oms Herz ganz eng!!!
Gaisburger Marsch, echt schwäbisch,
was moisch drzue, hältscht mit??
Uf älle Fäll dô wensch ich ,
en guete Appetit!
Gaisburger Marsch ist das Lieblingsessen von Bundespräsident Horst Köhler. Es handelt sich um Kartoffeln und Spätzle in einer wunderbaren Fleischbrühe aus Tafelspitz und Markknochen, die in einer dampfenden Terrine serviert werden, auf der eine angebräunte Zwiebel ein traumhaftes Aroma verbreitet.
Aus "Schwabissimo - die schwäbische Welt" von Peter-Michael Mangold (www.petermangold.de)

Gastmahl

Nur von fern ein Gastmahl wittern,
macht mir alle Glieder zittern.
Würste, Braten und Pasteten
sind imstande, mich zu töten.
Johann Wolfgang von Goethe

Der Fleischermeister

Das ist ein Mann.
Hat Grütz im Kopf
und Geld im Sack.
Betrügt niemanden,
läßt sich aber auch nicht betrügen,
und das ist die Hauptsache
bei der Ehrlichkeit
Grillparzer

Ochsenschwanzgedicht

Ein Ochsenschwanz hat drei Funktionen:
Zunächst soll er das Rindvieh schonen,
Als Fächer oder Wedel dienen
Zum Schutz vor Bremsen oder Bienen,
Zum zweiten soll er auch noch zieren
Und, falls die Ochsen sich genieren,
Gewisse Stellen überdecken,
Die nicht nur Ochsen gern verstecken.
Und wandert er dann mit dem Ochsen
Zum Endspurt in die Schlachthausboxen,
Dann kommt er damit nach der Häutung
Zur letzten höheren Bedeutung.
Nun sieht, ein Sonderfall bei Schwänzen,
Man ihn auf Speisekarten glänzen.
Es braucht ihn niemand zu bedauern
Und seinem Dasein nachzutrauern;
Im Leben war er hintendran,
Heir steht er meistens obenan
Und wird als Suppe vor dem Essen
Nach seinem inneren Wert bemessen.
Insofern ist er, streng genommen,
Zu Ehre nun und Ruhm gekommen.
Man wird ihn drum - vor allem Schwänzen,
Mit Lorbeer würzen und umkränzen.
So geht es manchmal auf der Welt;
Wer lebend hinten-runterfällt,
Wird oft im Tode hochverehrt -
Doch schöner wär' es umgekehrt.
Rudolf Hagelstange

Zecher

über die Mittel, mit denen sich ein Zecher wieder stärken kann.
... in diesem Zustand
Verlangt er derbe Bissen, Schinken, Würste;
Das erste beste, was nicht allzulieblich dämpfend
Vom Garkoch kommt, würd ihm willkommen sein.
Horaz

Wie wäre es mit einem Borschtsch?

Man nehme erstens zirka sieben
Fein abgeschälte rote Rüben.
Dann hacke man den Weißkohl klein,
Tu Zwiebel, Salz und Essig rein.
Mit Hammelfleisch muß das nun kochen,
Auf kleiner Flamme, sieben Wochen.
Jetzt Kaviar mit Wodka ran
Nebst Zimt und frischem Thymian.
Nun schüttet man das Ganze aus
Und ißt am besten - außer Haus.
Mascha Kaléko

Austerlitz

Bei Austerlitz, da hat's geblitzt,
da haben die Russen die Ohren gespitzt.
Da haben sie sich 'ne Schanz gebaut
aus Leberwurst und Sauerkraut.
Kinderlied

Zeppelin

An Pfingsten kam gefahren
Ein Mann von siebzig Jahren,
Der saß in einer Gelbwurst drin,
Das war der Reichsgraf Zeppelin.
Kindervers (aus der Zeit der Ersten Internationalen Luftfahrtausstellung 1909)

Wanderlied in der Kinder-Parodie

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die Wurstfabrik,
den läßt er in die Knackwurst beißen,
und wünscht ihm guten Appetit.
Kinder-Parodie

