Das beste Stück Dinieren im achten Weltwunder

Freitag, 09. September 2016
Der Ursprung der historischen Wurstkuchl war ein kleines, an die Stadtmauer angelehntes Gebäude, das während des Baus der steinernen Brücke von 1135 bis 1146 als Baubüro diente.
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Der Ursprung der historischen Wurstkuchl war ein kleines, an die Stadtmauer angelehntes Gebäude, das während des Baus der steinernen Brücke von 1135 bis 1146 als Baubüro diente.
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Unesco Schmankerl


Die „Wurstkuchl“ gilt als historisches und traditionsreiches Lokal in der Regensburger Altstadt. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und gehört sogar zum Unesco-Weltkulturerbe. Neben seiner Geschichte bietet der Touristenmagnet auch kulinarische Schmankerl.

Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Der Rauch, der in Regensburg zwischen dem gotischen Dom und der Steinernen Brücke über die Donau die Windrichtung anzeigt, kündet von einem ganz besonderen Feuer. Er zieht ab von einem gewaltigen, auf Maß geschmiedeten Rost, unter dem die Holzkohlenglut immer wieder helle Flammen nach oben schickt.

Und da liegen dicht an dicht die Würstchen im fränkischen Fingerformat. Sie heißen hier Schweinswürstl, denn sie kommen nicht aus Nürnberg. Die Inhaber des als „Wurstkuchl“ berühmten Lokals – Brigitte und Andreas Meier – lassen die Würstl wie alles, was sie ihren Gästen auftischen, in der hauseigenen Metzgerei herstellen. Und das mild-säuerliche Kraut wird im eigenen Gärkeller angesetzt.

Grillsaison im ganzen Jahr

Das wissen die Gäste aus der Nachbarschaft, aus den übrigen Bundesländern, aus Dänemark, Japan oder den Vereinigten Staaten zu schätzen. Für sie ist die Einkehr an der Wurstkuchl am Ende der Weiße-Lamm-Gasse ebenso obligatorisch wie die Begutachtung des prächtigen Bischofsschatzes im Dom, die Strudel-Rundfahrt auf der Donau und die Wanderung über die 14 Sandsteinbögen der einst als „8. Weltwunder“ gefeierten Steinernen Brücke.
Aus der hauseigenen Metzgerei wandern die Würstl direkt auf den traditionellen Holzkohlegrill.
Foto: abe
Aus der hauseigenen Metzgerei wandern die Würstl direkt auf den traditionellen Holzkohlegrill.
Damit gehört der Flachbau mit der hohen Esse fest zum Weltkulturerbe, als das die Regensburger Altstadt von der Unesco geschützt ist. Er fungierte von 1135 bis 1146 als Büro der Baumeister, als die älteste heute erhaltene Brücke über den zweitlängsten Strom Europas errichtet wurde.

Vom Büro, zur Garküche, zur Wurstküche

Als die Arbeiter ihr Werk verrichtet hatten, wurde das nicht mehr benötigte Gebäude umgebaut und fungierte seitdem als „Garküche auf dem Kranchen“, wobei sich die Ortsangabe auf eine Uferanhöhe mit Kran bezog. Über mangelnden Zuspruch dürften sich die Betreiber kaum beschwert haben angesichts dieses Nadelöhrs zwischen Ulm und Wien, durch das sich die Kaufleute mit ihren Fuhrwerken auf der Süd-Nord-Route einfädeln mussten.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dann wurde vom Garfleisch umgestellt auf die Schweinswürstl. Sie werden heute nur so dezent mit Pfeffer verfeinert, dass sich das Aroma des grob gewolften Schinkenfleischs mit der herzhaften Röstnote voll entfalten kann. Im Saitling abgefüllt müssen mindestens sechs Stück auf das Krautbett gelegt werden. Je nach Hungerdimension werden auch acht, zehn oder das volle Dutzend serviert. Schwarze Kipferl heißen die Semmeln vom Backhaus Schwarzer, die in den Körben auf den Tischen bereitgehalten werden.

Speisekarte mit Kultgerichten

Die Kellnerinnen und Kellner sind so aufmerksam wie die Mitarbeiter des Ordnungsamts in den Kurzzeitparkzonen – aber ungleich willkommener. Sie haben inzwischen auch etwas mehr zu bieten als die Kultwurst. Kartoffelsuppe zum Beispiel oder Schweinsbrüstl aus dem vorgekochten Wammerl ebenfalls vom Rost. Da macht die Grillsaison keine Pause, denn zum Freisitz mit 100 Plätzen von Februar bis November kommt noch die Wurststube mit 28 und die Schenke im Salzstadel nebenan mit weiteren 65 Plätzen.

Allein die Regensburger Würstchen – ein nur hier hergestelltes herzhaftes Würstchen von zehn Zentimertern im Kranzdarm – stehen hier nicht auf der Karte. Die auch Knacker, Dicke oder Handwurst genannte Delikatesse mit einer Würzkomposition aus Majoran, Muskatblüte, Kardamom, Zwiebel und anderen Zutaten gibt es einen Katzensprung weiter am Fischmarkt, wo sie die Metzgerei Kain in ihrem gotischen Bogengewölbe zusammen mit anderen typisch fränkischen Spezialitäten feilbietet.

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