Verkaufsautomat Feudal unter Dach im Fach

Sonntag, 24. Mai 2015
Judith Hauck sorgt für die richtige und rechzeitige Bestückung des Verkaufsautomaten.
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Judith Hauck sorgt für die richtige und rechzeitige Bestückung des Verkaufsautomaten.
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Verkaufsautomat


Das Alleinstellungsmerkmal war für die Metzgerei Hauck ausschlaggebend bei der Anschaffung eines Waren-Automaten. Weit und breit gibt es keine gleichartige, rund um die Uhr betriebsbereite Verkaufsstelle.
Das Kalkül ging auf. Die Investition verhilft dem einzigen, noch in Amorbach verbliebenen Fachgeschäft zu einem Imagegewinn und höheren Bekanntheitsgrad.



Seit März 2015 steht nun der Hauck-O-Mat der Metzgerei Hauck unter seinem feudalen Kupferdach. In den auf fünf Etagen verteilten Fächern sind Fleisch und Wurst, Konserven und Getränke untergebracht. Bei der Zusammenstellung des Sortiments sehen sich Judith und Karim Hauck allerdings noch in der Experimentierphase.

„Wir werden wohl ein Jahr brauchen, bis wir uns richtig eingeschossen haben“, schätzt der 33-jährige Fleischermeister, der das Projekt mit seiner Schwester und im Einvernehmen mit den Eltern vorangetrieben hat.

Die Hürden waren nicht gerade niedrig. Deshalb zog sich die Realisierung von Idee und Entschluss bis zur Inbetriebnahme ein ganzes Jahr lang hin. Denn die Grenzbebauung im historischen Kern in der unterfränkischen Kleinstadt Amorbach erforderte eine reguläre Baugenehmigung. Und als Auflage schrieben die Städteplaner eine kupfergedeckte Holzbalkenkonstruktion vor, damit alles zum Stadtbild passt.

Mit dem von einem Architekten ausgearbeiteten Plan wurde der Antrag im zuständigen Kreis Miltenberg gestellt. Kurios fand der Juniorchef die Nachfrage des Landratsamts, warum eine zusätzliche Überdachung vorgesehen sei.
Der Hauck-o-Mat vor dem Fachgeschäft in Amorbach.
Foto: wi
Der Hauck-o-Mat vor dem Fachgeschäft in Amorbach.
Eine solche schreibe der Bebauungsplan für die unter Ensemble-Schutz stehenden Gebäude, zu denen auch das Geschäftshaus der Metzgerei gehört, gar nicht vor. In Rücksprache mit der Kommunalverwaltung erfolgte schließlich die Baugenehmigung – mit vorgeschriebenem Dach.

Danach ging es aber flott. Bei der Fleischergenossenschaft wurde ein Regiomat bestellt. Das Design entwarf Medienfachwirtin Sabine Ruhland aus der Agentur Pixleria, von der sich die Metzgerei ohnehin ihre Angebotswerbung erstellen lässt. Zeitgleich erhielten die örtlichen Handwerker ihre Aufträge.

Den Verlauf der recht zügig voranschreitenden Bauarbeiten dokumentierte Hauck in anfangs gezielt geheimnisvoll formulierten Posts, mit denen er die Neugier auf das Resultat befeuerte. Als er schließlich mit einer Bilderserie vom Aufstellen des Automaten die Auflösung präsentierte und anderntags den virtuellen Startschuss gab, brachte ihm das nach eigenen Worten unheimlich gute Resonanz ein: „Mehr als 40 geteilte Beiträge und 200 Likes sind für unsere Verhältnisse ein Wahnsinn.“

Die Werbung im Web sowie die Titelstory im Anzeigenblatt und ein Bericht in der Tageszeitung sorgten dafür, dass die Möglichkeit vom 24-Stunden-Einkauf sich nicht nur schnell herumsprach, sondern auch rege wahrgenommen wird. Die zentrale Lage der Metzgerei gegenüber der Marktkirche und nahe des Schlosses zieht neben den heimischen Kunden auch Touristen an. Und die umliegend reichlich vorhandenen Parkplätze erleichtern zudem eine gezielte Anfahrt oder einen Zwischenstopp zum Proviantfassen.

Den Anteil an Aufschnitt und Wurst in Dosen hat Judith Hauck nach den Erfahrungen der ersten Wochen mittlerweile reduziert: zugunsten der Glaskonserven mit Fertiggerichten aus eigener Herstellung und Kurzbratstücken.

Die 29-jährige Juniorchefin zeichnet für den Verkauf und damit auch für den Nachschub im Automaten verantwortlich. Sie berichtet, dass der Kakao in der Getränkereihe im obersten Fach ein unerwarteter Renner ist, sich hochpreisige Artikel wie Rumpsteaks und Lammsteaks erstaunlich gut verkaufen und der Hauk-O-Mat neue Gesichter in den Laden bringt.

Neben der Kommunikation auf der Facebook-Plattform nehmen die Kunden aber auch direkt an der Theke an der Erfolgsstory persönlichen Anteil. Sie erkundigen sich, wie der Automaten-Verkauf läuft und freuen sich ebenso wie die Inhaber, dass er sogar ziemlich guten Zuspruch findet.
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