Schwartoline - Das brave Schwein

Kinderbuch. Verse von Johanna Huber, Bilder von Otto Bleicher
12seitiges Klapp-Büchlein vom Verlag Otto Maier, Ravensburg, Nr. 858 (vermutlich vor 1960er Jahre)
Wenn Du wirst dies Buch aufschlagen
und es wird ein Kindlein fragen,
was mag das für ein Tierlein sein?
Sag Schwartoline, das brave Schwein.
Das ist der Metzger Wetzdenstahl,
er hat getroffen seine Wahl,
schon tritt er in den Stall hinein
zu Schwartoline, dem braven Schwein.
Wie sehr auch zetert Schwartolinen,
es hilft ihr nichts, sie muß von hinnen.
Schon streckt sie maustot Rumpf und Bein
die Schwartoline, das brave Schwein.
Aus ihrem langen Darmgeschlinge
macht nun der Metzger feine Dinge,
die Blut- und Leberwürstelein
von Schwartoline, dem braveb Schwein.
Beim Bauern Stark gibts Metzelsuppe,
die schmeckt Mann, Weib, Magd, Kind und Puppe,
denn vieles Gute schwimmt darein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Und Sonntags kommt dann auf den Tisch
beim Schustermeister Zwiebelfisch
der Schweinebraten zart und fein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Die Gastwirtschaft zum schwarzen Mohren,
die kriegt den Schweinskopf samt den Ohren,
den speist der Förster Büchsenstein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Was übrig bleibt, wird auf den Stangen
in dem Rauchfang aufgehangen.
Dann gibt’s zu Kirchweih Schinkenbein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Die Borsten, die man auch benutzet,
wenn man seine Stiefel putzet,
die geben Bürsten groß und klein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Und erst die Haut, die gerbet man,
Schweinsleder ist geschätzt sodann,
nun bind’t man gar noch Bücher ein
mit Schwartoline, dem braven Schwein.
Zuletzt das Hündlein Zappelfuß
frißt noch mit Eifer und Genuß
das kleine Ringelschwänzelein
von Schwartoline, dem braven Schwein.
Dann knallt der Hanjörg auf der Straßen,
auf Weg und Steg noch mit der Blasen.
Nun wird es wohl zuende sein
mit Schwartoline, dem braven Schwein.
Kinderbuch. Verse von Johanna Huber, Bilder von Otto Bleicher

Wie das Pökelfleisch entdeckt wurde

O sag, wie hat in Halle man den salz'gen Quell entdeckt?
Es hat ein Schwein vor Zeiten sich darein versteckt
und kam heraus und war mit Salz kandiert:
Das hat die Leute auf die Spur geführt.
Aus Dankbarkeit legt man das Schwein
noch jetzt in Salz und pökelt's ein!
August Kopisch (Dichter, 1799 bis 1853)

Der Fleischer

Mit Blut bespritzt, mit Messern scharf
und Beilen schwer versehen,
kann ich dem tapfersten Soldat
mutvoll zur Seite stehen.

Zwar hab' ich nichts mit Menschenblut
im Schlachtgewühl zu schaffen:
Das Kalb, das Schwein, das sanfte Schaf
stirbt nur von meinen Waffen!

Auch schreckt mich nicht des Stieres Horn,
sein Stampfen nicht und Schnauben:
Ein Schlag von meiner starken Hand
kann ihm das Leben rauben.

In London, wo's viel Fleischer gibt,
sieht man sie oft den Wagen
des Königs nach dem Parlament
mit Händen zieh'n und tragen.

In Frankfurt auf dem Römer steckt
der Krönungs-Ochs am Spieße:
Da nimmt der Kaiser nur davon
ein Schnittchen zum Gemüse.

Den Rest schenkt er der Bürgerschaft
zum allgemeinsten Schmause:
Allein wir Fleischer tragen flugs
den Braten ganz nach Hause.

Zwar sitzt in England unsere Zunft,
nicht mit im Halsgerichte:
Allein in unserem Stadtrat ist
der Fleischer von Gewichte.

