Anuga Gefragt sind jetzt immer die Originale

Freitag, 06. Oktober 2017
Die Anuga bietet 10 Fachmessen unter einem Dach.
Foto: Kölnmesse GmbH
Die Anuga bietet 10 Fachmessen unter einem Dach.

Bio ist wieder gefragt, Regionalität ein starkes Verkaufsargument. Authentische Produkte und Frische sind Trumpf. Andererseits setzen die Anbieter auf der Anuga Meat auf recyclingfähige Mini-Packungen.

An hausgemachten Spezialitäten sind Kunden immer stärker interessiert: Sie sollen schmecken wie einst Omas Butterbrot, aber zeitgemäß als Portionen verpackt und acht Tage haltbar sein.

Dieses Fazit kommt bei der Umfrage im Vorfeld der Anuga in Köln zu Tage. Von den Fleisch- und Wurst-Nachahmerprodukten, die vor zwei Jahren an fast allen Ständen Furore machten, ist dagegen kaum noch etwas zu hören.

Ob saftiges Rindfleisch  oder zartes Lamm: Die europäischen Regionen von Galizien über Frankreich bis Schottland und Wales setzen auf den Faktor der natürlichen und kontrollierten Aufzucht.  Die Bandbreite der Rindfleisch-Zuschnitte steht ebenfalls im Fokus
Foto: rh
Ob saftiges Rindfleisch oder zartes Lamm: Die europäischen Regionen von Galizien über Frankreich bis Schottland und Wales setzen auf den Faktor der natürlichen und kontrollierten Aufzucht. Die Bandbreite der Rindfleisch-Zuschnitte steht ebenfalls im Fokus
Gefragt ist das Original, mit möglichst regionaler Herkunft, darin sind sich fast alle Anbieter einig. Veggie und Veganes rückt in den Schatten von Convenience und Frische. Das Fleischerhandwerk kann sich als Anbieter von Snacks und Zwischendurchmahlzeiten weiter profilieren und auch den Trend zu Spezialitäten ohne deklarationspflichtige Zutaten gut bedienen. Anregungen bietet die Anuga Meat reichlich.

Trend: schnell und lecker

Mit über 900 Anbietern aus 50 Ländern stellt die Anuga Meat ein neues Rekordergebnis auf. Erneut präsentieren sich Top-Player, kleinere und mittelständische Unternehmen Seite an Seite. In drei Messehallen belegt die Anuga Meat eine Bruttoausstellungsfläche von 55.000 m² und ist damit nach der Anuga Fine Food die zweitgrößte Fachmesse der Anuga. Als weltweit größte und wichtigste Foodmesse präsentiert die Anuga vom 7. bis 11. Oktober 2017 insgesamt über 7.200 Anbieter aus 100 Ländern.

Bei der Frage, welche Verbraucher-Trends aktuell bedient werden und welche Veränderungen im Einkaufsverhalten demnächst zu erwarten sind, sieht die Westfleisch (Münster) einen stetigen Wandel im Konsumverhalten in Richtung schnell und lecker. „Das spiegelt sich auch in unseren veredelten Produkten wider. Dabei sind Schalen-Menüs mit klassischen und traditionellen Zutaten genauso beliebt, wie sorgfältig zubereitete ‚Slow-Cook‘-Produkte wie Pulled-Pork oder Rinder-Sauerbraten“, erläutert die Genossenschaft.
Anuga - Scotch Beef
(Bild: Koelnmesse)

