Snacks Power pur in jedem Schluck

Donnerstag, 22. Februar 2018
Viel Zeit und Herzblut investierte Inga Ebert in das Projekt Knochenbrühe. Die Frankfurter Feinkost-Metzgerei hat sich mit diesem flüssigen Snack ein Alleinstellungsmerkmal in der Mainmetropole verschafft.
Foto: wi
Viel Zeit und Herzblut investierte Inga Ebert in das Projekt Knochenbrühe. Die Frankfurter Feinkost-Metzgerei hat sich mit diesem flüssigen Snack ein Alleinstellungsmerkmal in der Mainmetropole verschafft.

Ein schnelles, trendiges und nahrhaftes Essen zum Trinken gibt es in der Frankfurter Metzgerei Ebert: Bone Broth, die „Feinste Knochenbrühe“.

Sie wird den morgendlichen Kaffee nicht ersetzen, stillt aber prima den kleinen Hunger zwischendurch“, urteilt Inga Ebert über die Knochenbrühe, die seit zehn Monaten in den drei Verkaufsstellen der Frankfurter Feinkost-Metzgerei Ebert als flüssiger Snack angeboten wird.

Die Idee dazu entstand im Frühjahr 2017 am Meat Vision Day. Auf dem von afz und „Fleischwirtschaft“ Ende April veranstalteten Kongress probierte sie voller Neugier das von den deutschen Knochenbrühe-Pionieren Bone Brox offerierte In-Getränk. Damals wusste sie bereits, dass in den hippen US-Metropolen die Knochenbrühe in der To-go-Version im Becher dem Kaffee Konkurrenz macht oder zumindest eine Alternative darstellt.

Den Geschmack vom letzten Schluck noch auf der Zunge, schossen ihr gleich mehrere Gedanken durch den Kopf: Das haben wir ja auch, aber als klassische Rinderbrühe. Warum bieten wir sie nicht ebenfalls als kräftigenden Superfood-Trunk an? Kaum einer könnte das besser als wir. Die Frage nach dem passenden Zeitpunkt zur Einführung beantwortete sich wie von selbst.

Fleischermeister Michael Ebert (links) feiert die Eröffnung der umgebauten Filiale im Mai 2017 zusammen mit Ehefrau Inga und Fleischermeister Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. Damals ging die Knochenbrühe zunächst als Eberts Juice an den Start.
Foto: jus
Fleischermeister Michael Ebert (links) feiert die Eröffnung der umgebauten Filiale im Mai 2017 zusammen mit Ehefrau Inga und Fleischermeister Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag. Damals ging die Knochenbrühe zunächst als Eberts Juice an den Start.
Der Umbau des Hauptgeschäfts befand sich damals in der Schlussphase. Das mitten in der City angesiedelte Domizil mauserte sich gerade von einem herkömmlichen Fleischer-Fachgeschäft zu einem Lunch-Bistro, dem „Eberts“.

Kühltheke und das traditionelle Sortiment an Fleisch und Wurst wichen in dieser Verkaufsstelle zugunsten eines auf die Bedürfnisse der Großstadtkunden zugeschnittenen Angebots an Snacks und warmen Essen. Dazu passte die Knochenbrühe perfekt. Was fehlte, war ein professionell aufgesetztes Konzept. Das stampfte Inga Ebert innerhalb von zwei Wochen aus dem Boden, nachdem sie von ihrem Mann Michael grünes Licht für das Projekt erhalten hatte.

Denn eigentlich arbeitet die Frau des Inhabers nicht im Familienunternehmen mit. Doch in ihrem Job als Eventkauffrau hat sie nicht nur einen guten Riecher für Trends, sondern ist mit strategischen Vorbereitungen bestens vertraut, so dass sie das Entwickeln des Prototyps einschließlich der Werbung auf die Schnelle realisieren konnte. Ab der Eröffnung im Mai gehörte die Knochenbrühe zum Programm – zunächst noch unter der Bezeichnung Eberts Juice, einem Plakat mit gezeichneten Elementen und nur zum Sofortverzehr als Heißgetränk im Becher.

Doch schon bald stellte sich heraus, dass sich der herzhafte Saft zwar sehr gut verkaufen ließ, ihn aber viele Kunden gern auf Vorrat mit nach Hause nehmen wollten. Im bisherigen Format – frisch und heiß im Becher ausgeschenkt – funktionierte das jedoch nicht. Und so kam es zur Flasche.

