Ausblick Wünsche und Erwartungen an 2018

Dienstag, 09. Januar 2018
Worauf hofft die Fleischwirtschaft 2018?
Foto: jus
Worauf hofft die Fleischwirtschaft 2018?

Worauf hofft die Branche in 2018? Digitalisierung, Fachkräftemangel, Tierwohl sowie die zukunftsorientierte Aufstellung der Interessenvertretung gehören auch in diesem Jahr zu den Dauerbrennern in Industrie, Handel und Handwerk.

Für ihren Jahresausblick hat die Redaktion der afz Vertreter aus der Fleischwirtschaft nach ihren Wünschen an 2018 befragt. Dabei zeigt sich, dass die Erwartungen von großer Zuversicht geprägt sind.

Den vollständigen Ausblick lesen Sie in der afz 1-2/2018 vom 10. Januar.

Herbert Dohrmann, Präsident des DFV

Geschlossen im Dialog: „Mit 2017 ging ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Jahr zu Ende. Schaut man zurück auf das wohl wichtigste innenpolitische Ereignis, die Bundestagswahl, würde man sich wünschen, dass sich die Spitzenpolitiker unser diesjähriges Verbandstagsmotto zu eigen machen: Chancen erkennen – Entschlossen handeln.

Das zähe Ringen um eine Regierungsbildung lässt genau das vermissen. Es wäre schön, wenn die Politiker wieder beherzigen, dass sie Verantwortung tragen – und zwar nicht nur für das nächste Wahlergebnis ihrer Partei, sondern für eine gute Entwicklung unseres Landes. Ich möchte für unser Handwerk in Anspruch nehmen, dass wir unserem Motto gerecht geworden sind. Unsere Unternehmen haben sich in großer Mehrheit wieder gut behauptet. Zwar haben wir auch dieses Jahr wieder einige Unternehmen verloren, aber der Marktanteil des Fleischerhandwerks insgesamt ist stabil. Unser Verband hat 2017 wichtige Weichen gestellt.
Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands.
Foto: DFV
Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands.
Erstmals seit Jahrzehnten haben wir konkrete Maßnahmen beschlossen, die unsere Organisation zukunftsfest aufstellen. Unser Perspektiv-Beschluss ist richtungsweisend, er gibt uns neue Möglichkeiten, mit denen wir verantwortungsvoll umgehen werden. Auch auf politischer Ebene konnten wir manches bewegen, sowohl in Brüssel als auch in Berlin.

In dieser Geschlossenheit werden wir auch das neue Jahr angehen. Neben dem hoffentlich bald möglichen Dialog mit der neuen Regierung werden wir uns vor allem die neuen, drängenden Themen vornehmen: Digitalisierung und wachsende gesellschaftliche Forderungen wie Klima, Tierschutz und Gesundheit. Aber auch beim Fachkräftemangel werden wir weitere Ansätze finden.“

Katharin Koch, Landfleischerei Koch Calden

Werben um Mitarbeiter: „Meine Wünsche und Erwartungen an 2018 sind auch meine Ziele für das kommende Jahr. Wir, wie sicher viele meiner Kollegen, brauchen wenigstens eine qualifizierte Vollzeitkraft mehr im Verkauf. Das würde unser Team entlasten, das gerade in den letzten Wochen des Weihnachtsgeschäfts wirklich super, aber immer hart am Limit gearbeitet hat. Ich erwarte, dass es auch im nächsten Jahr so weiter geht: Die Geschäfte laufen gut, wir könnten mehr machen, sind aber personell mehr als ausgelastet.

Für mich bedeutet dies, im nächsten Jahr an einem leergefegten Arbeitsmarkt aktiv um neue Mitarbeiter zu werben. Es bedeutet auch, die Abläufe in unserem Unternehmen noch weiter zu verbessern. Zudem wächst unser Liefer- und Online-Geschäft beständig und wir bräuchten zusätzlichen Platz für eine größere ‚Versandabteilung‘. Daher wünsche ich mir für das kommende Jahr das richtige Verhältnis zwischen Zeit für das Tagesgeschäft und Zeit für Führungsaufgaben.
Katharina Koch, Unternehmerfrau im Handwerk 2017.
Foto: Koch
Katharina Koch, Unternehmerfrau im Handwerk 2017.
Für Kundenpflege und Neukundengewinnung, Kommunikation, Produktentwicklung, Vertrieb, Qualitätssicherung und alles andere, was ein Unternehmen nach vorne bringt. Auch für den wichtigen Austausch mit Kollegen, in unserer Region oder beim Juniorenverband des Fleischerhandwerks.

