Konsumverhalten Faszinierend widersprüchlich

Dienstag, 12. Dezember 2017
Diese Schweine werden nach neun bis zwölf Monaten geschlachtet.
Foto: fl
Diese Schweine werden nach neun bis zwölf Monaten geschlachtet.

Verbraucher sind nach wie vor nicht bereit, für Tierwohl mehr Geld auszugeben. Obwohl Nachhaltigkeit und bewusste Ernährung eine immer größere Rolle spielen.

Lassen sich Fleisch und Wurst aus nachhaltiger Nutztierhaltung marktrelevant platzieren? Zieht Tierwohl als Verkaufsargument an der Bedientheke und im SB-Regal?

Dr. Johannes Simons von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn präsentierte zum Deutschen Fleisch Kongress aktuelle Studienergebnisse der Abteilung für Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Danach fühlen sich die Verbraucher einem wachsenden Druck ausgesetzt: Der Genuss ohne Reue werde einerseits sehr gewünscht, doch gehe es andererseits sehr viel mehr um die tägliche Ernährung.

Eine Mehrheit schließt sich dem gesellschaftspolitischen Ziel nach einem Mehr an Tierwohl zwar an, sei aber derzeit nicht bereit, für Tierwohlprodukte mehr Geld auszugeben. Deshalb werden weiter Umfrage und Marktdaten nicht zueinander passen, denn der Verbraucher sei „faszinierend widersprüchlich, so Simons.

Der Schlüssel zur höheren Zahlungsbereitschaft liege darin, die Verbraucher wesentlich intensiver über die Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel zu informieren.

Während das Tierwohl eine sehr hohe Bedeutung habe, wisse man außerhalb der Branche jedoch viel zu wenig über Tierhaltung. Viele Kunden verspürten beim Einkauf ein Unbehagen, das durch immer wieder neue Diskussionen über Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft befeuert werde. Dieses Unwohlsein gelte es durch Information aufzulösen, riet der Wissenschaftler. Außerdem erwarten die Konsumenten, dass Erzeuger, Verarbeiter und Händler das Heft in die Hand nehmen. Ein Weg, den die Niederländer eingeschlagen haben.

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