Trends Proteinquelle zwischen Salat und Brötchen

Freitag, 15. Juni 2018
Rewe-Kaufmann Michael Reinartz sorgte mit der Premiere von Insekten-Burgern für einen kulinarischen Paukenschlag in Aachen.
Foto: rh
Rewe-Kaufmann Michael Reinartz sorgte mit der Premiere von Insekten-Burgern für einen kulinarischen Paukenschlag in Aachen.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Trends


Erst vor wenigen Monaten schuf die EU die rechtliche Grundlage für Insektenfood. „Protein ist in“, lautet die Devise vor allem bei sportlichen, jungen Verbrauchern. Darauf setzt auch Rewe-Kaufmann Michael Reinartz. Der sorgte jetzt mit der Premiere von Insekten-Burgern für einen kulinarischen Paukenschlag in Aachen.
Was mögen unsere Großeltern gedacht haben, als sie das erste Mal eine Riesengarnele auf dem Teller liegen sahen? Sie waren schätzungsweise mindestens so zögerlich wie all jene, die heute vor der Wahl stehen, das erste Mal in einen Insektenburger zu beißen. Oder es eben auch bleiben zu lassen. Wer allerdings diesen Verzicht übt, verpasst laut Michael Reinartz die Chance, zu den Pionieren eines neuen kulinarischen Trends zu werden.

Der Geschäftsführer von Rewe Reinartz in Aachen packte jedenfalls die Gelegenheit beim Schopf, als er vom Osnabrücker Start-Up „Bugfoundation“ darauf angesprochen wurde, Burger-Patties aus Insekten ins Sortiment aufzunehmen. Bereits vor einigen Jahrzehnten waren schon einmal Gedanken laut geworden, das Potenzial von Insekten zu nutzen, um die wachsende Bevölkerung unseres Planeten satt zu bekommen. Zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und nicht zuletzt ein hoher Protein-Anteil sprechen für die Eingliederung von Insekten in die menschliche Nahrungskette. Immerhin ist der Verzehr von Käfern und Co. rund einem Drittel der Menschheit nicht fremd. Allein in den Industrieländern fehlte bis vor wenigen Monaten nicht nur das adäquate Angebot, auch die Zulassung als Lebensmittel nach den europäischen Richtlinien stand noch aus. Dieses Hindernis besteht nun nicht mehr. 

„Wir waren auf der Suche nach Innovationen im Bereich der populären Lebensmittel und sind auf den Hersteller Bugfoundation gestoßen“, blickt er zurück. In den nur wenige Kilometer entfernten Niederlanden gab es bereits vereinzelt Gerichte mit Insekten als Zutat auf der Speisekarte von Spezialitäten-Restaurants. Dies und die große Anzahl Studenten in der Stadt gaben den Impuls zum Probelauf der Insektenburger. „Wir haben hier eine Klientel an experimentierfreudigen Kunden“, gibt sich der Kaufmann zuversichtlich.
Die Packung ist auffällig gestaltet: Wer hier zugreift, weiß, was er später in die Pfanne legt.
Foto: rh
Die Packung ist auffällig gestaltet: Wer hier zugreift, weiß, was er später in die Pfanne legt.
Auch der ökologische Aspekt spielt eine Rolle. Die Herstellung von Insekten-Burgern sei weitaus ressourcenschonender und nachhaltiger als die Aufzucht von Rindern, Lämmern, Schweinen oder Geflügel. Spätestens, seit innerhalb der ersten Woche im Rewe Markt über 200 Packungen abgesetzt worden waren, galt eine feste Listung als beschlossene Sache. Inzwischen sind neben den gefrosteten Burgern auch Nudeln mit Insekten-Protein am Start. „Wir rechnen damit, dass der Durchbruch schon in zwei bis vier Jahren geschafft ist und sich als Alternative etabliert hat“, so die Prognose. Die Buffalowürmer, die hier in Gestalt einer eigenen Gattung als Hauptzutat Verwendung finden, werden laut Hersteller artgerecht und ohne den Einsatz von Antibiotika gezüchtet. Geschmack und Stabilität geben dem daraus hergestellten Hackfleisch Bio-Soja, Eiklar, Zwiebeln, Tomatenmark und Gewürze. Die Entwicklung nahm ganze vier Jahre in Anspruch.

„Protein ist in“, lautet die Devise vor allem bei sportlich ambitionierten jungen Verbrauchern. Und davon ist in den Patties deutlich mehr als gewohnt enthalten. „Das Produkt wird von den Verwendern als Teil einer ausgewogenen Diät angesehen“, sagt Michael Reinartz. Und fügt hinzu: „Das gilt nicht nur für Body-Builder.“ Auch geschmacklich werden die Burger als Alternative angesehen, wenngleich hier die Würzung viel zum Charakter beiträgt. Die Konsistenz ist ähnlich der von Falafeln. Das zugesetzte Soja gibt beim Anbraten einen Biss, der einem klassischen Reibekuchen recht ähnlich ist.

Das Angebot ist – wie bei einer echten Spezialität üblich – nichts für Sparfüchse. Im Gegenteil: Die Patties rangieren im Verkaufspreis auf dem Level von Wagyu Beef. „Wenn wir pro Woche mehr als 20 Einheiten verkaufen, liegen wir im grünen Bereich“, so Reinartz. Er setzt dabei auch auf die polarisierende Wirkung. Wer eine der auffälligen Packungen im Einkaufswagen hat, kommt erfahrungsgemäß schnell mit dem Nachbarn in der Schlange vor der Kasse ins Gespräch. Das bringt dem Nischenprodukt zusätzlich Bekanntheit und Reichweite.
Das könnte Sie auch interessieren
stats