Mehr zum Thema

Anuga Fleisch bleibt ein zentrales Produkt

Laut Dr. André Vielstädte, Tönnies-Geschäftsführer Forschung und Leiter der Unternehmenskommunikation, ist die Messe ein Dreh- und Angelpunkt der Lebensmittelbranche und für die gesamte Unternehmensgruppe von hohem Stellenwert. Insbesondere für internationale Kunden gelte die Anuga als wichtige Kommunikationsplattform und sei somit bedeutend für den Neukundenkontakt, diene aber auch der Intensivierung bereits bestehender Geschäftsverbindungen.
Foto: Koelnmesse
Wie nach den spektakulären Innovationen der letzten Jahre kaum anders zu erwarten, spielt der Convenience-Bereich wieder eine wichtige Rolle. „Ready-to-cook“-Konzepte seien ebenso ausbaufähig, wie „To-go“ und generell Snack- und Fingerfood-Artikel. „Gleichzeitig treten Themen rund um die Erzeugung von Lebensmitteln immer stärker in den Fokus“, heißt es hierzu. Die Wertschätzung für Mensch, Tier und Umwelt spiele eine immer größer werdende Rolle in der aktiven Kommunikation. „Neuentwicklungen in den Trendsegmenten werden gewiss für Gesprächsstoff sorgen,“ verspricht das Unternehmen.

Bell Food sieht erhöhte Nachfragechancen für Premium-Charcuterie ebenso wie bei Produkten mit erhöhtem Conveniencegrad und Geflügel-Spezialitäten sowie Snacks in Bio-Qualität. Der Verbraucher verlange nach authentischen regionalen Spezialitäten, die gemäß Davide Elia (Leiter Marketing/Corperate Communication) von der Unternehmensgruppe bereitgestellt werden.

Die jüngsten Akquisitionen der Eidgenossen schufen demnach díe Basis für die erforderliche Sortimentsvielfalt. Gezeigt wird das deutlich erweiterte Sortiment an spanischen Schinken und Rohwurst. In Köln soll die Geflügel-Offensive im Vordergrund stehen, die bei Pökelware, Brüh- und Rohwurst das Angebot an 100 Prozent Geflügel in Bio-Qualität betreffen. Zudem setzt das Unternehmen auf vegane und vegetarische Vollwertküche. Probiert werden können dazu das Smoothie-Kit „Green Drink“ und frische, verzehrfähige „Karma Super Salads“. Damit sollen die beiden Aspekte „Ernährungsbewusstsein“ und „hoher Conveniencegrad“ bedient werden.

Ein Hauch von Luxus für den bewusst einkaufenden Kunden steht im Mittelpunkt bei Salomon. Dabei dreht sich bei Herstellung und Marketing alles um „homestyle“ und Eigengeschmack, bei dem das verwendete Fleisch bei Simmental-Burger die Hautrolle spielt. Ähnlich dem Homestyle Angus-Burger zielt der neue Burger auf die Premiumisierung der Fleischqualität ab und will somit einen neuen Standard setzen.

Schweinefleisch in Bio-Qualität und die Vielfalt an Rindfleisch stehen auch bei Vion im Mittelpunkt. Der Fokus liegt daher neben Bio (De Groene Weg) auf attraktiven Rassen-, Regional- und Reifekonzepten für hochwertige Edelteile, um die Nachfrage nach Genuss und Premium-Qualität zu bedienen. Hauptmarkenprogramme sind Goldbeef als Dachmarke mit den darunterliegenden Routen: Dry aged, Dry and Wet aged, 100 Prozent Simmental, 100 Prozent Färse, 100 Prozent Holstein Friesian.
Vion möchte die Nachfrage nach Genuss und Premium-Qualität zu bedienen.
Foto: rh
Vion möchte die Nachfrage nach Genuss und Premium-Qualität zu bedienen.
Beim Export liegt der Schwerpunkt bei Vions Rindfleischgeschäft auf der europäischen Nachfrage nach hochwertigen Edelteilen und Special Cuts, sowie nach „Beef Specialities“. Im Food-Service werden aktuelle Trends wie Premiumisierung, Destrukturierung des Alltags, Handwerklichkeit und Regionalität durch passende Konzepte bedient. Neue Verzehrerlebnisse sollen geboten werden und auf den Markt der jungen, mobilen Kundschaft zielen.

