Ladenbau Bekenntnis zu Weiß und Holz

Donnerstag, 25. Mai 2017
Alternative zur L-Form: Die zweifach abgewinkelte Umlufttheke der Metzgerei Egeler fordert den Kunden zwar längere Laufwege ab, dafür bietet sie wesentlich mehr Platz für das umfangreiche Warenangebot.
Foto: Kramer
Alternative zur L-Form: Die zweifach abgewinkelte Umlufttheke der Metzgerei Egeler fordert den Kunden zwar längere Laufwege ab, dafür bietet sie wesentlich mehr Platz für das umfangreiche Warenangebot.
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Ladenbau


Umbau bei Egeler in Ammerbuch. Kein Gedränge mehr vor und hinter der Theke. Dickes Umsatzplus und mehr Platz für Ware. Gekühltes aus dem „Adventskalender“.

„Wir brauchten mehr Platz in und auch hinter der Theke.“ Damit begründet die Familie Egeler aus Ammerbuch bei Tübingen den im Oktober 2016 abgeschlossenen, umfangreichen Umbau ihres Verkaufsraums.

Vor allem an den Wochenenden, wenn bei den Egelers üblicherweise acht Verkäuferinnen im Einsatz sind, gab es Gedränge hinter dem Tresen. „Und wir hatten nicht genügend Platz für unser umfangreiches Sortiment“, berichtet Günther Egeler. Seine Familie und er suchten seit 2013 nach dem richtigen Konzept für die Erweiterung und sind mit ihrem im vergangenen Oktober fertiggestellten und eröffneten Laden sehr zufrieden.

Für den Innenausbau zeichnete Kramer Ladenbau verantwortlich; Christine Egeler und Tochter Lena waren eng in den Einrichtungsprozess eingebunden. Die beiden Frauen entschieden sich bewusst für eine reduzierte Farbpalette. Sie wählten deshalb komplett in Weiß gestaltete Möbelkomponenten. „Wir wünschten uns ein geschmackvolles Ambiente nach dem Prinzip ‚weniger ist mehr‘“, betonen sie. Auf Thekenfronten, Schrank- und Wandblenden sowie Brot-, SB- und Dekoregalen wurden kontrastierende, acht Millimeter dicke Furniere aus altem Eichenholz aufgepresst. „Das Material stammte sogar zufällig aus unserer Region“, berichtet der Chef, der seine Heimatverbundenheit überdies mit der Verpflichtung örtlicher Handwerker und deutscher Hersteller unterstrich.

Ein Hingucker ist der wiederholte Einsatz eines stilisierten Stierkopfs als dekoratives Symbol. Er schmückt die Milchglastür zu den Vorbereitungsräumen, als Deko-Detail an SB-Regalen und als Beleuchtungselement. Typografisch inszenierte Schlagworte wie „Handwerk“, „Kultur“ oder „Ammertal meats Himalaya“ auf den Holzelementen setzen dekorative Glanzlichter.

Während des Umbaus lief der Betrieb ununterbrochen weiter – lediglich in der Endphase hielten die Bauherren gut zwei Wochen geschlossen. „Wochenlang waren bis zu 35 Mitarbeiter aus zehn bis zwölf verschiedenen Gewerken gleichzeitig auf der Baustelle. Dass alles so reibungslos lief, ist bestimmt auch dem Frühstück und Mittagessen geschuldet, mit dem wir sie täglich bei Laune gehalten haben“, versichert Egeler augenzwinkernd. Als abschließenden Dank an alle Beteiligten richtete die Familie auch noch bei der Eröffnungsfeier ein Essen mit Spanferkel und Rostbraten aus.

