Ladenbau Müller schafft Platz für Köstlichkeiten

Dienstag, 13. Dezember 2016
Seniorchef Jürgen Müller steht oft an der manuellen Aufschnittmaschine mit der auffallenden Retro-Optik.
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Seniorchef Jürgen Müller steht oft an der manuellen Aufschnittmaschine mit der auffallenden Retro-Optik.
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Ladenbau


Die Feinkost-Fleischerei Müller kurbelt den Umsatz durch eine Frischzellenkur für den Laden an. Das Fachgeschäft im Dresdner Villenviertel optimierte notgedrungen die Einrichtung auf vorhandener Fläche. Dabei schuf sie einen gelungenen Spagat mit modernen und nostalgischen Elementen. Eine ausgeklügelte Beleuchtung setzt alles perfekt in Szene – allen voran das Sortiment.

Unter Kennern erlesener Fleisch- und Wurstspezialitäten aus der sächsischen Landeshauptstadt ist der Rißweg 62 eine wahre Institution. Das Fachgeschäft der Familie Müller hat sich mit außergewöhnlichen Eigenkreationen, einer Vielzahl hierzulande kaum bekannter Fleischsorten und -zuschnitte sowie internationalen Besonderheiten einen Ruf im gehobenen Segment erarbeitet, der über die Stadtgrenzen Dresdens hinausreicht.

„An Samstagen reicht die Kundenschlange oftmals bis vor die Tür“, berichtet Jürgen Müller. Der Obermeister der Innung Dresden führt den Familienbetrieb gemeinsam mit Tochter Kristin, wobei die Staffelübergabe an die inzwischen vierte Generation bereits fast abgeschlossen ist. Trotz stimmender Kundenresonanz und gesicherter Unternehmensnachfolge war der 60-Jährige mit einer Sache nicht ganz zufrieden: „Wir hatten einfach viel zu wenig Platz, um unser breites Sortiment ansprechend der Kundschaft zu präsentieren.“

An der Decke zieht das Lichtband der Vouteninstallation die gewinkelte Form der Theke nach.
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An der Decke zieht das Lichtband der Vouteninstallation die gewinkelte Form der Theke nach.
So erhielt das Geschäft im mondänen Villenviertel Weißer Hirsch Anfang des Jahres eine umfassende Sanierung. Die letzte Frischzellenkur des seit 1940 bestehenden Unternehmens erfolgte vor 25 Jahren. Damals wurde die Ladenfläche bereits durch einen kleinen Anbau erweitert, in dem sich seither der Imbissbereich befindet. „Gern hätten wir nun das Geschäft zur Straßenseite noch weiter vergrößert, doch das war leider aus städtebaulicher Sicht nicht machbar“, erklärt der Fleischermeister. Vor diesem Hintergrund mussten andere Lösungen gefunden werden, um die rund 70 qm große Verkaufsfläche effektiver zu nutzen.

Hierzu holten sich die Dresdner Unterstützung vom Regensburger Ladeneinrichter Hanke. Gemeinsam erarbeiteten sie ein Konzept, das einerseits die handwerkliche Tradition angemessen würdigt, gleichzeitig das Interieur sowie die Technik auf den heutigen Stand bringt. Fünf Wochen dauerten die Umbauarbeiten. In der Zwischenzeit lief das Geschäft mithilfe des eigenen Verkaufsmobils weiter. Anfang März gab es schließlich die Wiedereröffnung.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dunkelgraue Fliesen zieren große Teile des Raums. Mit ihrer glänzenden Lackierung sowie vereinzelten Ornamenten verbinden sie Historie und Moderne gekonnt miteinander und verleihen dem Geschäft eine hochwertige Optik. Direkt gegenüber dem Eingang bietet ein neuer Fleischschauschrank zusätzliche Präsentationsfläche. Darin hat Müller endlich ausreichend Platz für seine Sammlung internationaler wie regionaler Leckerbissen. Die auf drei Etagen verteilte Auslage nimmt Gourmets mit auf eine kulinarische Weltreise: Argentinien, Australien, Irland, Uruguay, die USA sowie die heimatliche Sächsische Schweiz lauten dabei nur einige der Stationen. „Eine größere internationale Fleischauswahl ist meines Wissens nirgendwo in der Stadt zu finden“, verkündet der Chef stolz.
  • Die neue Theke der Feinkost-Fleischerei Müller.
    Die neue Theke der Feinkost-Fleischerei Müller. (Bild: fl)
  • Das neue Heiligtum: Der Fleischschauschrank.
    Das neue Heiligtum: Der Fleischschauschrank. (Bild: fl)
  • Kein Kunde muss rätseln, wie die Wurst heißt, auf die er durch die verlockende Präsentation Appetit bekommen hat.
    Kein Kunde muss rätseln, wie die Wurst heißt, auf die er durch die verlockende Präsentation Appetit bekommen hat. (Bild: fl)
  • Der Platz im Wandregal reicht nicht nur für das Sortiment von handverlesenen Feinkostartikeln, sondern auch für die Pokale und sogar eine alte Ladenwaage.
    Der Platz im Wandregal reicht nicht nur für das Sortiment von handverlesenen Feinkostartikeln, sondern auch für die Pokale und sogar eine alte Ladenwaage. (Bild: fl)
  • Jürgen Müller
    Jürgen Müller (Bild: fl)
  • An der Decke zieht das Lichtband der Vouteninstallation die gewinkelte Form der Theke nach.
    An der Decke zieht das Lichtband der Vouteninstallation die gewinkelte Form der Theke nach. (Bild: fl)
  • Zu den liebenswerten Details gehört ein zur Lampe umfunktionierter Fleischwolf.
    Zu den liebenswerten Details gehört ein zur Lampe umfunktionierter Fleischwolf. (Bild: fl)
  • Neuer Snack-Counter für Käse und Fisch.
    Neuer Snack-Counter für Käse und Fisch. (Bild: fl)
Eine weitere Neuerung ist für die Kundschaft nahezu unsichtbar. Lediglich zwei Lüftungsschlitze in der Decke zeugen von der ausgeklügelten Klimaanlage. Sie entfeuchtet nicht nur die Raumluft, sondern nutzt in der Heizperiode gleichzeitig die warme, trockene Abluft der Kühlanlage zum Heizen.

