Markenware „Unsere Nische stand von Anfang an fest“

Mittwoch, 05. Oktober 2016
Thorsten Schäfer ist seit 2011 ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei der Wurst- & Schinkenmanufaktur Bedford in Osnabrück und seit 2015 Geschäftsführer mit dem Schwerpunkt Vertrieb und Marketing.
Foto: Bedford
Thorsten Schäfer ist seit 2011 ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei der Wurst- & Schinkenmanufaktur Bedford in Osnabrück und seit 2015 Geschäftsführer mit dem Schwerpunkt Vertrieb und Marketing.
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Bedford Bedientheke Markenware Markenstrategie


Im Gespräch mit fleischwirtschaft.de gibt Geschäftsführer Thorsten Schäfer Einblick in die Markenstrategie von Bedford.

Herr Schäfer, die Produkte von Bedford sind in der Bedientheke eine feste Größe. Erläutern Sie unseren Lesern die Philosophie des Osnabrücker Familienunternehmen, die dahinter steht.

Thorsten Schäfer: Bedford versteht sich als fairer und zuverlässiger Partner des Fleischerhandwerks und als Spezialist für die Bedientheke, wenn es um den Zukauf hochwertiger Ware geht. Wir wollen nicht die Eigenproduktion des Metzgers ersetzen, sondern diese mit exklusiven Wurst- und Schinkenspezialitäten abrunden und aufwerten. Dabei verfolgen wir eine kompromisslose Qualitätsphilosophie: Unsere Produkte lassen sich nicht industriell herstellen, sondern werden aus erlesenen Rohstoffen und nach eigenen Rezepturen von Hand gefertigt.

Welche Strategie verfolgt Bedford in der Vermarktung seiner Produkte?

Schäfer: Unsere Philosophie setzen wir auch bei der Vermarktung unserer Produkte konsequent fort: Getreu dem Motto „SB bedienen wir nicht, Discount sparen wir uns“ werden Bedford-Produkte ausschließlich an Bedientheken von Metzgereien, Feinkostläden und ausgesuchten Lebensmitteleinzelhändlern verkauft. Uns kommt es auf fundierte und fachkundige Beratung durch geschultes Verkaufspersonal an, wofür wir auch ein eigens von Bedford entwickeltes Theken-Erfolgsrezept konzipiert haben. Zusammen mit der herausragenden Qualität unserer Produkte schaffen wir damit einen Mehrwert für den Endkunden, der uns klar von SB abgrenzt.

Welche Überlegungen führten dazu, eine Marke zu schaffen?

Schäfer: Auch wenn der Endkunde gezielt nach besonderen Produkten wie unserer Saltufo oder Zungenrotwurst fragt, weiß er dabei nicht, dass diese Produkte von uns kommen. Feinste geräucherte Entenbrust, Gänsebrust in Orangenkonfit oder Wildschweinschinken – das sind exquisite Spezialitäten, die oft ins Gesamtsortiment der Theke einfließen, ohne dass sie durch ein Logo oder eine Verpackung als Bedford-Produkte erkennbar sind. Hier beginnt die Herausforderung: Wir wollen als Marke für feinste deutsche Wurst- und Schinkenspezialitäten auch vom Verbraucher wahrgenommen und wiedererkannt werden. 

„Unsere Schinken transportieren nicht das Urlaubsflair von Italien und Spanien, sondern sind echte deutsche Handwerkskunst. Darin besteht unser Alleinstellungsmerkmal.“
Thorsten Schäfer, Bedford


Worin unterscheiden sich Bedfords Schinkenspezialitäten von anderen hochwertigen Produkten?

Schäfer: Wer heute an der Bedientheke nach Spezialitäten fragt, wird oft auf französische, italienische und spanische Ware hingewiesen – dabei müssen sich unsere 13 Monate luftgetrockneten und geräucherten Rohschinken vor keinem Parma- oder Serranoschinken verstecken. Unsere Schinken transportieren allerdings nicht das Urlaubsflair von Italien und Spanien, sondern sind echte deutsche Handwerkskunst. Darin besteht unser Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir uns als Marke Bedford positionieren wollen, insbesondere im Wettbewerb mit dem südlichen Ausland.

Mussten dafür neue Produkte entwickelt werden oder haben Sie sich eine spezielle Nische gesucht – Schinken eben?

Schäfer: Unsere Nische stand von Anfang an fest: Wir spezialisieren uns auf die Herstellung hochwertiger handwerklicher Spezialitäten exklusiv für die Bedientheke. Besondere Optik, hervorragender Geschmack und gleichbleibend hohe Qualität zeichnen unsere Delikatessen seit jeher aus. Daher mussten wir keine neuen Produkte für die Positionierung als Marke entwickeln, sondern lediglich die schon immer hinter unseren Produkten stehende Marke Bedford deutlicher in Erscheinung treten lassen.

Wie gelingt Ihnen das?

Schäfer: Um als Marke präsenter zu werden, ergänzen wir mittlerweile unser Angebot durch kleine vorverpackte Varianten bestimmter Produktgruppen. Dazu gehören zum Beispiel Pastetenscheiben, Leberwurstkugeln, Schmalzgläser oder – ganz neu – Mini-Pâté-Becher. Dabei nutzen wir die Chance, unseren Produkten mit dem Schmucketikett auch unseren Namen mitzugeben.

Wie wichtig sind Marken für Fleischerzeugnisse?

Schäfer: In der Vergangenheit waren Metzgereien bestrebt, alles in Eigenproduktion herzustellen. Das ist heute weder rentabel noch praktikabel. Durch den Zukauf exklusiver Markenprodukte, die auch als solche ausgezeichnet werden, wertet ein Bedienthekenbetreiber seine Theke auf, grenzt sich von Wettbewerbern ab und gewinnt neue Käufer.

Ist es schwer, ein Markenprodukt zu kreieren?

Schäfer: Die Herausforderung besteht für uns vor allem darin, in der Bedientheke mit dem Namen Bedford aufzutauchen. Im SB-Markt, wo die Hersteller mit ihren Unternehmensnamen auf den Produktverpackungen präsent sind, fällt es leichter, ein Produkt mit einer Marke in Verbindung zu bringen. Auch wenn handgefertigte Delikatessen wie beispielsweise unsere Pasteten echte Hingucker sind, arbeiten wir noch an der Wiedererkennbarkeit als Marke. Unser primäres Ziel bleibt aber, als Partner des Handwerks aufzutreten und die Bedientheke optisch und geschmacklich aufzuwerten.

Fleischer müssen sich heute gegen Supermärkte wie Edeka und Rewe behaupten. Dazu muss sich ihr Angebot klar abgrenzen. Ihr Sortiment ist auch im gut sortierten Handel, beispielsweise in einigen Häusern der Galeria Kaufhof, zu finden. Wie geht das zusammen?

Schäfer: Darin besteht für uns kein Widerspruch. In erster Linie geht es uns darum, dass unsere Produkte an einer Bedientheke angeboten werden, an der fachkundiges Personal eine entsprechende Beratung gewährleisten kann. Das kann in einer Metzgerei sein, aber auch in einem Feinkostladen oder bei ausgewählten Lebensmitteleinzelhändlern sein.

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