Mein Dank für das abgelaufene Jahr und meine guten Wünsche für 2018 gebühren daher vor allem auch unserem großartigen Team in der Landfleischerei und meinen Eltern, die mir in kritischen Situationen immer den Rücken freigehalten haben und dies hoffentlich auch in Zukunft tun werden.“

Ulrich Müller, LFW Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten

Personaldecke stärken: „2017 war für uns ein erfolgreiches Jahr. Wir haben den Umsatz um rund acht Prozent steigern können. Das Absatzplus liegt bei etwa zwei Prozent. Insbesondere der Bio-Bereich trägt zu diesem Wachstum bei. Vor rund zehn Jahren gestartet, entfällt mittlerweile etwa 60 Prozent der von uns vermarkteten Menge auf Frischfleisch und Wurst in Bioqualität.

Nachhaltigkeit ist für uns ein zentrales Anliegen. Deshalb werden wir dieses Geschäft künftig weiter ausbauen und haben dabei auch den Export im Visier. Wir sind mit unseren Produkten unter anderem in Skandinavien erfolgreich und wollen in diesen Märkten weiter wachsen. Um die aktuellen Trends zu bedienen, werden wir dem Fachpublikum anlässlich der nächsten BioFach erstmals Burger-Pattys sowie vorgegarte und marinierte Spareribs in Bioqualität vorstellen.
Ulrich Müller, Geschäftsführer der LFW Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten GmbH.
Foto: LFW
Ulrich Müller, Geschäftsführer der LFW Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten GmbH.
Eine der größten Herausforderungen unserer Branche ist es, die personelle Situation in den Griff zu bekommen. Unser Unternehmen wäre in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen, wenn wir auf die hierfür erforderlichen, qualifizierten Mitarbeiter zurückgreifen könnten. An die Politik appelliere ich, klare Vorgaben in Sachen Tierwohl zu machen, damit alle in der Erzeuger- und Vermarktungsstufe wissen, voran sie sind.“

Johannes Bechtel, Vorsitzender des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks

Digitalisierung öffnet Türen: „Im Moment läuft es gut für die handwerklichen Fleischereien und ich wünsche mir natürlich, dass dies so bleibt. Gleichzeitig möchte ich meine Kollegen anregen, diese günstige Situation zu nutzen, um die Vorteile, die ein Handwerksbetrieb gegenüber unseren Mitbewerbern hat, weiter auszubauen. Das Fleischerhandwerk kann und muss sich noch stärker vom Handel abheben, durch einmalige Produkte, ausgezeichnete Beratung, ein persönliches Einkaufserlebnis und ebensolchen Service. Unsere Kunden brauchen immer gute Gründe, bei uns einzukaufen und wir sollten ihnen Dinge bieten, die unsere Wettbewerber nicht bieten können.
Johannes Bechtel, Vorsitzender des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks.
Foto: Bechtel
Johannes Bechtel, Vorsitzender des Juniorenverbands des Deutschen Fleischerhandwerks.
Eine große Chance, unsere Leistungen einem größeren Kundenkreis zugänglich zu machen, sehe ich im digital gestützten Vertriebsweg. Viele Menschen suchen heute das Besondere nicht mehr in ihrer Nachbarschaft oder der nächstgelegenen Großstadt, sondern im Web. Sie verlassen sich lieber auf Empfehlungen anderer Käufer, lesen Bewertungen und lassen sich dann ein Päckchen zustellen. An diesem Markt präsent zu sein, stellt für einen kleinen Handwerksbetrieb sicher eine Herausforderung dar. Dennoch glaube ich, dass sich mit der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft mehr Türen für uns öffnen als schließen.

Dasselbe gilt für die Arbeit in unseren Betrieben. Der Fachkräftemangel wird die deutsche Wirtschaft weiterhin beschäftigen, das Handwerk noch stärker als andere Branchen. Wir müssen im Fleischerhandwerk daher auch nach technischen Lösungen suchen, diesen Mangel an Personal auszugleichen – ohne Einbußen bei Qualität und Beratung. Wir beim Juniorenverband werden uns 2018 diesen Themen ganz verstärkt widmen.“

Den vollständigen Ausblick lesen Sie in der afz 1-2/2018 vom 10. Januar.

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