Und das mit Recht: Denn ohne Fleisch,
ihr Herr'n, müßt ihr ja fasten;
und wie ertrügt ihr dann so leicht
des Regimentes Lasten?

Und welcher Stand im Lande kann
den Fleischer wohl entbehren?
Wer mag sich wohl von eitel Brot
und Wassersuppen nähren?

So ehrenwert ist unsere Zunft,
so nötig Stadt und Lande.
Mach' ihr nur keiner unter uns
durch schlechte Sitten Schande!

Ein braver Fleischer mag das Vieh
wohl schlachten, doch nicht quälen
und am Gewichte läßt er nie
auch nur ein Quentchen fehlen.

Dem Armen, der sein Pfündchen Fleisch
die langen sauren Wochen
hindurch erspart zum Sonntagsmahl,
dem gibt er's ohne Knochen.

So laßt uns, Meister und Gesell,
das Handwerk immer treiben:
Dann wird der Fleischer Namen stets
in rechten Ehren bleiben!
aus dem Mildheimischen Liederbuch, 1799

Erlkönig 2000

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Das ist der Wahnsinn mit seinem Rind.
Er hält das Tier recht fest und stark,
er will ins Hirn und Rückenmark.
Du liebes Rind, komm spiel mit mir,
gar schöne Erregung verschaff ich Dir!
Erreger, wie Du sie nie gekannt
frisch importiert aus Engeland.
"Doch sag, was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
"Kennst, Wahnsinn, Du den Funke nicht?
Der redet schon seit eh und jeh,
in Deutschland gibts kein BSE."
"Du dumme Kuh, und hörtest Du nicht,
wie Andrea Fischer sich laufend verspricht?
Erst hat sie auf deutsche Würste geschworen,
jetzt redet sie nur noch von Separatoren".
"Ach, bleib ganz ruhig", sprach da das Rind,
"Im Blätterwalde, da säuselt der Wind.
Was scheren mich BSE und EU?
Ich bin und bleibe ´ne glückliche Kuh."
"Und so verarscht Ihr alle Leute?
Ihr seid ja des Wahnsinns fette Beute!
Doch warte, auch Dich errege ich bald,
und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!"
"Jetzt reicht´s! Verlasse sofort meinen Stall!
Sonst schmeiß ich Dich in den Schlachtabfall.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf:
Du wirst Tiermehl, ich fress´ Dich auf!"
Dem Wahnsinn grausete, er flüchtet geschwind
zurück nach England. Das glückliche Rind
erreicht des Bauernhofes Gestade
und ward tags drauf schon zur Roulade.
Laßt's Euch schmecken...
N.N.

Aufschrift auf einem 25-Pfennig-Notgeld-Schein

Die Rostbratwurst sah beßre Zeiten,
wie zog sie einst sich in die Weiten!
War vor dem Krieg ein drittel Meter,
doch jetzt kaum zwanzig Zentimeter!
Da hab ich sie nicht mehr gestochen,
ich hab sie immer nur gerochen.
Aufschrift auf einem 25-Pfennig-Notgeld-Schein (der im Jahre 1913 in Eisenberg gedruckt wurde und der im Bild zeigt, wie einst in besseren Zeiten die Schweine scharenweise zu den Fleischern getrieben wurden)
Notgeld

Hausmacher Leberwurst

Du fragst, warum die hausgemachte
Wurst mancher Bauern man so achte,
Daß man behauptet frank und frei
Sie besser als vom Metzger sei.
Mein Freund, das kann ich dir erklären,
Ich hoffe gern, du läßt dich lehren.
Dem Metzger war seit alter Zeit
Ein hoher Grundsatz Reinlichkeit.
Sein Arbeitsraum ist hell und proper,
Er sorgt dafür mit Bürst und Schrobber.
Und ganz besonders frisch und rein
Muß allererst sein Kessel sein.
Hingegen wo der Bauer schlachtet,
Das hab ich manchmal schon beachtet,
Da kocht man Fleisch vom Schwein und Bock,
Im Pott, wo vorher Unterrock
Und Hemd und Hos nebst Socken schäumte
Und Kuhstallgrün den Rand umsäumte.
Und solch Aroma als Extrakt,
Das bleibt der Metzgerzunft versagt!
Richard Ottenbacher