Trend: Haltung und Herkunft

Innovation geht nach den Aussagen des Schweizer Anbieters Micarna über die einzelnen Produkte hinaus. „Innovation bedeutet auch, dass man sich über die Produktionsformen Gedanken macht, die Art und Weise der landwirtschaftlichen Mast hinterfragt und neue Wege geht“, erklärt Geschäftsführer Albert Baumann.

Eines dieser Projekte wurde von der Stauss Geflügel GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Micarna und Bio-Geflügel Stauss, in den letzten Monaten erfolgreich umgesetzt und läuft unter der Bezeichnung „Alpigal“. „Alpigal schließt die Lücke zwischen Bio- und konventionell produzierten Hähnchen und spricht Kunden an, die Wert auf Tierwohl und Regionalität legen“, betont Robert Stauß, Unternehmensleiter von Stauss Geflügel. Konkret bedeute dies, dass die Hähnchen genügend Platz, Rückzugsmöglichkeiten und einen eigenen Wintergarten haben. Die Ställe sind maximal 660 Quadratmeter groß und müssen mit einem Kaltscharrbereich verbunden sein, welcher zusätzlich 165 Quadratmeter beträgt.

Gleichzeitig sind zusätzliche zehn Prozent der Stallgröße als erhöhte Sitzgelegenheiten definiert. Zudem leben die Hähnchen allesamt auf zertifizierten Betrieben, die nicht mehr als 200 Kilometer vom Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb in Ertingen entfernt sind.

Impulse für die Innovation von Lebensmitteln in den kommenden Jahrzehnten gibt das im Rahmen der Sonderausstellung „Taste 17“ ausgezeichnete Produkt „Pop Bugs“. Albert Baumann hat Grund zur Freude: „Offiziell ist es unser erster Snack mit Insektenproteinen.“ Selbst hat der Unternehmensleiter die Neuheit längst probiert und ist begeistert von den Hackbällchen mit Insektenmehl. Seine Begründung: „Einerseits, weil das Thema Insekten als Ergänzung unserer Ernährung ein wichtiges und aktuelles Thema ist. Andererseits, weil unsere Pop-Bugs auch optisch überzeugen.“

Trend: Geflügel

Geflügel von regionalen Höfen soll bei Wiesenhof schrittweise für mehr Genuss, Sicherheit und Vertrauen sorgen. Das verspricht Marketing-Geschäftsführer Dr. Ingo Stryck: „Wir garantieren 100 Prozent Geflügel aus deutscher Aufzucht.“ Überraschungen und Neuprodukte hat das Unternehmen ebenfalls im Gepäck, es will den Schleier aber erst in Köln lüften.

Müllerundmüller, die Spezialisten für Geflügelartikel von der Putenbratwurst bis zur geräucherten Entenbrust waren bisher unter Teutoburger Truthahnspezialitäten (TTS) bekannt. Der Neuauftritt unter dem Familiennamen der beiden Geschäftsführer Matthias und Frank Müller verspricht auch eine Erweiterung der Produktpalette. Neben klassischer Putenbrust stehen Pasteten, Aufschnitt und handgelegte Aspikspezialitäten im Mittelpunkt. 

Wiltmann stellt mit „Hähnchen Salami 80 g“, „Trüffel Salami edelgeschimmelt 80 g“ und „Chili Salami 80 g“ gleich drei neue Genießer-Teller für das SB-Regal vor. Das Bio-Angebot wird um „Bio Hähnchenbrustfilet, gebacken“ auf dem 50-g-Teller erweitert. Für die Bedienungstheke gibt es eine neue Pastete: die rustikale Rauch-Pastete mit Rotkohl. Zudem präsentiert Wiltmann die „Rein Rind Salami 250 g“ im Halbring und die „Braunschweiger Mettwurst 100 g“ im Genießertöpfchen. „Luftgetrocknete Mini-Salamis aus Rindfleisch“ im 80-g-Beutel erweitern die Salamissimo-Linie. Dazu kündigt das Unternehmen „eine echte Innovation“ an, „die es bisher in dieser Form im Wurstbereich noch nicht gibt“.

