Kommentar von
Birgit Winterhalder-Spee

Bundesleistungswettbewerb 2017 Wenig Wehmut, aber viel Vorfreude

Dienstag, 05. Dezember 2017
Adieu BLW: Mit seinen 65 Jahren wird der Bundesleistungswettbewerb nun in die Rente geschickt. Eine Amtsnachfolgerin hat der Deutsche Fleischer-Verband bereits gefunden: die Auswahl zur Nationalmannschaft. Und für den neuen Posten ändert sich die Stellenbeschreibung ganz gewaltig.
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Bundesleistungswettbewerb Nora Seitz DFV


Künftig gibt es keine ersten, zweiten und dritten Bundessieger und -siegerinnen mehr. Die seit 1953 geführte Namensliste schließt mit dem Jahr 2017. Demnächst wird es also die Nationalmannschaft sein, in der sich die Nachwuchs-Elite tummelt. Dabei sollen auch jene Kandidaten eine Chance bekommen, die durchaus das Potenzial haben, aber im bisherigen Wettbewerbsverfahren weniger Glück hatten, am Tag X nicht in Top-Form waren oder von übertrainierten Konkurrenten aus dem LEH gnadenlos abgehängt worden sind.

Letzteres wird jetzt nicht mehr passieren. Denn die Nationalmannschaft ist ein geschlossener Zirkel, zu dem nur die Talente aus dem Fleischerhandwerk Zutritt haben, sofern sie ein Gewinner-Gen in sich tragen und über das Zeug zum Botschafter für ihren Beruf verfügen.

„Die neue Nationalmannschaft ist ein geschlossener Zirkel, zu dem nur die Talente aus dem Fleischerhandwerk Zutritt haben, sofern sie ein Gewinner-Gen in sich tragen und über das Zeug zum Botschafter für ihren Beruf verfügen.“
Birgit Winterhalder-Spee, afz-Redakteurin
Der ausgemusterte BLW stand allen offen, die sich nach einer Ausbildung als Fleischer oder als Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit Schwerpunkt Fleischerei durch gute Noten in der Abschlussprüfung und dem Durchmarsch aller Stufen der Leistungswettbewerbe fürs Finale qualifizierten und nicht älter als 27 Jahre sein durften.

Wenn die Handelskonzerne ihre fachlich starken und schnellen Sprinter in das vom Fleischerverband ausgerichtete Rennen schickten, gab es zwar hinter den Kulissen stets reichlich Missmut. Doch trotz der verständlichen Vorbehalte beurteilten die durchweg dem Handwerk zugehörigen Juroren die LEH-Teilnehmer gerecht.

Chapeau! Denn es mag ihnen gewiss nicht leicht gefallen sein, die Schützlinge aus dem Lager der Konkurrenz auf die heiß begehrten Pokalplätze durchmarschieren zu lassen. Zumal die sich – und damit automatisch deren Ausbildungsbetriebe – quasi durch die Hintertür mit der sonst vom Verband zäh verwehrten f-Marke schmücken durften, die auf Urkunden und Pokalen zu sehen ist. Und der Handel hat die Siegestrophäen strategisch eingesetzt und seine Heldinnen und Helden meistens besser zelebriert als mancher Handwerksbetrieb.
BLW 2017 - Siegergruppe
(Bild: wi)

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Genug mit der Vergangenheit, jetzt kommt die Zukunft. Und mit ihr die Nationalmannschaft. Diese kommt – wie im Sport – nicht nur zum Einsatz, wenn es bei Wettkämpfen um Medaillen und Siegertreppen geht, sondern auch bei öffentlichen (ehrenamtlichen, aber auch bezahlten) Auftritten. Die ersten Mitglieder der vorläufig installierten Nationalmannschaft, Leonie Baumeister und Hannah Gehring, haben sich und die Idee der Elite-Truppe bereits vor großem Publikum vorgestellt: jüngst beim Deutschen Fleisch Kongress in Frankfurt mit seinen 350 hochkarätigen Teilnehmern.

Alles Weitere treibt Nora Seitz in Abstimmung mit dem Fachbeirat Berufsbildung voran. Die im DFV für die Ausbildung zuständige Vizepräsidentin setzt sich damit der Kritik aus, die bestimmt kommt – wie immer, wenn etwas Neues entsteht. Doch sie wird mit dem Rückhalt der reformwilligen Ehrenamtskollegen den Gegenwind aushalten, weil sie davon überzeugt ist, dass dem BLW-Rentner ein frisches Naturtalent folgt.

Es muss sich allerdings wie jeder Neuling erst in seine ihm zugedachte Rolle und den Wirkungskreis hineinfinden. Die Stellenbeschreibung ist schon eine ganze Weile grob definiert; die praktischen Details stehen zur Ausarbeitung ab Beginn des nächsten Jahres an, damit alles bis zu dem für März 2018 geplanten Auswahltermin steht. Dann wird der Wechsel offiziell vollzogen, was nach den Worten von langgedienten BLW-Juroren zwar ein wenig Wehmut, aber noch viel mehr Vorfreude auf das Neue hervorruft.

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