A Metzger

A Metzger, wo a Säule schlachtet
Wird von de andere oft betrachtet
Als wär's von älle weit ond breit
Der gröbste Mensch den's irgend geit.
Er tuât sich drüber net beschwerâ
Zu was au soll er sich bloß wehrâ
Er kennt sich besser, als am End
De andre, diâ en g'sehê hend.
Er tuâts, jô, was diâ ganz vergessâ
Daß selle ebbes hen zom essâ
Ond schließlich er, indem er strebt
Au no a bißle weiterlebt
Im übrigâ, des sag i emmer,
Isch er om koi Ideele schlemmer
Als der, der sich so g'fühlvoll mißt
Ond selber von dem Säule ißt.
Richard Ottenbacher

Abzählreim

Heul ein bißchen, lach ein bißchen,
morgen kommt die Götel.
Bringt ä längi Wurst im Sack
und ein zuckrig Brötel.
Reim

Der erste Schritt zum Genießer

Was erhebt den Menschen über den gemeinen Fresser, was macht ihn zum Genießer?
In Eugen Roths Gedichtband "Der letzte Mensch" von 1984, wo das Brot noch auf der untersten Stufe der Genüsse angesiedelt ist, markiert die Wurst den ersten Schritt der Verfeinerung, der schließlich auf der dritten Stufe von Sekt und Hummer gekrönt wird. Und so reimt er liebenswert doch nie ohne Spitze:
Ein Mensch gelangt mit Müh und Not
vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst geht's dann schon besser;
der Mensch entwickelt sich zum Fresser.
Und sitzt nun scheinbar ohne Kummer
als reicher Mann bei Sekt und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
vom Hummer aus geht's nicht mehr weiter.
Beim Brot, so meint er, war das Glück,
doch findet er nicht mehr zurück.
Eugen Roth

Einführung in die Speisekammer

Nicht allein mit Blut und Säften
Dient dem Mensch das Tier nach Kräften,
Sondern selbst mit Stumpf und Stiel.
Hier in dieser Hausregierung
Siehst du rings als Wandverzierung
Hängen solcher Stücke viel.
Zungen, Würste, Speck und Schinken
Sind bereit zu deinen Winken,
Das ist erst das Fleisch im Topf.
Daß man langsam sie verbrauche,
Hat man sie bewahrt im Rauche,
Diese Kunst erfand kein Tropf.
Friedrich Rückert

Reif zum Schlachten

Ein Säulein, das - was es nicht sollte -
vom Speck' fiel und nicht fressen wollte,
ward, da es keines Zuspruchs achtet,
nach wenig Tagen notgeschlachtet.
Das andere Säulein zog im Stalle
die Konsequenz aus diesem Falle,
fraß, daß ihm alle Schwarten krachten,
und alsbald hieß es: Reif zum Schlachten!
Vom Säulein