Regionalität bildet auch bei Cornelius einen Schwerpunkt, die Herkunftsregion wird schließlich schon auf dem Etikett hervorgehoben. Dies manifestiert sich auch am Ausbau der regionalen Spezialitäten-Sortimente. Cornelius wird im Bereich der klassischen Pfälzer Wurstspezialitäten Neuheiten und Sortimentserweiterungen präsentieren. Ein großes Thema werden die neuen kleineren Einheiten sein. „Dem Online-Handel kommt eine immer größere Bedeutung zu. Cornelius ist mit seinen Spezialitäten auf zahlreichen Plattformen erfolgreich vertreten“, berichten Petra und Peter Cornelius. „Unser Partner ist und bleibt jedoch vorrangig der stationäre Handel.“

Kleckerfrei und im Sinne des Wortes „stielvoll“ erlebt der Hot Dog eine rege Nachfragerenaissance. Als Corn Dog ist diese Art von Snack bei Damhus als Würstchen im Maismantel am Stiel voll im Trend. Nachdem das Produkt bisher nur tiefgekühlt angeboten werden konnte, stellt Damhus den Corn Dog jetzt auch als Frischeprodukt vor. Bei den Hot Dog-Würstchen ist auch eine Packung für das SB-Frischeregal im Sortiment.

Den Premium-Burger ultrafresh haben die Produktentwickler bei Sauels ausgetüftelt. Er wurde nach den Worten von Vertriebsvorstand Peter Voss als „eine satte Mahlzeit“ konzipiert. Das Produkt kann in der Mikrowelle erhitzt werden, verfügt über eine Restlaufzeit von acht Tagen und benötigt daher eine schnelle Logistik. Zielgruppe ist eine Klientel, die „bequemer und anspruchsvoller wird – in jedem Preissegment“. In diesem Sinne wurde auch der neue „Handmade Premium Craft Burger“ entwickelt.

Der Kölner Blutwurst-Spezialist G+S Schmitz siedelt sich in diesem Jahr nicht in den Fleisch-Hallen, sondern auf dem Stand des Gaststättenverbands Dehoga an. Die Nähe von klassischen Kölner Spezialitäten zum passenden Getränk ist damit gewährleistet. „Wir wollen Genuss-Botschafter sein“, erläutert die Geschäftsleitung diese Strategie. Und verspricht neue Rezepte, die der vermutlich ältesten Wurstsorte zeitgemäß kulinarischen Glanz verleihen sollen. Man darf daher auf Gerichte wie Flönz mit Chutney gespannt sein.

Trend: Rezeptservice

Einen Vorgeschmack auf die Aktionen für den Handel bietet der Stand des Consorzio del Prosciutto di Parma, der Verband der Parmaschinkenhersteller. Nicht nur die Schinken stehen im Mittelpunkt, auch das Ambiente rund um das erfolgreiche italienische Produkt lädt zur Verkostung und zum Gespräch ein. Werbematerialien mit Rezepten und Warenkunde-Informationen über die luftgetrocknete italienische Schinkenspezialität aus der Emilia-Romagna stehen zur Mitnahme bereit.
Foto: Consorzio del Prosciutto di Parma
Auf Tradition und das Ambiente der Schwarzwald-Region setzt die Schutzgemeinschaft Schwarzwälder Schinken. Die Rahmenbedingungen werden als herausfordernd beschrieben, dazu gehören volatile Schweinepreise ebenso wie Kostensteigerungen bei Logistik und Verpackung, lautet die aktuelle Einschätzung der Hersteller. „Eine inländische Marktdurchdringung von nahezu 100 Prozent bestätigt jedoch unseren Kurs, das Wachstum in qualitativer Hinsicht zu fördern“, so Hans Schnekenburger, Vorstand des Schutzverbands. „Unser Fokus liegt daher auf der Steigerung der Wertschätzung für das Kulturgut Schwarzwälder Schinken bei jungen, modernen Konsumenten.“ Über den Fachhandel werden etwa elf Prozent und über die Gastronomie rund vier Prozent der Produktion abgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren
stats