Bezahlmethoden Dem Kupfergeld adieu sagen?

Donnerstag, 15. Februar 2018
Lothar Quartier verzichtet nicht mehr auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen.
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Lothar Quartier verzichtet nicht mehr auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

Welche Vorlieben die Deutschen beim Bezahlen haben, offenbart eine Studie aus Hamburg: Sie lieben Bares. Aber eine Mehrheit plädiert für die Abschaffung der Münzen mit geringem Nennwert. Bezahlvorgänge per Smartphone setzen sich vorerst nicht durch.

Deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen ist für die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Schon 2016 plädierte eine Mehrheit für das Ende des lästigen Kupfergelds. Aber: Wenn es darauf ankommt, funktioniert der Verzicht – zumindest auf freiwilliger Basis – nicht, wie das Experiment von Kleve zeigt.

Das Marktforschungsinstitut Splendid Research befragte im Januar 2018 insgesamt 1.022 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren zu ihrer Einstellung zu Bargeld und zu ihrem Zahlungsverhalten befragt. Dabei wurde ermittelt, ob die Bundesbürger eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen befürworten, ob sie eine Obergrenze bei Barzahlungen akzeptieren würden und wie sie verschiedene Arten von Produkten am liebsten bezahlen.

Auch im Jahr 2018 ist mehr als jeder zweite Deutsche für die Abschaffung der kleinen Cent-Münzen in Deutschland. Für das damit verbundene Auf- und Abrunden des Endbetrags bei Barzahlungen sprechen sich fast zwei Drittel der Bundesbürger aus.

Die Bürger lieben Bares. Verzichtbar erscheinen nur kleine Münzen.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Die Bürger lieben Bares. Verzichtbar erscheinen nur kleine Münzen.
Während die Zustimmung zur Kleingeldabschaffung 2011 bei 49 Prozent, 2015 bei 53 und 2016 bei 57 Prozent lag, beträgt sie dieses Jahr bereits 58 Prozent.

In der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren hat der Anteil der Befürworter im Vergleich zu 2016 am stärksten zugenommen. Platzgründe im Portemonnaie sowie verlängerte Bezahlvorgänge an der Kasse sind die Hauptgründe, sich für eine Abschaffung auszusprechen. Die Gegner befürchten, der Handel könnte mit Preissteigerungen reagieren.

Im Vergleich mit ihren europäischen Nachbarn sind die Deutschen absolute Bargeldfans. Für eine komplette Abschaffung des Bargelds spricht sich nur eine Minderheit von 13 Prozent aus. Und auch eine Obergrenze für Barzahlungen würde nur von 18 Prozentakzeptiert. Der Anteil der Personen, die am liebsten mit Bargeld zahlen, hat im Verhältnis zu 2016 sogar wieder zugenommen. Besonders Lebensmitteleinkäufe bezahlen die Deutschen im Vergleich zu 2016 lieber mit Münzen und Scheinen.
„Insbesondere die Lebensmittel bezahlen die Deutschen am liebsten mit Münzen und Scheinen. “
Fast jeder Deutsche hat Bargeld dabei, im Durchschnitt sind es 67 Euro. Im Vergleich zu 2016 sind das sechs Euro weniger. Den höchsten Betrag an Münzen und Scheinen führen Bundesbürger im Alter von 50 bis 59 Jahren mit sich, hier sind es durchschnittlich 77 Euro. Deutsche im Alter von 18 bis 29 Jahren haben mit 49 Euro am wenigsten Bargeld in ihrem Geldbeutel. Auch die Geschlechterklischees lassen sich bestätigen: Männer verwahren im Schnitt zwölf Euro mehr Bares und damit rund 73 Euro in ihrem Portemonnaie, Frauen führen nur 61 Euro mit sich.

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone setzt sich bisher nicht durch: Über alle Produktkategorien hinweg liegt der Anteil der Personen, die Rechnungen am liebsten mit dem Handy begleichen, unter einem Prozent.
Lothar Quartier
(Bild: rh)

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In Kleve am Niederrhein lief vor zwei Jahren ein Praxistest an. Dort wurde in circa 80 Geschäften gerundet. Die Akzeptanz für die Initiative der Einzelhändler mit dem Motto „Geehrte Kunden, wir runden“ war zunächst vorhanden. 72 Prozent der Menschen hielten das Runden für „gut“ oder sogar „sehr gut“, nur 13 Prozent lehnten die Idee als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ab, wie die Hochschule Rhein-Waal in einer Kundenbefragung feststellte.

Auch Fleischermeister Lothar Quartier schloss sich der Aktion damals mit der Begründung an, dass die Kleingeldbeschaffung bei Banken teuer und unbequem sei. Mittlerweile ist der Klever wieder ausgestiegen. Am kürzlich modernisierten Stammsitz stellte er die „Runderei“ ein, weil dort ein Bezahlautomat angeschafft wurde.

In Quartiers Filialen war das Aktionsende ein schleichender Prozess. Denn: „Die Kunden wollten immer nur ab- und nicht aufrunden.“ Sein Kleingeld tauscht der Fleischrmeister jetzt kostenfrei und bequem mit dem Elektrofachmarkt Saturn: „Wir haben immer zu wenig kleine Münzen und Saturn viel zu viele.“

Die vollständige Studie der Spendid Research gibt es kostenfrei hier.

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