Partyservice Eventcatering trifft Food Truck

Freitag, 11. August 2017
Aktuelles Highlight: der Italian Beast.
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Aktuelles Highlight: der Italian Beast.
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„Beefbote“ Udo Koch konzentriert sich auf Verköstigung von Veranstaltungen. Trailer kommt auf Bestellung.
Wer Udo Koch mit seiner mobilen Küche anrollen sieht, könnte meinen, hier kommt lediglich ein weiterer Food Truck. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Selbstverständlich sieht sich der Sachse mit seinem „Beefboten“-Mobil als Teil der wachsenden Street-Food-Kultur. Und doch unterscheidet sich sein Geschäftsmodell von denen der meisten anderen Essenslaster.
Der Beefbote bietet mehr als den klassischen Burger. Udo Koch serviert kulinarische Leckerbissen zwischen zwei Brötchenhälften.
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Der Beefbote bietet mehr als den klassischen Burger. Udo Koch serviert kulinarische Leckerbissen zwischen zwei Brötchenhälften.
So verfügen Food Trucks in der Regel über feste Standzeiten auf Wochenmärkten oder vor Super- und Baumärkten, an denen sie ihren Kernumsatz erzielen. Dort bauen sie leicht einen Kundenstamm auf, über den sie zusätzliche Aufträge generieren können, bei privaten wie kommerziellen Events beispielsweise. Koch setzt sich stattdessen allein auf Anfrage hinters Steuer. Getreu seines geschützten Markennamens liefert er wie ein Bote die gewünschten – zumeist fleischlastigen – Speisen.

Einen kühlen Kopf bewahren

Über Pfingsten verköstigte er im Rahmen des Leipziger Wave-Gotik-Treffens drei Tage lang hunderte Fans der „Schwarzen Szene“. In Kürze bewirtet er in Erfurt ein Firmenevent des Onlinehändlers Zalando, für das 1.000 Essen bestellt sind. Einen ähnlich großen Auftrag hatte Koch bereits im Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum. „Bis zu 1.000 Speisen bekomme ich in der mobilen Küche hin. Im Grunde genommen ist es nur eine Frage der Logistik. Darüber hinaus wird es jedoch schwierig“, sagt Koch, dessen Name zugleich seine Profession ist. Seine 18-jährige Berufserfahrung als Koch kommt ihm insbesondere bei solchen Großaufträgen zugute.

„Ich habe sowohl im In- als auch im Ausland in verschiedenen Hotel- und Restaurantküchen gearbeitet. Dabei eignet man sich schnell eine gewisse Stressresistenz an. Auch wenn sich vor meinem Truck eine große Menschentraube tummelt, behalte ich stets einen kühlen Kopf und die erforderliche Übersicht“, so der 37-Jährige. Allein ist er in solchen Fällen nie, sondern baut auf die Unterstützung eines kleinen Teams, das er je nach Event aus seinem Netzwerk an Mietköchen und Aushilfen zusammenstellt.

Maximal zu viert werkeln sie dann in dem rund 20 qm großen Anhänger. Die rollende Küche kaufte Koch seinem Onkel ab, der in Österreich gastronomisch tätig ist. Der gut acht Meter lange Trailer verfügt unter anderem über zwei Fritteusen, drei Wärmeschränke und vier Kühltheken. Die Kochfelder werden mit Gas betrieben.

Überschaubare Investition

Mit dem Food Truck verwirklichte Koch seinen Traum von der Selbstständigkeit, der in seiner Familie weit verbreitet ist. Neben seinen Eltern, die ein eigenes Restaurant betreiben, sind auch seine Verwandten fast ausschließlich in der Gastronomie und Hotellerie tätig. „Ich wollte mir ebenfalls in der Gastronomie etwas Eigenes aufbauen, mich dabei aber nicht über beide Ohren verschulden. Und da ist der Food Truck der beste Kompromiss“, erzählt der junge Unternehmer aus der Gemeinde Ostrau im Landkreis Mittelsachsen.
Qualität hat ihren Preis.
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Qualität hat ihren Preis.
Mit der fachlichen Ausbildung sticht Koch in einem weiteren Punkt aus der Masse der Food-Trucker hervor. Nicht selten handelt es sich bei den Betreibern um Hobbyköche, die ihre Leidenschaft haupt- oder nebenberuflich ausleben.