  • Nach vorn gerückt: Der neu gestaltete Verkaufsraum mit jetzt doppelter Fläche wurde in Richtung Straße erweitert.
    Nach vorn gerückt: Der neu gestaltete Verkaufsraum mit jetzt doppelter Fläche wurde in Richtung Straße erweitert. (Bild: mm)
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  • Alternative zur L-Form: Die zweifach abgewinkelte Umlufttheke der Metzgerei Egeler fordert den Kunden zwar längere Laufwege ab, dafür bietet sie wesentlich mehr Platz für das umfangreiche Warenangebot.
    Alternative zur L-Form: Die zweifach abgewinkelte Umlufttheke der Metzgerei Egeler fordert den Kunden zwar längere Laufwege ab, dafür bietet sie wesentlich mehr Platz für das umfangreiche Warenangebot. (Bild: Kramer)
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  • Praktische Mittelinsel: Das mit einem drehbaren Edelstahl-Gehängebaum ausgestattete Element bietet zusätzliche Präsentationsmöglichkeiten und mehr  Arbeitskomfort.
    Praktische Mittelinsel: Das mit einem drehbaren Edelstahl-Gehängebaum ausgestattete Element bietet zusätzliche Präsentationsmöglichkeiten und mehr Arbeitskomfort. (Bild: mm)
  •  Die Farbpalette ist bewusst schmal gehalten. Die Möbelkomponenten sind deshalb komplett in Weiß gestaltet, abgesetzt mit Furnier aus altem Eichenholz.
    Die Farbpalette ist bewusst schmal gehalten. Die Möbelkomponenten sind deshalb komplett in Weiß gestaltet, abgesetzt mit Furnier aus altem Eichenholz. (Bild: Kramer)
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  • Perfekt präsentiert: Der Dry-Age-Reifeschrank, ausgerüstet mit Sichtfenster und der ladenseitig zu öffnende Verkaufs- und Schauschrank.
    Perfekt präsentiert: Der Dry-Age-Reifeschrank, ausgerüstet mit Sichtfenster und der ladenseitig zu öffnende Verkaufs- und Schauschrank. (Bild: Kramer)
  • Die Kaffeestation.
    Die Kaffeestation. (Bild: mm)
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  • Platz für die Pause: Der Verzehrbereich mit halbhoher Wandverkleidung aus Holz, dekorativen Kuhporträts und historischen Szenen lädt zum Verweilen ein.
    Platz für die Pause: Der Verzehrbereich mit halbhoher Wandverkleidung aus Holz, dekorativen Kuhporträts und historischen Szenen lädt zum Verweilen ein. (Bild: Kramer)
  • Nur von der Färse: Günther Egeler verfolgt beim Rindfleischangebot eine klare Qualitätsstrategie.
    Nur von der Färse: Günther Egeler verfolgt beim Rindfleischangebot eine klare Qualitätsstrategie. (Bild: mm)
  • Wie ein Adventskalender: In den 24 Kühlfächern verbergen sich die abholbereiten Bestellungen.
    Wie ein Adventskalender: In den 24 Kühlfächern verbergen sich die abholbereiten Bestellungen. (Bild: mm)
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  • Die Metzgerei Egeler nutzt auch einen klassischen Vending-Automaten. Hier können die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten einkaufen.
    Die Metzgerei Egeler nutzt auch einen klassischen Vending-Automaten. Hier können die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten einkaufen. (Bild: mm)
„Wir wollten ganz bewusst keine L-Form“, erklären die Egelers. Den Wunsch nach mehr Platz für Fleisch, Wurst, Käse und Salate realisiert die zweifach gewinkelte Umlufttheke von Kramer. Das verlangt den Kunden zwar längere Laufwege ab, für die Mitarbeiter sind sie aber kürzer. Als äußerst praktisch fügt sich die von allen Seiten benutzbare Mittelinsel aus niedrigen Schrankteilen in den Arbeitsbereich ein. Sie trägt einen bis zur Decke ragenden, drehbaren Edelstahl-Gehängebaum. Dessen „Äste“ rücken Chili-Salamisticks, Lamm-Bratwurst, Rinder-Landjäger, Piri-Piri-Würstchen, Debrecziner oder Pfefferbeißer viel besser ins Blickfeld.

Die Spontankäufe freuen Martin Egeler: Der Sohn des Hauses ist leidenschaftlicher Rohwurstproduzent. Die Arbeitsflächen der Insel nutzen die Verkäuferinnen zum Versiegeln oder Vakuumieren, so dass die Kunden „ihre Ware“ stets im Auge behalten.

