IAA Ohne Diesel kein Frühstück

Freitag, 15. September 2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast bei Audi beim Eröffnungsrundgang.
Foto: IAA / VDA
Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast bei Audi beim Eröffnungsrundgang.
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Diesel Hans Peter Wollseifer ZDH


In der Gunst der deutschen Autokäufer hat der Diesel in den vergangenen Jahren gegenüber dem Benziner eingebüßt. Das angekratzte Öko-Image infolge der Abgas-Affäre und die drohenden Fahrverbote in Innenstädten machen der Selbstzünder-Technik derzeit das Leben schwer. Für Vielfahrer und Transporteure aber bleibt sie interessant.

Dieselfahrzeuge sollen künftig nicht mehr in die Innenstädte fahren dürfen. So lautete kürzlich eine Forderung einer Umweltorganisation, die sich für ein Dieselverbot stark macht. Für die zahlreichen Handwerker im Allgemeinen und die Fleischer mit ihren kostspielig ausgerüsteten Kühl- oder Verkaufsfahrzeugen im Speziellen würde dies einem Berufsverbot gleichkommen. Wenn ein Verkaufsmobil nicht mehr auf die zahlreichen Märkte in den Innenstädten fahren darf, ist das mit der Zwangsschließung der rollenden Filiale gleichzusetzen. Aber soweit denken die Kritiker nicht.

Software-Updates müssen sein

Das Großereignis IAA sorgt natürlich für eine mediale Plattform. Jeder Fernsehsender berichtet darüber, jede Zeitung schlägt in die Dieselkerbe. Passend dazu auch ein als Gipfel apostrophiertes Treffen des Bundesverkehrsministers mit den Chefs der bedeutendsten Automarken.
Umweltbundesamt - Maria Krautzberger
(Bild: Bundesumweltamt)

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Fahrzeuge „Keine Zukunft für den Diesel“

Dieser Dieselgipfel führt zumindest dazu, dass sich nun etwas zu bewegen scheint. Deshalb appelliert ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer an die Autohersteller: „Entscheidend ist jetzt, das schnell Maßnahmen ergriffen werden, die umgehend zur Senkung der Schadstoffwerte in den betroffenen Städten führen.“ Software-Updates seien ein erster Schritt und müssten umgehend umgesetzt werden. 
  • Blick auf das Frankfurter Messegelände.
    Blick auf das Frankfurter Messegelände. (Bild: Messe Frankfurt / Sutera)
  • Die IAA öffnet vom 14. bis 24. September 2017 täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr.
    Die IAA öffnet vom 14. bis 24. September 2017 täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr. (Bild: IAA / VDA)
  • Eindrücke von der IAA am Eröffnungstag.
    Eindrücke von der IAA am Eröffnungstag. (Bild: IAA / VDA)
  • Wohlfühlambiente versprüht die zur Hälfte der Laufzeit aufgefrischte S-Klasse von Mercedes-Benz.
    Wohlfühlambiente versprüht die zur Hälfte der Laufzeit aufgefrischte S-Klasse von Mercedes-Benz. (Bild: Daimler)
  • Am unteren Ende der Preisskala sorgt der neue VW Polo für Furore.
    Am unteren Ende der Preisskala sorgt der neue VW Polo für Furore. (Bild: VW)
  • Audi mit der Neuinterpretation des A8.
    Audi mit der Neuinterpretation des A8. (Bild: Audi)
  • Am Ford-Stand dreht sich alles um die achte Generation des Kleinwagens Fiesta, die quasi zum gleichen Preis (12950 Euro) wie der VW Polo startet.
    Am Ford-Stand dreht sich alles um die achte Generation des Kleinwagens Fiesta, die quasi zum gleichen Preis (12950 Euro) wie der VW Polo startet. (Bild: Ford)
  • Die IAA 2017 ist eröffnet.
    Die IAA 2017 ist eröffnet. (Bild: IAA / VDA)
  • Ein Jahr nach dem Start der aktuellen Limousine hat Jaguar  einen XF Sportbrake aufgelegt.
    Ein Jahr nach dem Start der aktuellen Limousine hat Jaguar einen XF Sportbrake aufgelegt. (Bild: Jaguar)
  • Opel bringt mit dem Grandland X einen mittelgroßen SUV auf den Markt.
    Opel bringt mit dem Grandland X einen mittelgroßen SUV auf den Markt. (Bild: Opel)
  • Die Stuttgarter Sportwagenschmiede nennen ihren neusten Panamera-Ableger „Sport Turismo“.
    Die Stuttgarter Sportwagenschmiede nennen ihren neusten Panamera-Ableger „Sport Turismo“. (Bild: Porsche)
  • Der Seat Arona gehört  in die Gruppe der leichten SUV.
    Der Seat Arona gehört in die Gruppe der leichten SUV. (Bild: Seat)
Inwieweit für Fahrzeuge oder bestimmte Fahrzeugtypen die Möglichkeit zur technischen Nachrüstung besteht, ist noch unklar. Hier ist die Autoindustrie aufgefordert, Lösungen zu präsentieren, denn auf den Diesel als Antriebskonzept kann mittelfristig nicht verzichtet werden. „Es gilt verlorenes Vertrauen umgehend zurückzugewinnen. Nur wenn alle schnell und koordiniert handeln, lassen sich Grenzwerte erreichen und Fahrverbote vermeiden“, meint Wollseifer und sagt weiter: „Und nur wenn das Handwerk Rechts- und Planungssicherheit bekommt, wird eine schnelle Fuhrparkmodernisierung funktionieren.“ Doch im Pkw-Sektor lassen sich erheblich schneller Erfolge erzielen, als bei Transportern oder Lkw.