„Die Flasche ist mein Schätzchen“, betont Ebert sichtlich stolz auf die Weiterentwicklung, die nur wenige Monate nach der Einführung erfolgte. Die Serienreife ging mit einer Namensänderung einher. Bei der Recherche nach treffenden wie aussagekräftigen Bezeichnungen erwies sich ihr Favorit Bone Tea leider als schon geschützt. Also entschied sie sich schlicht und einfach für Bone Broth, englisch für Knochenbrühe.

Angesichts der internationalen Bevölkerung in der Mainmetropole ist das keineswegs ein Zungenbrecher, sondern ein top-aktueller Produktname. Und der im aufgefrischten Werbelook in englisch-deutsch formulierte Zusatz „detox dich“ klingt allemal weltläufiger als eine Aufforderung zur Entschlackung im heimischen Sprachgebrauch.
Den Drink gibt es in zwei Versionen: edel und mit einer Banderole versiegelt in der Glasflasche oder im To-go-Becher mit schützendem Deckel.
Foto: Ebert
Den Drink gibt es in zwei Versionen: edel und mit einer Banderole versiegelt in der Glasflasche oder im To-go-Becher mit schützendem Deckel.
Anders als bei der Ausgabe im Becher war nun für den Verkauf in Flaschen eine Kennzeichnung fällig. Weil Ebert großen Wert auf eine reduzierte Zutatenliste legte, wurde auch etwas an der Rezeptur gefeilt, wobei sich der Sellerie als einziges deklarationspflichtiges Allergen nicht vermeiden ließ. Mit dem Ergebnis ohne geschmackliche Abstriche zeigt sie sich hochzufrieden: „Purer geht’s nicht.“

Die Knochen von Charolais-Rindern werden in der Produktion bis zu 20 Stunden lang ausgekocht. Die Brühe wird mehrfach durch ein Tuch gesiebt und in 0,25-ml-Flaschen abgefüllt, ehe diese unter Hochdruck kommen, um ungekühlt die Haltbarkeit von einem Jahr gewährleisten zu können. Proben hat die Produktmanagerin ins Labor geschickt, um sich per abgesicherter Analyse bestätigen zu lassen, dass die Nährwerte topp sind: „Das ist unschlagbar für die Argumentation. Smoothie war gestern, weil er viel Zucker hat. Knochenbrühe ist heute.“
„Wer könnte dieses Super-Food besser kochen als wir? Der Metzger besitzt hier schließlich die Grundkompetenz.“
Inga Ebert
Produziert wird nach Bedarf. Ein Kessel ergibt eine Charge von 400 Flaschen, die manuell abgefüllt werden. Aufwendig ist das Aufbringen von drei Aufklebern: Etikett, Deckelsiegel und Banderole. Aber damit entspricht die Verpackungsoptik dem Premiumprodukt. Auch beim Branding der Becher geht es nicht ohne händischen Einsatz. Hier ist die Aufschrift gestempelt.

Das Abrollen auf dem runden Pappmaterial ist schwierig, so dass der Abdruck nicht immer komplett gelingt. Aber das macht nichts. Im Gegenteil, der dadurch entstehende Vintage-Look, in dem auch die kleinen Holzkisten für die Thekenpräsentation gestaltet sind, betont sogar noch den handwerklichen Charakter.

Die Entwicklungskosten halten sich nach Ansicht von Ebert in überschaubaren Grenzen, weil das Grundprodukt ja bereits existierte und es lediglich per Marketing ein Upgrade erhielt – von der Rinderkraftbrühe zum zeitgemäßen Superfood-Drink. Einschließlich der Labor- und Agenturkosten veranschlagt sie die Summe auf rund 1.500 Euro. Nicht eingerechnet ist die investierte Zeit beim Sondieren bis zu den Vorgaben, die sie bei der Werbung einbrachte, indem sie das Grob-Layout mit Texten, Schriftarten und Bildern beisteuerte.

Verkauft wird das Elixier zu Preisen von zwei Euro im 0,2-ml-Becher und 3,80 Euro in der Flasche. Das bekömmliche Essen zum Trinken ist ein Hipster-Produkt, das bei Ernährungsbewussten und Sportlern gefragt ist. Doch sonst ist es nicht so klar einzuordnen wie andere Getränke und daher erklärungsbedürftig.

Diese Aufgabe erledigen entweder die schriftlichen Erklärungen auf dem Flyer oder die mündlichen Infos der Thekenteams, von denen das Feedback kommt: „Läuft!“ Überzeugend ist stets der Probier-Schluck. Das Altersgefüge der Kunden spielt übrigens beim Zuspruch keine entscheidende Rolle. Die Jungen sind neugierig auf den Kraftspender, die Älteren erinnern sich von früher an diesen Sattmacher, der nun die Snack-Liga bereichert.

Weitere Beiträge zur Metzgerei Ebert finden Sie hier.

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