Mobile Fleischerei Volltreffer mit der Gulasch-Kanone

Dienstag, 14. Februar 2017
Axel Tepaß schöpft aus dem Vollen. Seine jüngste Anschaffung war eine mobile Kochkessel-Anlage mit gut 600 Litern Fassungsvermögen: die größte der Welt in der zivilen Nutzung.
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Axel Tepaß schöpft aus dem Vollen. Seine jüngste Anschaffung war eine mobile Kochkessel-Anlage mit gut 600 Litern Fassungsvermögen: die größte der Welt in der zivilen Nutzung.
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Eintopf


Wenn die Kunden nicht mehr zu uns kommen können, dann müssen wir eben zu den Kunden kommen“, lautet die Devise der mobilen Landfleischerei Tepaß.

Aus der Not heraus, dass die Straße, in der der Stammbetrieb beheimatet ist, vor einigen Jahren zur Sackgasse umfunktioniert wurde und damit die Laufkundschaft andere Wege zum Einkauf suchte, wurde eine Tugend: die der mobilen Verkaufsstellen. Dabei blieb es nicht bei der motorisierten Filiale in Form eines Mercedes 815 aus dem Hause Borco-Höhns. Es gesellten sich zunächst ein Grill-Ensemble, dann eine Gulaschkanone hinzu. Zu erleben ist dieses Verkaufsduo seit 40 Jahren auf fünf Wochenmärkten in Wesel und Umgebung.

„Eintöpfe nach Omas Art sind die Top-Seller“, sagt Fleischermeister Axel Tepaß, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Bettina und Schwester Birgit Tast den Familienbetrieb in dritter Generation führt. Die Herstellung von Mahlzeiten, die mit einem Holzkohle-Grill für Brat- und Currywurst als Mittagsangebot begann, ist heute einer der Hauptumsatzbringer. Die Vielfalt, die Qualität und der geeignete Standort gelten für die Tepaß-Familie als Erfolgsfaktoren.

Zwar weist die Aufschrift des neuen „Feldkochherds“, wie es offiziell heißt, mit Großbuchstaben auf die Erbsensuppe hin, doch mit dem jeweiligen Inhalt ist die Fleischerei je nach Jahreszeit flexibel. Dass zum 50-jährigen Bestehen des Fachgeschäfts genau an dieser Stelle kräftig investiert wurde, markiert den Stellenwert des Eintopf-Angebots. In den Wintermonaten ist es der frisch geerntete Grünkohl mit deftiger Einlage, der auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht. Im Jahresschnitt ist jedoch die Erbsensuppe nicht zu schlagen.

„Die Herstellung von Wurst und die Zubereitung von Eintöpfen bringt Synergie-Effekte.“
Axel Tepaß, Fleischermeister
Erstaunlich ist die Menge, die auf den Märkten regelmäßig in Tellerportionen oder in mit Deckeln verschlossenen Zwei- und Vier-Liter Kunststoff-Eimerchen den Weg zum Kunden findet. Gekocht wird die Suppe seit einigen Wochen in der größten mobilen Kochkessel-Anlage der Welt, die es für zivile Zwecke zu kaufen gibt. So hat der gasbeheizte Hauptkessel ein Fassungsvermögen von 450 Litern, im zweiten Kessel können 150 Liter Eintopf zubereitet und heiß gehalten werden.

Wichtigstes Handwerkszeug für das Team an der Essensausgabe ist eine Batterie von langstieligen Schöpfkellen, mit denen portions- (500 ml) oder literweise dem Volumen zu Leibe gerückt wird. Damit alles reibungslos sowie möglichst schnell und kreuzungsfrei vonstatten geht und im Wortsinn nichts anbrennt, wurden die Doppelkessel samt Fahrgestell nach den Plänen von Axel Tepaß von einem spezialisierten Unternehmen in Süddeutschland hergestellt. Die Höhe der Investition beziffert der Chef mit rund 35.000 Euro.

Dieser stolze Preis wird sich nach Ansicht der Familie nicht zuletzt deshalb recht schnell amortisieren, weil dank moderner Brennertechnik und perfekter Isolierung auch an Tagen mit zweistelligen Minusgraden deutlich weniger Gas verbraucht wird.

Bei der Herstellung von Wurst nach alter Väter Sitte und der Zubereitung der Eintöpfe sieht Tepaß zahlreiche Synergie-Effekte. „Es schmeckt eben deutlich kräftiger, wenn die Kesselbrühe beim Kochen von Grünkohl oder Hülsenfrüchten mit ins Spiel kommt“, ist er überzeugt. Auch die Herstellung von charakteristischer Knochenbrühe lohnt den Aufwand nach Ansicht des Meisters.

Im Marktwagen liegt das Verhältnis von Fleisch und Wurst auf jeweils gleicher Höhe. Hier sind es Fleisch- und Leberwurst, die am stärksten gefragt sind. Da das Marktgeschäft aber von zahlreichen Faktoren wie Witterung und Ferienzeit beeinflusst wird und die Lagerkapazitäten auf dem Wochenmarkt begrenzt sind, kann bei Bedarf immer wieder frische Ware aus der Wurstküche an den jeweiligen Marktplatz geliefert werden.

Die Kunden haben die Wahl zwischen 70 Sorten Wurst und Schinken. Weil der Marktwagen nur einmal in der Woche in den Klein- und Mittelstädten quasi vor der Haustür steht, ist der Durchschnitts-Bon deutlich höher als in einer festen Filiale. Zumal der Kunde zum Wurstpaket und dem Braten oft noch den einen oder anderen Liter aus der Gulaschkanone mit nach Hause nimmt.

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