Momentan betreibt Koch den Trailer im Nebenerwerb. Unter der Woche arbeitet er als Küchenchef in einem Leipziger Restaurant. Als Beefbote ist er vor allem an den Wochenenden im mitteldeutschen Raum auf Achse. Vom Sportevent über Musikfestivals bis hin zu privaten Geburtstagsfeiern deckt er das ganze Veranstaltungsspektrum ab. Als Mindestvoraussetzung für einen Auftrag nennt er die Abnahme von 50 Essen. Bei Bedarf organisiert er, wie ein klassischer Caterer, auch alle erforderlichen Utensilien für das Event – Geschirr, Bestecke, Getränke, Zelte und Co.

Die kulinarische Ausrichtung des „Beefboten“ machen drei Worte deutlich, die auf dem Mobil prangen: American Slow Food. Die Vorliebe für US-amerikanisches Essen köchelte schon seit langem in Koch und wurde bei einer USA-Reise vollends entflammt.
„Bis zu 1.000 Speisen bekomme ich in der mobilen Küche hin – alles eine Frage der Logistik.“
Beefbote Udo Koch
Der Grill-Enthusiast mag vor allem die amerikanische Barbecue-Kultur mit Burgern, Steaks und Pulled Pork. Auch wenn gerade Letzteres stundenlange Vorbereitung erfordert, steht Slow Food keineswegs für lange Wartezeiten an der Trailer-Theke. „Für mich ist Slow Food weit mehr als die Fleischzubereitung per Niedrigtemperaturgaren. Es bedeutet auch, sich viel Zeit für die Kundschaft zu nehmen, wenn es die Umstände erlauben. Ich möchte mit den Gästen über die Speisen ins Gespräch kommen – erklären, woher die Zutaten stammen oder wie ich bestimmte Dinge zubereite und so weiter“, sagt der Gastroprofi.

Koch bietet nicht einfach nur klassische Burger gegen den kleinen Hunger, sondern serviert kulinarische Leckerbissen zwischen zwei Brötchenhälften. Ständig ist er auf der Suche nach neuen Geschmacksvariationen. Das Angebot seiner Speisekarte richtet sich zuvorderst nach den aktuell verfügbaren Lebensmitteln. Im Frühsommer waren unter anderem der Italian Burger mit Salsiccia, Tomatenmarmelade und Balsamicozwiebeln oder der Avocado Bacon Burger mit frischem Salat, Avocado und Limettenmayonnaise sehr gefragt.
Udo Koch stand selbst Modell für das Beefboten-Logo.
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Udo Koch stand selbst Modell für das Beefboten-Logo.
Das Fleisch bezieht er von einer familiär geführten Fleischerei aus dem sächsischen Roßwein. Aus dem Schweinenacken bereitet er in der elterlichen Gaststätte das Pulled Pork zu und aus dem Rindfleisch stellt er seine eigenen Burger-Pattys her. „Wenn bei Großevents jedoch mehr als 300 Burger veranschlagt sind, greife ich aus logistischen Gründen auf das Angebot aus dem Großmarkt zurück“, verrät Koch. Die erlesenen Zutaten haben letztlich auch ihren Preis – bis zu sieben Euro kosten die Gerichte des „Beefboten“.

Bratwurst macht billig Konkurrenz

Die vergleichsweise hohe Preisstruktur ist zugleich die Ursache, weshalb Koch mit festen Standzeiten bisher eher durchwachsene Erfahrungen gemacht hat: „Vor den belebten Einkaufszentren konkurriere ich hauptsächlich mit Bratwurstständen und ähnlichen Imbissangeboten. Nur entscheiden sich die meisten Einkäufer für die preiswerte Bratwurst auf die Hand, statt für meine Burger-Kreationen.“ Sollte sich der passende Standort finden, würde es der Food-Trucker auch noch einmal mit einem festen Tourtermin versuchen. Wichtiger ist ihm jedoch das Ziel, neben der warmen Saison auch in der kalten Jahreszeit ein hohes Nachfrageniveau zu generieren. Dann würde er seinen Restaurantjob durchaus an den Nagel hängen und sich vollkommen auf sein „Beefboten“-Mobil konzentrieren.

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