Der biese Troom

(Gedicht in niederschlesischer Mundart)
Grußes Schlachtfest wor gewast,
endlich wor der Obend do,
olle Kotza wurda gro,
und der Korle kruch eis Nast.
Vullgesackt sei Bäuchla wor,
denn er hotte gut gestuppt.
Wellfleesch, Wellwurscht, Laberwurscht,
viel gegassa und gesuppt.
Wie's halt is on sichta Taga,
obends leit em olls im Maga.
Korles Maga, der wor vull,
und dam Korle wor nich wuhl.
Die Nacht wor schworz wie Pech an Room
a Käuzla uffm Dache rief.
Und wie der Korle endlich schlief,
da hat a gor a biesa Troom:
Ging der Wind im Ufariehre,
kloppt was o die Stubatiere.
Komma lauter, ees, zwee, drei,
lauter fette Schweindla rei.
Komma uff zwee Been gelofa,
komma olle bis os Bette,
wu der Korle nu tut schlofa.
Jetzt fing dos erschte o zu sprecha:
Nuck, nuch, me wulln a bale stecha!
Und wie dos erschte und hotte geredd,
do meente dos zweete: A is hibsch fett.
Do denk ich halt, es wär dos Beste,
mer machta Wurscht, und zwor gepreßte.
Die andern wackelten mit ihra Rüsseln:
Surgt ach fier Schisseln, surgt ach fier Schisseln.
Dos dritte sproch: Macht kee Gelärme,
surgt ach fier Därme, surgt ach fier Därme.
Do finga die andern zu grunza oh:
Därme wird a wull salber hon.
Das erste sproch: Mir wulln ins setza,
Masser wetza, Masser wetza.
Und wie sie on hotta die Masser geschliffa,
do meente dos zweete: Jitzzuugegriffa.
Macht nich erst a langes Aber und Wenn,
mir nahme an bale bei a Benn.
Ees nimmt an bem linka, ees nimmt a bem rechta,
mir beeda haln a, ihr beeda stecht a.
Dem Korle wurd angst und bange,
a log und wond sich wie ne Schlange.
A griff noch der Lompe, a griff noch em Dochte
und fiel aus em Pochte.
Wie a nabern Bette log,
do wurd a munter und drschrook.
Nee, ducht a, nee, kunnts fälscher sein,
ma kunnte ja jitz schun ne Blutwurscht sein.
A griff sich oa die Uhrn, a griff sich o die Beene,
na Gott sei Dank, a wor nuch keene.
Ernst Schenk

Weißwurst-Hymne

(Verfasst zum 100. Geburtstag der Weißwurst vom Münchner "Turmschreiber" Herbert Schneider, vorgetragen von Franz Xaver Breitenfellner bei der Verleihung der Carl-Freybe-Medaille an Prof. Dr. Ludwig Kotter in Rottach am Tegernsee.)
Du Königin im Wurstrevier,
Du schön gekurvte Tellerzier,
Laß dir den weißen Hermelin
Von deinen zarten Schultern ziehn!
So zeigt sich erst dein ganzer Charme.
Dein sanfter Atem fächelt warm
Grün schimmert's durch (als wir am Nil),
Dies Grüne, das ist Petersil.
Matt glänzt der makellose Leib.
O süßer Augenblick, verbleib!
Und heller jedes Auge blinkt,
Sofern man jetzt vom Weißbier trinkt.
Mit Senf sei nun dein Haupt geziert,
Ein Riemisch Weckerl salutiert.
Zwei Grafen aus der Brezen Stamm,
Die stehn als Adjutanten stramm!
Wer diese Krönung richtig schätzt,
Wird selber gleich zum König jetzt.
Mit dem Bestecke der Natur
Beginnt er schnellstens die Verzuhr!
Vier Bissen, drauf ein kleiner Schluck,
Ein Loawi, das der Bäcker buk,
Dann folgt die zweite Königin.
Die dritte dampft im Haferl drin.
Ihr habt schon Könige geatzt.
Das Königreich ist längst geplatzt -
Bei euch platzt höchstens mal die Haut.
Ihr habt ein Säculum verdaut.
So, wie auch euch, ein Säculum!
Der Sänger widmet euch zum Ruhm
Dies Liedchen bis zum letzten Vers.
Ad multos annos - so, das wär's.!
Herbert Schneider