Auch Hardware ändern

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) kritisiert ebenfalls die Hersteller und will Änderungen nicht nur der Software, sondern auch der Hardware erreichen: „Wenn die Hersteller ihrer Verantwortung als Verursacher der Diesel-Krise gerecht werden wollen, sollten sie sich schleunigst um die Entwicklung wirksamer Nachrüstlösungen kümmern, meint ZDK-Chef Jürgen Karpinski. Nur so könnte das Vertrauen der verunsicherten Kunden zurückgewonnen und Fahrverbote vermieden werden. Zudem trage die Hardware-Nachrüstung dazu bei, die Restwerte der betroffenen Fahrzeuge zu stabilisieren.
Die IAA 2017 ist eröffnet.
Foto: IAA / VDA
Die IAA 2017 ist eröffnet.
Tests mit nachgerüsteter AdBlue-Harnstoffeinspritzung und SCR-Katalysator haben gezeigt, dass ein Euro 5-Diesel beim Stickoxid-Ausstoß auf Euro 6c-Niveau verbessert werden kann, und das bei einer Reduzierung des NOx-Ausstoßes um rund 90 Prozent. Dass die Hersteller für die Kosten geradestehen müssten, ist für den ZDK völlig offensichtlich. Sinnvoll könne aber auch eine staatliche Umrüstprämie sein. Schließlich hätten die Euro 5-Diesel zum Zeitpunkt der Zulassung die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

Auch der ADAC ist der Meinung, dass die angekündigten Software-Updates mit Blick auf die Umweltbelastung zu wenig Wirkung bringen. Dass es aber funktioniert, saubere Autos zu bauen, zeigt ein Test des Automobilclubs.
IAA 2017
(Bild: IAA / VDA)

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IAA Totalschaden

Wie ein Test des ADAC nahelegt, sind die neuen Euro-6-Selbstzünder der deutschen Konzerne die mit Abstand saubersten auf dem Markt. So entspreche der Stickoxid-Ausstoß eines Renault Grand Scénic 160 dCi innerorts dem von rund 230 BMW 520d – insgesamt lägen die Emissionen von Autos des Renault-Konzerns fünfmal so hoch wie bei Modellen von BMW. 188 Modelle hat der Autoclub in seinem Ecotest unter die Lupe genommen. Anders als die großen deutschen Hersteller hatten es die Importeure beim nationalen Dieselforum Anfang August abgelehnt, ihre Dieselmodelle nachzubessern.

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