Außerdem bietet das mittige Element Platz für den Schrägschneider, auf dem große Schinkenstücke portioniert werden. Häufig angesteuert wird auch der an der Rückfront installierte Vorbereitungsplatz mit lückenloser Kühlung. „Dort kann man Bestellungen kurzfristig zwischenlagern, wenn man das Herrichten unterbrechen muss“, erläutert der Chef.
„Das Arbeiten ist durch den Wohlfühlboden und die verbesserte Akustik viel angenehmer.“
Günther Egeler
Sein Team schätzt nicht nur den großzügigeren Arbeitsbereich, das Hin- und Herlaufen beim Bedienen ist wegen des neu verlegten, von einem örtlichen Handwerker wärmstens empfohlenen „Wohlfühlbodens“ viel entspannter geworden. Die Skepsis bezüglich der Sauberhaltung der Lauffläche war rasch zerstreut: Die Reinigung ist völlig unproblematisch. Für den Kundenraum fiel die Wahl auf diagonal verlegte helle Fliesen.

Außerdem erlaubt die verbesserte Raumakustik ein angenehmeres Arbeiten: Die weiße Schallschutzdecke mit oberhalb der Theke abgehängtem Element schluckt einen Großteil der Lautstärke, die sich bei hoher Kundenfrequenz nicht vermeiden lässt. Ihre ergonomischen Vorteile spielen die Scale-Pad-Waagen von Bizerba aus: Sie sind in die Arbeitsflächen integriert und erlauben einen barrierefreien und zugleich rückenschonenden Griff in die Auslage.

Die neue Theke ist insgesamt zwölf Meter lang: Sie wird eingefasst von zwei links- und rechtsseitig platzierten Kassenautomaten, die die Egelers und ihr Team als Pilotbetrieb der Anbieter Bizerba und Diebold Nixdorf erproben. Den Wegfall des Kassierens begrüßen die Verkäuferinnen sehr: Sie müssen nicht jedes Mal die Hände waschen, wenn ein Bedienvorgang beendet ist. Allerdings begleiten sie jeden Kunde bis zum Automat, um gegebenenfalls bei der Handhabung zu helfen und vor allem das Beratungsgespräch nicht zu unterbrechen.

Durch die von ehemals 60 auf jetzt 110 qm vergrößerte Verkaufsfläche erhielt auch der Imbiss- und Warmthekenbereich mehr Raum. Appetit auf Antipasti, Vitello Tonnato, Frisch- und Räucherfisch oder feine Meeresfrüchte weckt der attraktive Snackcounter mit drei Etagen und gerundetem Glasaufsatz.

Direkt neben dem Counter gewährleistet eine praktische Sprechanlage die fixe Kommunikation zwischen Laden und Küche. Am rechten Thekenende lädt die optisch abgeteilte Verzehr-Ecke – ausgestaltet mit halbhoher Wandverkleidung aus Holz und dekorativen Fotos von Kühen und Szenen aus der Firmenhistorie – zum Verweilen ein. Dunkle Hocker mit Ledersitzfläche und eine fest installierte Bank bieten Platz für die Gäste. „Hervorragend angenommen wird auch unsere mit Tassenwärmer ausgestattete SB-Kaffeestation“, freut sich der Chef. Sie ist in einem kompakten Schrankregal untergebracht und liefert frisch aufgebrühten Espresso, Latte Macchiato, Cappuccino sowie Kakao.
„Etwa fünf Stunden nach der Bestellung ist das einzelne Fach im Abholsystem bestückt.“
Lena Egeler
Wer es nicht schafft, seinen Bedarf während der Geschäftszeiten zu decken, ordert Fleisch und Fleischwaren telefonisch oder per Mail und holt seine Waren später an Egelers Serviceboxsystem ab. Diesen „Adventskalender mit 24 Türen“ nutzen auch Kunden wie der Radsportler, der beim Leeren „seines“ Fachs noch nicht mal sein Bike abschließen braucht. „Etwa fünf Stunden nach der Bestellung wird das jeweilige Fach bestückt“, verrät Lena Egeler.
In den 24 Kühlfächern verbergen sich die auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten abholbereiten Kundenbestellungen.
Foto: mm
In den 24 Kühlfächern verbergen sich die auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten abholbereiten Kundenbestellungen.
Alle 24 Fächer sind auf 4,4 °C gekühlt, ihre Türrahmen sind beheizbar, damit sie nicht zufrieren. „In der Grillzeit könnten die Boxen vielleicht knapp werden. Aber dann haben die Kunden immer noch die Möglichkeit, sich an unserem Regiomat direkt neben der Ladentür einzudecken.“

Weblink zur Metzgerei Egeler

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