Der stolze Schlachtergesell

Was macht mir die Augen so scharf und so hell,
die Schultern und Arme so stark? -
Bin mit Leib und mit Seele ein Schlächtergesell,
das gibt mir den Blick und das Mark.
Das gibt mir das freie, das offne Gesicht,
das gibt mir den Adel ins Blut.
Die wildesten Stiere, ich fürchte sie nicht,
mein Herz will den Mann und den Mut!
Und geh' ich aufs Wandern und seh' ich die Welt,
so ist unermüdlich mein Fuß,
und ist meine Sache auf Zufall gestellt,
doch zünftig und heiter mein Gruß.
Kein redlicher Meister in Stadt und in Land
verweigert dem Redlichen Brot.
Doch hab' ich auch selber die offene Hand
für den darbenden Bruder in Not.
So nennt den Beruf mir, so nennt mir den Stand,
wo so freudige Burschen wie wir!
Wo findet man anders so schmuckes Gewand,
so edel die Werkzeug', die Zier?
Drum lebe der weiße, weitblinkende Staat,
die Kappe, der Gurt und das Beil!
Uns Männern der Ehre, der Freiluft und Tat:
Gut Stahl und gut Schlag und gut Heil!
Mein Vater war Schlachter und Schlachter bin ich.
Und Schlachter wird auch einst mein Sohn.
Die andern Berufe, die sind nichts für mich,
und brächten sie höheren Lohn.
Denn es gibt keine Augen so scharf und so hell,
keine Jugend so stark und so rein,
als der deutsche, der zünftige Schlachtergesell
zwischen Alpen und Meer und am Rhein.
Otto Freiherr von Taube

Im Ochsentritt

"Ich geh' im sachten Ochsentritt,
das Rind geht neben mir.
Ich führ' es zwar, doch gibt's den Tritt
mir an: ich folg dem Tier.
Verborgen bleibt mir, was es denkt
in seinem schweren Haupt,
indes uns gleiche Sonne sengt,
uns gleiche Straße staubt.
Doch daß ich selbst sehr glücklich bin,
spür' ich in Überschwang,
dann immer mehr vergeht dem Sinn
die Hast bei solchem Gang.
Und immer mehr und mehr versinkt
mein Blick in all die Schau
des wunderbaren Tags, der blinkt
von Sonnengold und Blau.
Die Weite dehnt sich prächtig aus,
warum durcheilt' ich sie?
Ich weiß, ich komme schon nach Haus
zusammen mit dem Vieh.
Will nichts als schaun und glücklich sein
und hab' dabei das Tier,
das schleppend hinsetzt Bein bei Bein
im Taktschritt aller vier.
Drum hetz' ich nicht und bin so froh,
daß meine Seele singt,
und dank' dem Tiere, das mich so
zu ruhigem Schauen zwingt."
Otto Freiherr von Taube

Verbraucher-Gedanken über BSE

Zu unser'm täglichen Gebrauch
gehört die Zigarette auch.
Und zum Essen gönn' ich mir
'nen guten Wein oder ein Bier.
Mein Handy hab' ich in Gebrauch,
dieses brauch ich nämlich auch.
Fast jeder schafft in der Fabrik,
zwar ist da der Rauch sehr dick,
doch für unseren Konsum
muss man halt mal etwas tun.
Mit Giften wird herumhantiert,
wenn bloß den Job man nicht verliert.
BSE hat nun 'ne Kuh
und was sagt ihr jetzt dazu?
Hysterisch rennt ihr gar herum,
dreht den Speisezettel um,
metzelt nieder ganze Herden,
das Leben soll doch besser werden!
Die Moral ich sagen kann,
ihr habt doch den Rinderwahn!
Vergiftet seid ihr all' komplett,
das macht das Töten auch nicht wett.
Lasst die Kühe doch in Ruh',
denn das Rindvieh, das bist Du!
Aus dem Rundschreiben der Freien Fleischer-Innung Hannover vom 19. April 2001

Fleischhacker

Lustig und wacker
sind die Fleischhacker.
Auf Gott tun sie vertraun
und auf die Ochsen tun sie haun.
Volksmund

Schinken und Speck

Ich schneide, schneide Schinken,
wen ich hab', werd' ich winken.
Ich schneide, schneide Speck,
wen ich lieb hab', hol' ich weg.
Volksmund

Worscht, Weck und Woin

Wer nicht liebt Worscht, Weck und Woin,
der kann kän ächte Määnzer soin!
Volksmund Mainz

Ein Berliner Wirt auf einer Zille-Zeichnung

Meine Wurst is gut -
Wo keen Fleesch is - da is Blut -
Wo keen Blut is - da sind Schrippen -
An meine Wurst is nich zu tippen!
Zille