Das zentrale Element des Ladens ist jedoch weiterhin die Theke aus dem Hause Hanke, die in ihrer leicht gebogenen Form dem Vorgängermodell gleicht. „Hier hatten wir aufgrund des gegebenen Grundrisses kaum Variationsmöglichkeiten“, sagt Müller. Genau genommen ist die Theke nun sogar etwas kürzer als zuvor. Denn am Ende wurde ein Snack-Counter eingesetzt.

In der gläsernen Vitrine befindet sich jeweils montags bis donnerstags eine Auswahl an Molkereiprodukten. Freitag und Samstag dient sie hingegen als Theke für frischen Fisch. Zudem wurde neben dem Snack-Counter noch ein kleiner Durchgang geschaffen, der die Kundschaft zum Wandregal mit ausgewählten Zusatzartikeln führt. Auch dort setzt die Familie auf Feinkost wie handgemachte Marmeladen oder feine Öle. Als besonderer Hingucker erweist sich bei genauer Betrachtung die gläserne Rückwand des Regals. Auf ihr ist die historische Ansicht des Ladens aufgebracht.

Es sind die Details, die der Betrachter häufig erst auf den zweiten Blick entdeckt, die aber den Charme des renovierten Geschäfts ausmachen. Dazu zählt eine eher unscheinbare Lampe in Form eines Fleischwolfs. Bei der Beleuchtung lebte der Senior-Chef seine eigenen Vorlieben aus. Zusätzlich zu den klassischen Deckenstrahlern, die auf die energiesparende LED-Technik umgerüstet wurden, ließ er noch eine Voutenleuchte an der Decke installieren.

Interieur und Technik im Gleichklang

Als KG wird die 1940 gegründete Fleischerei Müller in dritter und vierter Generation von Jürgen Müller und Tochter Kristin geführt. +++ Standort ist im Dresdner Villenviertel Weißer Hirsch. +++ Die Verkaufsfläche beträgt 70 qm, nachdem bei der letzten Modernisierung vor 25 Jahren ein Anbau realisiert werden konnte. Diesmal gab es für eine angestrebte Erweiterung keine Genehmigung. +++ Die Theke ist nun ein wenig kürzer als zuvor, weil der Platz für einen Snack-Counter gebraucht wurde, in dem unter der Woche die Molkereiprodukte und freitags und samstags das Seafood-Programm präsentiert wird. +++ Ein Schauschrank kam ebenfalls neu hinzu. Darin bringen die Müllers auf drei Etagen das Fleisch unter. Für die enorme Auswahl ist der Betrieb über die Stadtgrenzen hinaus berühmt. +++ Nicht neu ist die handbetriebene Aufschnittmaschine. Bei dem knallroten Modell John’slicers Volano ist aber nur die Optik nostalgisch. +++ Das Licht ist ein wesentlicher Teil der Raumgestaltung. Außer zwei Ausführungen von Deckenstrahlern ist dort eine Voutenbeleuchtung installiert. Durch sie lässt sich per Fernbedienung die Farbe im Raum wechseln. Eher Dekoration als Lichtquelle ist der zur Lampe umfunktionierte Fleischwolf.
Die Farbe des LED-Bands kann er per Fernbedienung wechseln, sodass sich das Ambiente des Raums je nach Belieben oder Anlass ändert. Ein weiteres Highlight in der Einrichtung ist die manuelle Handaufschnittmaschine von John’slicers Volano, an der nur die Optik antik ist. An den Wochenenden stellt sich Müller vorzugsweise selbst an das imposante Gerät, das die Kunden immer wieder aufs Neue beeindruckt.

Ziel des Sachsens ist, nicht einfach nur Ware an den Mann oder die Frau zu bringen, sondern der Kundschaft ein besonderes Einkaufserlebnis zu bieten. Müllers aufgeschlossene Art kommt ihm dabei sehr zugute. Mit Leib und Seele kann er auf fesselnde Weise ausgiebig über die Entstehung sowie Herkunft jedes einzelnen Produkts referieren. „In der Branche herrscht derzeit eine gewisse Aufbruchstimmung. Kollegen wie Ludwig ‚Lucki‘ Maurer, Dirk Ludwig oder die Jungs von Kumpel und Keule bringen mit ihrer coolen Art das Handwerk sichtlich voran. Das gefällt mir und ich möchte ebenfalls als Teil dieser Bewegung vorangehen“, beschreibt Müller seinen Antrieb.

Und sein Engagement zahlt sich aus. Sorgte in den vergangenen Jahren allein der hauseigene Partyservice für kontinuierliches Umsatzwachstum, verzeichneten die Dresdner seit dem Umbau auch im Laden – zuvor gleichbleibend – ein deutliches Absatzplus.

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